33 Torschüsse, zwei Tore. Offenbar ist Bayer 04 eigens nach Kreta gereist, um herauszufinden, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen dem Beherrschen eines Fußballspiels und dem Treffen des gegnerischen Tores gibt. Gegen eine Mannschaft von OFI Kreta, die über weite Strecken des Abends hauptsächlich mit dem eigenen Überleben beschäftigt war, produzierte unsere Werkself Chancen für mindestens drei Spiele und machte daraus einen vergleichsweise bescheidenen 2:0-Erfolg. Zum Glück hatte Jonas Hofmann verstanden, worum es beim Fußball letztlich geht. Zwei Tore innerhalb von drei Minuten, der dritte Europa-League-Sieg ohne Gegentor und mittlerweile sechs Pflichtspielerfolge hintereinander. Nicht schlecht für eine Mannschaft, die konsequente Chancenverwertung offenbar noch immer für eine freiwillige Zusatzleistung hält.
Die eigentliche Pointe dieses Abends lieferte ausgerechnet ein Spieler, der ursprünglich gar nicht für die Europa League vorgesehen war. Jonas Hofmann, zunächst nicht für den internationalen Wettbewerb gemeldet und erst durch die Verletzung von Martin Terrier nachgerückt, wurde zum entscheidenden Mann. In der 35. Minute stand er genau dort, wo ein erfahrener Offensivspieler stehen muss, als OFI-Torhüter Klidman Lilo einen Schuss von Afonso Moreira abprallen ließ. Drei Minuten später folgte ein sehenswerter Abschluss aus der Distanz zum 2:0. Damit war die Partie praktisch entschieden. Manchmal schreibt der Fußball eben doch die schönsten Geschichten.
Besonders gefreut habe ich mich über Hofmann. Mit seinen 34 Jahren hat er in Leverkusen schon einiges erlebt und weiß, dass Einsatzzeiten keineswegs selbstverständlich sind. In einem immer stärker besetzten Kader hätte er durchaus in der Bedeutungslosigkeit verschwinden können. Stattdessen zeigte er eindrucksvoll, welchen Wert Erfahrung, Spielintelligenz und Abgeklärtheit besitzen. Seine beiden Treffer waren nicht nur spielentscheidend, sondern auch eine deutliche Botschaft an seinen Trainer: Mit mir ist weiterhin zu rechnen.
Bemerkenswert war für mich aber auch, wie selbstverständlich die Mannschaft die personellen Veränderungen verkraftete. Trainer Carles Martínez hatte gegenüber dem Freiburg-Spiel gleich fünf Positionen neu besetzt, unter anderem erhielt Janis Blaswich im Tor den Vorzug vor Mark Flekken. Trotzdem wirkte unser Spiel keineswegs improvisiert. Bayer kontrollierte den Ball, kombinierte sicher und fand immer wieder Lücken in der dicht gestaffelten Defensive der Griechen. 63 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von 92 Prozent und lediglich sechs zugelassene Torschüsse unterstreichen die Überlegenheit. Dass OFI-Torhüter Lilo mehrfach glänzend parierte, gehört zur Wahrheit dieses Abends allerdings ebenfalls dazu. Noch wichtiger als die statistischen Werte fand ich jedoch, dass auch diese veränderte Mannschaft eine klare spielerische Handschrift erkennen ließ.
Nach der Pause wurde die Angelegenheit allerdings zunehmend zu einer etwas langweiligen Verwaltungsveranstaltung. Mit zwei Toren Vorsprung schaltete Bayer mehrere Gänge zurück und beschränkte sich weitgehend darauf, das Ergebnis sicher nach Hause zu bringen. Angesichts des anspruchsvollen Spielplans kann ich das durchaus nachvollziehen. Schon am Sonntag wartet mit Hoffenheim die nächste Aufgabe, und niemand muss bei einem komfortablen Vorsprung unnötig Kräfte verschwenden. Trotzdem bewegte sich unsere Gelassenheit zwischenzeitlich gefährlich nahe an der Grenze zur Nachlässigkeit. OFI kam noch zu einigen Abschlüssen, und ein Anschlusstreffer hätte aus einem vermeintlich erledigten Spiel schnell eine unangenehme Angelegenheit machen können. Gegen stärkere Gegner sollten wir uns derartige Phasen besser nicht erlauben.
