Sonntag, 15. Februar 2026

Kamelle, Kopfball, Klartext

Wenn Karneval ist und Bayer 04 dreimal per Kopf trifft, dann weißt du: In Leverkusen wird nicht nur Kamelle geworfen – da fliegen auch Standards wie Konfetti.

Dieses 4:0 gegen St. Pauli fühlt sich nämlich weniger nach „schöner Heimsieg“ an, sondern nach dem lang ersehnten „Ah, da seid ihr ja wieder!“-Moment. Hjulmand hatte zuletzt genau diese Mischung vermisst: Kontrolle, Spielfreude, Klarheit. Und plötzlich steht da eine Werkself, die den Ball zirkulieren lässt, als hätte sie ihn selbst im Fanshop gekauft – und die gleichzeitig in der Luft so dominant ist, dass man St. Pauli fast einen Sauerstoffzuschlag hätte beantragen müssen. Zwei Kopfballtore in einer Minute, später noch eins hinterher: Das ist nicht einfach Effizienz, das ist eine PowerPoint-Präsentation zum Thema „Standards können Spaß machen“.

Und dann diese Innenverteidiger! Quansah trifft schon früh, Tapsoba köpft nach der Pause – und ganz ehrlich: Wenn dein Abwehrchef inzwischen Tore und Assists sammelt wie andere Leute Payback-Punkte, dann läuft was richtig. Dass Tapsoba offenbar gerade nebenbei das Elite-Ranking „torbeteiligungsstärkster Innenverteidiger der Top-5-Ligen“ anführt, klingt wie ein Fußballmanager-Bug – ist aber für uns schlicht wunderbar. Nur typisch Bayer 04, dass wir selbst bei Bestwerten reflexartig denken: „Bitte bleib gesund, bitte bleib gesund…“

Trotzdem: Ein 4:0 kaschiert auch, was die Wochen davor nervte. Die Leistungsschwankungen waren real, die Selbstverständlichkeit nicht immer da. Genau deshalb ist dieses Spiel so wichtig – nicht wegen St. Pauli, sondern wegen uns. Weil es zeigt, dass die Idee unter Hjulmand greifen kann, auch mit ständig wechselnden Startelf-Puzzleteilen. Jetzt kommen diese englischen Wochen, Olympiakos wartet, Union auch – und wir wissen alle: Leverkusen kann im Februar beides sein, Genie und Wackelkandidat.

Aber heute? Heute war’s mal wieder ganz klar: Fanbrille auf, Brust raus, und bitte genauso weitermachen – nur ohne den Teil, wo wir nächste Woche wieder rätseln, welche Werkself eigentlich auftaucht.

Sonntag, 8. Februar 2026

Ein Punkt ist auch ein Punkt – fühlt sich aber trotzdem an wie halbes Kölsch

Es gibt diese Spiele, da sagt die Tabelle hinterher „alles gut“, während das Fanherz leise seufzt. Mönchengladbach auswärts, Derby, Flutlicht, Top-fünf-Ambitionen – und am Ende steht ein 1:1, das nüchtern betrachtet okay ist, sich aber emotional eher wie lauwarme Brause anfühlt. Ungeschlagen-Serie verlängert, ja. Aber Euphorie? Eher so Mittelrhein-Pegel im Hochsommer.

Was dieses Spiel vor allem gezeigt hat: Bayer 04 ist gerade in einer spannenden Übergangsphase. Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, viel Idee – aber eben auch diese seltsame erste Halbzeit, in der wir aussahen, als hätten wir den Stecker für Intensität erst nach der Pause gefunden. Das ist kein individuelles Problem, das ist ein strukturelles Thema. Man sieht, dass die Mannschaft noch lernt, was sie sein will unter Kasper Hjulmand. Mehr Spielkontrolle, mehr Geduld, mehr System – alles gut. Nur darf Geduld nicht mit Schläfrigkeit verwechselt werden.

Gladbach hat genau das gemacht, was man gegen uns machen muss: giftig sein, Räume zustellen, auf Fehler lauern. Und wir? Lieferten den Fehler frei Haus. Dass Aleix Garcia später mit gefühlt 300 Ballkontakten den Ausgleich einleitete, passt irgendwie zur Geschichte dieses Abends: viel Verantwortung, viel Qualität, aber auch ein paar unnötige Risiken. Typisch Bayer 04 2026 – Talent mit Lernkurve inklusive.

Die zweite Halbzeit machte dann Hoffnung. Mehr Tempo, mehr Zugriff, mehr von dem, was wir uns eigentlich von Anfang an wünschen. Aber auch da fehlte dieses letzte bisschen Konsequenz im letzten Drittel. Der Punch, der Unterschied zwischen „ganz nett“ und „Topteam“. Genau daran wird sich diese Mannschaft messen lassen müssen, wenn sie dauerhaft oben mitspielen will.

Unterm Strich bleibt ein Punkt, der nicht weh tut, aber auch nicht glücklich macht. Vielleicht ist genau das der Preis für Entwicklung. Als Fan mit schwarz-roter Brille sage ich: Lieber jetzt solche Spiele, als im April. Aber ein bisschen mehr Gier von Beginn an – das wäre schon schön. Und zwar sehr.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Berlin, wir könnten dann mal losfahren

So langsam wird’s unheimlich. Während anderswo Pokalabende für Herzrasen, Elfmeterschießen und spontane Weißbierduschen sorgen, spielt unsere Werkself diesen Wettbewerb mittlerweile mit der Kaltschnäuzigkeit eines Spitzenkochs, der weiß: Die Gäste kommen eh, also lieber rechtzeitig den Hauptgang servieren. Und das Menü gegen den FC St. Pauli? Drei Gänge, kein Schnickschnack, aber satt und mit Nachgeschmack: 3:0, Halbfinale, weiter geht’s.

