Donnerstag, 19. Februar 2026

Schick-Schock in Piräus

Es gibt Abende in Europa, da fühlt sich Bayer 04 an wie dieser eine Kumpel, der erst nach einer Stunde Smalltalk merkt, dass er eigentlich zum Date wollte. 60 Minuten lang klopfen wir in Piräus an die Tür, stehen dann aber gefühlt ohne Schlüssel vorm eigenen Chancenhaus. Und natürlich schwebt sofort dieses unangenehme Déjà-vu aus der Ligaphase über dem griechischen Hexenkessel: „Wenn du sie vorne nicht machst…“ – ja, kennen wir, bitte nächste Folie.

Nur: diesmal sind wir nicht die brave Werkself, die sich von Atmosphäre, Pressing und Stadionakustik einlullen lässt. Diesmal ist da etwas, das man in Leverkusen inzwischen fast schon als Luxusproblem kennt: Geduld. Man kann das langweilig finden, man kann es auch „Erwachsenwerden in der Königsklasse“ nennen. Ich nenne es: endlich mal nicht komplett nervös werden, wenn’s auswärts laut wird.

Und dann kommt Patrik Schick. Erst eiskalt nach dem Konter, dann per Kopf nach Ecke – 144 Sekunden, die sich anfühlen wie „Ach so, Tore schießen ist erlaubt“. Dass er dabei sogar mit Grimaldo heimlich die kurze Ecke verabredet, passt perfekt: Während andere noch diskutieren, ob man Standards trainieren darf, macht Bayer 04 einfach welche rein. Unverschämt.

Was mir trotzdem sauer aufstößt: Wir hätten das Ding früher entscheiden können – und müssen. Maza Latte, Poku daneben, das übliche „Wir sind kreativ im Vergeben“. Olympiakos hatte mit dem aberkannten Treffer schon den Finger am Spielverlauf. Diese K.o.-Spiele bestrafen jeden Moment von Leichtsinn, und manchmal auch jede verpasste Vorentscheidung.

Trotzdem: 2:0 aus Piräus ist ein Statement. Nicht das glamouröseste, aber eins, das nach Achtelfinale riecht. Jetzt bitte in Berlin nicht wieder die Akkus im Hotel lassen – und dann die BayArena als Finish. Erster Step gemacht? Ja. Aber wir wissen doch: Leverkusen kann selbst beim Treppensteigen noch über die letzte Stufe stolpern.

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