Immerhin konnte sich Blaswich bei seinem Europa-League-Debüt mehrfach auszeichnen. Mit 35 Jahren erstmals in diesem Wettbewerb zwischen den Pfosten zu stehen und gleich ohne Gegentor zu bleiben, ist sicherlich eine schöne Geschichte. Drei Spiele, drei Siege und noch kein einziger Gegentreffer: Unsere internationale Bilanz kann sich wirklich sehen lassen. Vor allem zeigt sie, dass Martínez auch auf wichtigen Positionen rotieren kann, ohne dass die defensive Stabilität darunter leidet.
Überhaupt ist die Breite des Kaders für mich eine der erfreulichsten Erkenntnisse der vergangenen Wochen. Diese Mannschaft scheint inzwischen nicht mehr davon abhängig zu sein, dass immer dieselben elf Spieler auf dem Platz stehen. Hofmann kommt hinein und entscheidet das Spiel, Blaswich ersetzt Flekken und hält seinen Kasten sauber, andere erhalten ihre Einsatzzeiten, ohne dass die grundlegenden Abläufe verloren gehen. Nach den zahlreichen Veränderungen und Unsicherheiten der vergangenen Monate ist das keineswegs selbstverständlich. Es spricht vielmehr dafür, dass Martínez inzwischen eine funktionierende Mannschaft geformt hat, in der auch die vermeintlichen Ersatzspieler ihren Beitrag leisten können.
Bei aller Freude sollten wir allerdings die Relationen nicht aus den Augen verlieren. OFI Kreta hatte zwar zum Auftakt überraschend Hoffenheim geschlagen, gehörte an diesem Abend aber sicher nicht zu den Gegnern, an denen wir unsere europäischen Titelambitionen ernsthaft messen sollten. Die wirklich schwierigen Aufgaben kommen noch. Gerade die Europa League hat in der Vergangenheit oft genug gezeigt, wie wenig eine überzeugende Vorrunde wert sein kann, wenn es später darauf ankommt. Neun Punkte aus drei Spielen sind eine hervorragende Ausgangslage, aber Pokale werden bekanntlich nicht im Oktober verteilt.
Jetzt warten Hoffenheim, Nürnberg, Stuttgart und Marseille. Sechs Siege in Serie machen Hoffnung, aber ich kenne meinen Bayer: Euphorie ist erlaubt, Übermut selten eine gute Idee.
Niemals Meister (tut zwar weh) - ein Blog als Fan von Bayer 04
Freitag, 23. Oktober 2026
Bayer siegt 2:0 auf Kreta – aber 33 Torschüsse sollten mehr bringen
Sonntag, 18. Oktober 2026
2:1 gegen Freiburg: Maza zaubert, Schick trifft
Es gibt Sonntage, an denen man sich als Bayer-Fan gemütlich zurücklehnen und entspannt drei Punkte genießen möchte. Und dann gibt es Sonntage, an denen Bayer 04 Leverkusen spielt. Da gehören Schnappatmung, Kopfschütteln und erhöhter Puls offenbar weiterhin zum kostenlosen Rahmenprogramm. Immerhin: Am Ende stand ein verdienter 2:1 gegen den SC Freiburg. Nach dem überzeugenden 4:0 in Posen der nächste wichtige Schritt. Langsam macht mir diese Werkself wieder richtig Spaß!
