Samstag, 21. März 2026

Dreimal getroffen, zweimal geführt, einmal blamiert – Bayer und die Kunst, sich selbst weh zu tun

Es gibt Unentschieden, die fühlen sich irgendwie ordentlich an. Und es gibt dieses 3:3 in Heidenheim. Das gehört in die zweite Kategorie, irgendwo zwischen Wurzelbehandlung und versehentlich verschüttetem Altbier auf dem Lieblingsschal. Zweimal geführt, drei Tore gemacht, gegen den Tabellenletzten gespielt – und am Ende trotzdem zwei Punkte weggeworfen. Wer das schönreden will, kann auch behaupten, ein brennender Toaster sorge für gemütliche Wärme.

Dabei war die erste Halbzeit noch genau das, was man nach dem Arsenal-K.o. gebraucht hätte: Kontrolle, Ruhe, Qualität. Tillman trifft, Schick trifft, Heidenheim sieht aus wie ein Gegner, den man mit professioneller Nüchternheit abarbeitet. Nicht glanzvoll, nicht spektakulär, aber souverän. Genau diese erwachsene Sorte Auftritt, mit der man signalisiert: Ja, Champions League ist vorbei, aber in der Liga wissen wir immer noch, was zu tun ist.

Und dann passierte wieder das, was in dieser Saison leider viel zu oft passiert, wenn Bayer eigentlich alles im Griff hat: Die Mannschaft verwechselt Spielkontrolle mit Arbeitseinstellung Feierabend. Heidenheim wurde mutiger, aggressiver, unangenehmer – und Bayer reagierte darauf wie jemand, der im Regen stehen bleibt und hofft, dass die Wolke von allein weiterzieht. Tat sie natürlich nicht. Stattdessen kam Heidenheim zurück, dann Schick noch einmal zur Führung, und selbst da hatte man nicht das Gefühl, dass die Sache wirklich entschieden ist. Wenn du auswärts drei Tore schießt und trotzdem nicht gewinnst, liegt das nicht am Pech, sondern an fehlender Konsequenz.

Besonders bitter ist das, weil die ganze Großwetterlage schon unerquicklich genug ist. Aus der Königsklasse raus, in der Liga das dritte Remis in Folge, und statt mit Wut und Klarheit in den Endspurt zu gehen, verteilt man Aufbauhilfe an einen Abstiegskandidaten. Natürlich kann man Heidenheim Respekt zollen. Die haben gebissen, gerannt, geglaubt. Aber genau das macht es ja so ärgerlich: Bayer wusste, was kommen würde, und hat es trotzdem zugelassen.

Als Fan bleibt da vor allem Enttäuschung. Nicht wegen eines wilden 3:3 an sich, sondern weil diese Mannschaft mehr können müsste, mehr können will und in solchen Spielen trotzdem immer wieder den Stecker zieht. Drei Tore in Heidenheim müssen reichen. Punkt. Alles andere ist kein Ausrutscher mehr, sondern ein verdammt teures Muster.

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