Bevor überhaupt Fußball gespielt wurde, gab es erst einmal eine Tennisveranstaltung. Freiburger Fans warfen aus Protest gegen Einschränkungen bei Fan-Utensilien Tennisbälle auf den Rasen. Selbst Freiburgs Trainer Julian Schuster war wenig begeistert. Protest schön und gut, aber vielleicht sollte man sich beim nächsten Mal eine Sportart aussuchen, die auch auf dem Spielplan steht.
Als der Ball endlich rollte, zeigte Freiburg, warum die Breisgauer bislang ungeschlagen waren. Unsere Werkself fand zunächst kaum Zugriff, und nach 14 Minuten brachte Derry Scherhant die Gäste in Führung. Natürlich! Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Zum Glück haben wir Ibrahim Maza. Nur sechs Minuten später erzielte er nach Vorarbeit von Patrik Schick den Ausgleich. Dieser Junge begeistert mich zunehmend mit seiner Technik, Unbekümmertheit und Kreativität. Während andere noch überlegen, wohin sie passen sollen, hat Maza längst drei Gegenspieler ausgespielt.
Bis zur Pause blieb es allerdings ein zähes Stück Arbeit. Freiburg verteidigte geschickt, Bayer fehlte die letzte Konsequenz. Immerhin traf Schick den Pfosten. Nach dem Seitenwechsel wurde unsere Werkself stärker, kontrollierte zunehmend das Geschehen, ließ aber zunächst die nötige Durchschlagskraft vermissen.
Dann kam die 76. Minute. Maza ließ gleich drei Freiburger aussehen, als hätten sie ihre Fußballschuhe zum ersten Mal angezogen, und servierte Schick den Ball mustergültig. 2:1! Gleichzeitig ein historischer Treffer: Schick hat an jedem der ersten sechs Bundesligaspieltage getroffen. Vereinsrekord! Vielleicht sollten wir ihm künftig einfach vor Anpfiff ein Tor gutschreiben.
Natürlich hätten Tella und Maza anschließend alles entscheiden können. Aber warum das 3:1 machen, wenn man den eigenen Fans noch einen kleinen Herzinfarkt in der Nachspielzeit anbieten kann? Höler köpfte glücklicherweise knapp vorbei. Solche Nachlässigkeiten müssen wir dringend abstellen. Gegen stärkere Gegner kann das böse enden.
Trotzdem gefällt mir die Entwicklung unter Carles Martínez. Nach dem holprigen Saisonstart hatte ich durchaus Zweifel. Inzwischen greifen die Abläufe besser, das Pressing funktioniert und die Mannschaft zeigt Charakter. Nicht alles ist perfekt, aber die Richtung stimmt.
Jetzt warten Kreta und Hoffenheim. Zwei Auswärtsspiele, bei denen wir nachlegen können. Von Meisterschaftsträumen bin ich noch weit entfernt, aber dieser Werkself traue ich wieder einiges zu.
Drei Punkte, ein Schick-Rekord und ein überragender Maza. Ein gelungener Sonntag! Wenn wir künftig noch ohne Herzinfarkt gewinnen, wäre ich restlos zufrieden.
Freitag, 16. Oktober 2026
Vier Tore, zwei Elfmeter und ein Rasensprenger – Bayer lässt beim 4:0 in Posen nichts anbrennen
Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man als Bayer-Fan einen Europapokalabend erlebt und hinterher nicht erst einmal einen Termin beim Kardiologen vereinbaren muss. Nach dem vogelwilden 4:3 in Mainz hatte ich eigentlich wieder mit einem dieser Spiele gerechnet, bei denen unsere Defensive großzügig Gastgeschenke verteilt und vorne irgendjemand den Laden retten muss. Stattdessen gewinnt Bayer beim polnischen Meister Lech Posen einfach mal mit 4:0. Ohne Drama, ohne kollektiven Nervenzusammenbruch und ohne die übliche Leverkusener Spezialdisziplin, einen eigentlich schon sicheren Sieg noch einmal spannend zu machen. Fast schon unverschämt souverän. Wobei man bei aller Begeisterung auch festhalten muss: Lech Posen war an diesem Abend nicht unbedingt der Gegner, vor dem Europas Fußball-Elite schlaflose Nächte bekommen dürfte. Aber immerhin brauchten die Polen zwischendurch sogar ihre Rasensprenger, um unseren Spielfluss zu unterbrechen. Fußballerisch war ihnen das nämlich nur selten gelungen.
Samstag, 10. Oktober 2026
4:3 in Mainz – drei Punkte, aber warum muss Bayer es immer so spannend machen?
Manchmal fragt man sich als Bayer-Fan wirklich, warum diese Mannschaft einem das Leben unnötig schwer macht. Da führen wir nach gerade einmal neun Minuten in Mainz mit 2:0, haben den Gegner komplett im Griff und alles deutet auf einen entspannten Fußballnachmittag hin. Und was passiert? Zur Halbzeit steht es 2:2. Am Ende gewinnen wir zwar mit 4:3, aber statt eines souveränen Auswärtssiegs gibt es mal wieder reichlich Kopfschütteln.
Dabei fing alles so schön an. Robert Andrich, ausgerechnet bei seinem 200. Bundesliga-Einsatz, hämmert den Ball nach fünf Minuten traumhaft unter die Latte. Kurz darauf legt Patrik Schick nach und trifft damit tatsächlich in jedem der ersten fünf Saisonspiele. Das ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Bayer spielte aggressiv, zielstrebig und ließ Mainz zunächst überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Genau so möchte man diese Mannschaft sehen.
Doch dann kam wieder das, was einen als Fan wahnsinnig macht: Bayer stellte das Fußballspielen zwar nicht komplett ein, nahm aber deutlich Tempo und Intensität heraus. Plötzlich war Mainz wieder im Spiel, bekam Räume und durfte sich Chancen erarbeiten. Dass Anthony Caci innerhalb von neun Minuten zweimal traf, war deshalb auch kein Zufall. Eine 2:0-Führung so leichtfertig aus der Hand zu geben, darf einer Mannschaft mit unseren Ansprüchen einfach nicht passieren.
Immerhin zeigte die Werkself nach der Pause die richtige Reaktion. Jarell Quansah brachte uns erneut in Führung, auch wenn man über das vorausgegangene Handspiel von Schick durchaus diskutieren konnte. Und dann kam Moussa Diaby. Sein Treffer zum 4:2 war nicht nur wunderschön, sondern auch ein schöner Moment nach seiner Rückkehr. Genau solche Aktionen haben wir von ihm vermisst.
Eigentlich hätte das Spiel damit erledigt sein müssen. Eigentlich. Aber Bayer wäre derzeit offenbar nicht Bayer, wenn man nicht auch noch in der Nachspielzeit einen Gegentreffer kassieren würde. Dass Mainz insgesamt 23 Torschüsse verbuchte und bei den erwarteten Toren sogar deutlich vorne lag, sollte Trainer Carles Martínez jedenfalls zu denken geben. Vier eigene Tore sind hervorragend, drei Gegentore aber schlicht zu viel.
Natürlich wollen wir nicht alles schlechtreden. Der erste Auswärtssieg der Saison ist eingefahren, Schick trifft zuverlässig, Diaby kommt wieder in Schwung und offensiv macht diese Mannschaft richtig Spaß. Außerdem steht Bayer nach fünf Spieltagen auf Platz vier. Das ist angesichts des holprigen Saisonstarts durchaus erfreulich.
Aber wir sollten uns vom Ergebnis nicht blenden lassen. Wer in der Bundesliga dauerhaft oben mitspielen will, muss solche Spiele kontrollierter nach Hause bringen. Gegen Mainz hat die individuelle Qualität gereicht, um die eigenen Schwächephasen zu überdecken. Gegen stärkere Gegner wird das nicht immer funktionieren.
Jetzt stehen mit Lech Posen und Freiburg die nächsten Aufgaben an, und die englischen Wochen haben gerade erst begonnen. Da wäre es schön, wenn die Werkself irgendwann auch mal einen Sieg einfährt, bei dem man die letzten Minuten entspannt auf dem Sofa verbringen kann.
Mein Fazit: Vier Tore geschossen, drei Punkte geholt, alles gut? Nicht ganz. Über den Sieg freue ich mich natürlich. Aber diese unnötige Wackelei muss endlich aufhören. Bayer hat genug Qualität, um solche Spiele souveräner zu gewinnen. Man muss sie nur auch über 90 Minuten auf den Platz bringen.
Montag, 21. September 2026
2:0 gegen Leipzig – genau diese Stabilität hat zuletzt gefehlt
Es gibt Siege, die fühlen sich größer an als das Ergebnis. Das 2:0 gegen RB Leipzig gehört für mich dazu. Nicht, weil Bayer 04 den Gegner 90 Minuten lang an die Wand gespielt hätte. Im Gegenteil: Gerade in der ersten Halbzeit war das ein ziemlich zähes Stück Arbeit. Aber nach den defensiven Wacklern der vergangenen Wochen war diesmal vor allem eines zu sehen: Ordnung, Disziplin und die Fähigkeit, ein Spiel auch dann zu gewinnen, wenn nicht alles glänzt.
Der Nachmittag stand zudem unter einem traurigen Vorzeichen. Bayer spielte in Erinnerung an Peter Hermann mit Trauerflor, vor dem Anpfiff wurde ihm gedacht. Danach war die Werkself vom Start weg konzentriert, auch wenn Leipzig zunächst gefährlicher wirkte. Mark Flekken musste früh gegen Banzuzi eingreifen, und lange blieb die Partie taktisch geprägt. Bayer hatte zwar mehr Kontrolle, aber im letzten Drittel fehlte häufig die Präzision. Miguel Gutiérrez verpasste eine Hereingabe von Quansah, Aleix Garcia zielte zu hoch, Schick und Diaby ließen eine Doppelchance liegen. Ich hatte mich innerlich schon auf ein 0:0 zur Pause eingestellt.
Dann kam Schick. Natürlich. Gutiérrez brachte den Ball punktgenau in die Mitte, Schick nahm ihn direkt und traf kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:0. Ein richtig starkes Tor – und vor allem eines zum perfekten Zeitpunkt. Wenn du eine erste Hälfte spielst, in der dir nicht alles gelingt, dann ist so ein Treffer Gold wert. Schick hat inzwischen wieder diese Selbstverständlichkeit vor dem Tor, die man bei einem Mittelstürmer sehen will. Kein großes Nachdenken, keine Extrarunde – Ball kommt, Ball rein.
Nach der Pause gefiel mir Bayer deutlich besser. Maza, Diaby und Moreira brachten mehr Tempo ins Spiel, die Aktionen wurden flüssiger und Leipzig verlor zunehmend die Kontrolle. Beim 2:0 halfen die Gäste zwar kräftig mit, aber Gutiérrez musste den Ball trotzdem erst einmal so unter die Latte setzen. Für ihn war es das erste Pflichtspieltor im Bayer-Trikot – und nach seiner Vorlage zum 1:0 war er für mich ganz klar der Mann des Spiels.
Noch wichtiger als die beiden Tore war für mich diesmal aber die Defensive. Genau da hatte ich zuletzt meine größten Bauchschmerzen. Gegen Elversberg war Bayer zeitweise völlig offen, in Augsburg reichten ein paar Minuten Unordnung, um ein kontrolliertes Spiel fast zu verschenken. Gegen Leipzig sah das deutlich erwachsener aus. Tapsoba und Medina gewannen wichtige Zweikämpfe, Quansah arbeitete konzentriert, Gutiérrez war auch gegen den Ball stark. Leipzig kam zwar zu Chancen, aber nicht zu dieser Serie von freien Räumen und schlecht verteidigten Situationen, die mich zuletzt so genervt hatte.
Perfekt war das trotzdem nicht. Vor der Pause lag Bayer in der Zweikampfquote zeitweise deutlich hinten, und Leipzig hatte sogar den Ball im Tor. Wegen einer Abseitsstellung wurde der Treffer zurückgenommen. Man sollte deshalb nicht so tun, als wäre die erste Halbzeit ein Meisterwerk gewesen. War sie nicht. Aber das Entscheidende ist: Bayer hat diese schwierige Phase überstanden, ist nicht auseinandergefallen und hat sich nach der Pause gesteigert. Genau das unterscheidet einen stabilen Auftritt von einem, bei dem am Ende wieder jemand erklären muss, warum plötzlich zehn Minuten lang alles weg war.
Dass Schick später noch zweimal das 3:0 verpasste, war fast schon das einzige kleine Ärgernis. Ansonsten brachte Bayer die Partie erstaunlich souverän nach Hause. Kein hektisches Zurückziehen, kein Zittern, kein Gegentor aus dem Nichts. Nach den vergangenen Wochen kann man gar nicht hoch genug bewerten, wie angenehm langweilig so etwas sein kann.
Zwei Bundesliga-Heimspiele, zwei klare Siege, dazu der Erfolg in der Europa League – langsam beginnt man zu erkennen, wohin die Reise unter Carles Martínez gehen könnte. Noch ist längst nicht alles stabil, und die bisherigen Auswärtsspiele mahnen zur Vorsicht. Aber gegen Leipzig hat Bayer genau das gezeigt, was ich zuletzt eingefordert hatte: weniger defensive Geschenke, mehr Konzentration und die Fähigkeit, auch ohne spielerisches Feuerwerk die Kontrolle zu behalten.
Jetzt geht es erst einmal in die lange Länderspielpause. Danach wartet Mainz.
Wenn wir dort genauso konsequent verteidigen wie gegen Leipzig, hätte ich überhaupt nichts dagegen, wenn ein Bayer-Spiel mal wieder angenehm unspektakulär endet.
Donnerstag, 17. September 2026
2:0 gegen Celje – drei Punkte, aber noch kein Grund für Europa-Euphorie
Europapokal-Abende in der BayArena dürfen für meinen Geschmack gern zwei Dinge liefern: einen Sieg und möglichst wenig unnötigen Stress. Gegen NK Celje bekam ich beides weitgehend serviert. Bayer 04 startet mit drei Punkten in die Europa League und erledigt damit genau das, was gegen den slowenischen Meister erwartet werden durfte. Spielerisch war allerdings noch Luft nach oben – das sahen auch Carles Martínez und Robert Andrich nach der Partie so.
Martínez rotierte kräftig und veränderte seine Startelf gegenüber Augsburg auf sechs Positionen. Martin Terrier stand erstmals seit März wieder von Beginn an auf dem Platz, Robert Andrich durfte erstmals in dieser Saison starten, dazu kehrten unter anderem Patrik Schick, Malik Tillman und Lucas Vázquez in die Anfangsformation zurück. Bayer brauchte ein paar Minuten, fand dann aber zunehmend Kontrolle. Terrier traf den Pfosten, Edmond Tapsoba zwang Celjes Torwart zu einer Parade und schließlich sorgte eine von Svit Seslar abgefälschte Flanke von Aleix Garcia für die Führung. Nicht unbedingt ein Treffer für den Jahresrückblick, aber im Europapokal frage ich bei Toren grundsätzlich nur selten nach der künstlerischen Qualität.
Der auffälligste Leverkusener war für mich Garcia. Er bestimmte das Spiel, tauchte immer wieder gefährlich auf und war in der ersten Halbzeit an sieben der zwölf Bayer-Abschlüsse direkt beteiligt. Genau diese Präsenz braucht die Mannschaft im Zentrum. Trotzdem hätte Bayer aus seiner Überlegenheit mehr machen müssen. Schick köpfte vorbei, Terrier scheiterte frei vor dem Tor. Solche Chancen sollte man gegen stärkere Gegner besser nutzen, denn die bedanken sich meistens nicht dafür, dass man sie am Leben lässt.
Ganz ohne Warnsignal ging der Abend ohnehin nicht vorbei. Celje bekam trotz der Leverkusener Überlegenheit mehrere gute Gelegenheiten, und Mark Flekken musste in der ersten Hälfte mehrfach stark eingreifen. Dass unser Torwart gegen einen Gegner dieses Kalibers mit zu den auffälligeren Spielern gehört, ist für mich kein besonders beruhigendes Zeichen. Schon in Augsburg war das Defensivverhalten phasenweise mein größter Kritikpunkt. Gegen Celje fiel es weniger ins Gewicht, weil die Slowenen ihre Chancen nicht nutzten. Aber die Räume waren da. Auch Andrich sprach später genau das an. Gegen Leipzig oder bei schwierigeren Europa-League-Aufgaben werden solche Einladungen schneller bestraft.
Nach der Pause wurde das Spiel zunehmend zäher. Bayer blieb bestimmend, entwickelte aber lange zu wenig echte Gefahr. Erst die Einwechslungen von Afonso Moreira und Christian Kofane brachten wieder mehr Bewegung. Moreira traf die Latte, aus der anschließenden Ecke erzielte Facundo Medina den zweiten Treffer. Medina entwickelt sich damit langsam zu einem erstaunlichen BayArena-Torjäger: zweiter Heimauftritt, zweites Tor. Für einen Verteidiger darf das gern so weitergehen.
Positiv bleibt außerdem, dass Terrier wieder in der Startelf stand und Eliesse Ben Seghir nach seiner Verletzungspause sein Comeback feierte. Trotzdem bleibt mein Gesamteindruck ähnlich wie nach den ersten Bundesligaspielen: Diese Werkself besitzt reichlich Qualität, ist aber noch zu wechselhaft. Gute Phasen sind inzwischen regelmäßig zu sehen. Was noch fehlt, ist die Konsequenz über 90 Minuten – vorne beim Verwerten der Chancen und hinten beim Verhindern unnötiger Räume.
Drei Punkte, kein Gegentor, Pflicht erfüllt.
Für Euphorie reicht mir das noch nicht. Für einen gelungenen Europapokal-Abend schon.
Samstag, 12. September 2026
2:2 in Augsburg – 80 gute Minuten, zehn Minuten Tiefschlaf
Es gibt Spiele, nach denen man nicht weiß, ob man einen Punkt gewonnen oder zwei verloren hat. Das 2:2 beim FC Augsburg ist genau so eines. Bayer 04 war lange die bessere Mannschaft, führte verdient, kam auf 30 Torschüsse und 63 Prozent Ballbesitz – und brauchte trotzdem Patrik Schick in der 89. Minute, um wenigstens noch etwas mitzunehmen. Ganz normaler Bayer-Wahnsinn also: viel richtig gemacht und mit zehn Minuten Tiefschlaf beinahe alles wieder eingerissen.
Carles Martínez änderte gegenüber dem 4:0 gegen Union zweimal. Moussa Diaby begann erstmals seit seiner Rückkehr, vorne bekam Christian Kofane den Vorzug vor Schick. Das zahlte sich aus. Nach einem langen Ball von Edmond Tapsoba nahm Kofane stark an, ließ seinen Gegenspieler stehen und traf zum 1:0. Ein Tor, das nicht nur schön war, sondern auch zeigte: Bayer hat im Sturm mehr als eine verlässliche Option.
Die erste Halbzeit gefiel mir. Tapsoba und Facundo Medina hielten Augsburg weitgehend vom eigenen Tor fern, Ibrahim Maza sorgte für Gefahr, Diaby brachte Tempo. Das 1:0 war verdient und eher zu knapp. Genau deshalb war das, was nach der Pause passierte, so schwer zu akzeptieren. Plötzlich war von der zuvor gezeigten Ordnung kaum noch etwas übrig. Beim 1:1 kommt Augsburg viel zu einfach durch, Gregoritsch trifft durch die Beine von Flekken. Fünf Minuten später steht derselbe Spieler nach einer Ecke am zweiten Pfosten völlig frei und köpft zum 2:1 ein. Das ist für mich nicht einfach nur ein kurzer Konzentrationsfehler. Das ist in dieser Häufung schlechtes Abwehrverhalten.
Vor allem das zweite Gegentor darf so niemals fallen. Bei einer Ecke weiß jeder, wo die gefährlichen Räume sind und welche Spieler übernommen werden müssen. Trotzdem steht Gregoritsch dort praktisch unbehelligt. Kein ausreichender Druck, keine saubere Zuordnung, offenbar auch keine funktionierende Abstimmung. Der Mann hätte vermutlich noch Zeit gehabt, seine Postleitzahl aufzusagen, bevor jemand bei Bayer merkt, dass er gerade völlig frei im Strafraum steht. Wer ernsthaft um die vorderen Plätze mitspielen will, kann sich solche Szenen nicht leisten. Das hat nichts mit Pech zu tun. Das ist schlicht zu schlecht verteidigt.
Und genau da liegt für mich derzeit der wunde Punkt dieser Mannschaft. Wir reden viel über die offensiven Möglichkeiten, über Schick, Kofane, Diaby, Maza und all die Qualität nach vorne. Aber was bringt mir die schönste Offensive, wenn hinten innerhalb weniger Minuten die Ordnung zusammenbricht? In Elversberg haben wir schon gesehen, wie schnell Bayer defensiv den Zugriff verlieren kann. Gegen Union war die Reaktion stark. In Augsburg kommt das gleiche Problem zumindest für eine kurze Phase wieder zurück. Das darf nicht zu einem Muster werden.
Immerhin fiel Bayer diesmal nicht auseinander. Maza traf vermeintlich zum 2:2, doch der VAR kassierte das Tor wegen eines Fouls von Quansah. Martínez brachte Schick und Guéla Doué, danach spielte fast nur noch die Werkself. Augsburg verteidigte tief, Bayer flankte, schoss, drückte – und scheiterte immer wieder an irgendeinem Bein oder an der eigenen Ungenauigkeit. 30 Abschlüsse klingen nach Dominanz. Sie können aber auch ziemlich viel Frust bedeuten.
Dann kam Schick. Natürlich. In der 89. Minute verlängerte er einen nicht voll getroffenen Schuss von Malik Tillman mit der Hacke ins lange Eck. 2:2. Technisch stark, instinktiv und genau deshalb so typisch für ihn. Schick braucht nicht immer den perfekten Angriff. Manchmal reicht ihm ein halber Moment im Strafraum.
Unterm Strich hat Bayer beim Tabellenführer ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht und sich den Punkt verdient. Kofane trifft, Schick trifft, Diaby bringt Tempo zurück, Doué sammelt erste Minuten. Aber ich möchte mich davon nicht zu sehr beruhigen lassen. Die Offensive kann derzeit vieles reparieren, was hinten schiefgeht. Auf Dauer ist das kein Konzept.
Vier Punkte aus drei Spielen sind kein Drama. Aber sie zeigen, dass diese Werkself defensiv noch weit davon entfernt ist, wirklich stabil zu sein. Wer oben mitreden will, muss nicht nur schöne Tore schießen. Er muss auch verhindern, dass ein eigentlich kontrolliertes Spiel durch zwei schlecht verteidigte Situationen kippt.
Vielleicht ist die Erkenntnis aus Augsburg deshalb noch einfacher: Vorne haben wir genug Qualität, um fast jedes Spiel zu retten. Hinten sollten wir endlich aufhören, sie ständig dazu zu zwingen.