Dabei waren die Kiezkicker kein Fallobst. Mutig, frech und mit dem Willen, dem Favoriten ein paar Kratzer zu verpassen. Nur dumm, dass unsere Defensive mittlerweile wirkt wie ein Türsteher auf Red Bull: freundlich, aber unnachgiebig. Tapsoba räumt hinten so ab, als hätte er noch eine Rechnung mit der Reeperbahn offen, während Andrich neben ihm die innere Ruhe eines Zen-Mönchs mit dem Grätsch-Timing eines Chirurgen vereint. Und wenn dann vorne ein Terrier volley die Kugel versenkt, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht, weißt du: Der Pokal riecht schon wieder nach Werkself.

Natürlich gab’s auch Phasen, in denen St. Pauli am Ausgleich schnupperte – doch dann kamen unsere alten Bekannten ins Spiel: Effizienz, Ballkontrolle und der gute, alte Joker. Hofmanns Treffer in der Nachspielzeit? Symbolisch für diese Mannschaft: Du kannst sie vielleicht mal ärgern, aber wenn’s drauf ankommt, macht sie die Tür zu und das Licht aus. Dass Hofmann schon das fünfte Joker-Tor dieser Pokalsaison erzielt hat, spricht übrigens weniger gegen die Startelf als vielmehr für eine Bank, von der andere träumen.

Kasper Hjulmand, unser dänischer Fußball-Philosoph, bleibt dabei betont sachlich – Berlin ist noch nicht erreicht, aber die Tickets liegen fast griffbereit. Und wir Fans? Wir dürfen leise hoffen, ohne gleich wieder an Bayer-typische Halbfinal-Phobien erinnert zu werden. Denn diesmal wirkt das alles… reif. Ernsthaft. Eine Mannschaft mit Ziel, Teamgeist und einer Art von Selbstverständnis, die nicht in Arroganz umschlägt, sondern in Spielfreude und Klarheit.

Also, liebe Werkself: Ruhen wir uns nicht aus. Geben wir weiter alles. Und am besten bald auch den Termin fürs Pokalfinale in den Kalender eintragen. Wer weiß – vielleicht steht da ja am Ende nicht nur das Ziel, sondern endlich auch der verdiente Titel.

Sonntag, 1. Februar 2026

Kalt wie die Stadionwurst – Bayer 04 gewinnt mit halber Kraft

Na, wer hätte das gedacht? Drei Pflichtspielsiege in Folge, Auswärtssieg in Frankfurt, und das mit einem Auftritt, der in der zweiten Halbzeit eher nach Energiesparmodus aussah als nach Titelkampf. Aber gut, wenn man schon nach 45 Minuten fast alles erledigt hat, darf man sich ja auch mal zurücklehnen – zumindest ein bisschen. Denn was die Werkself in der ersten Hälfte zeigte, war genau das, was man sich als Fan so oft wünscht: kontrolliert, abgeklärt, effektiv. Zwei Chancen, zwei Tore. Effizienz wie beim Pfandautomat am Rewe.

Arthur, sonst eher als taktisch wertvoller Dauerläufer bekannt, durfte sich endlich auch mal in die Torschützenliste eintragen. Nach über einem Jahr Bundesliga-Pendelverkehr – von rechts nach links und zurück – hat er sich den Moment mehr als verdient. Und wie immer, wenn jemand bei uns das erste Tor macht, denkt man sich: Hoffentlich platzt da jetzt ein Knoten und nicht nur eine Seifenblase.

Malik Tillman legte schnell nach – drittes Tor im zweiten Spiel, man fragt sich langsam, was der eigentlich gegessen hat in der Winterpause. Was auch immer es war: bitte mehr davon in der Kabine verteilen. Die Eintracht? In Hälfte eins überfordert, in Hälfte zwei dann so, wie man sie erwartet hatte: bissig, laut, mit Stadion im Rücken. Und Bayer? Tja, mit der alten Leverkusener Krankheit: statt den Sack zuzumachen, erst mal den Reißverschluss suchen.

Zum Glück spielte die Eintracht nicht lange mit elf Mann. Die Gelb-Rote für Skhiri half, keine Frage. Aber dass es trotzdem bis zur 93. Minute dauerte, bis Garcia den Deckel draufmachte, lässt einen nicht ganz beruhigt auf den Pokal gegen St. Pauli blicken. Denn eines bleibt: Diese Mannschaft ist auf dem richtigen Weg, aber sie hat immer noch diese kleinen Aussetzer, bei denen man denkt: Muss das jetzt sein?

Kurz gesagt: Das Spiel war ein bisschen wie Stadionwurst im Winter – außen knackig, innen manchmal zu weich, aber am Ende doch genau das Richtige. Und mit drei Punkten schmeckt's eh besser.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Bayer 04 entdeckt die Königsklassen-Kontrolle

Wenn Bayer 04 Leverkusen aktuell Fußball spielt, hat das stellenweise was von einem gut geölten Kaffeevollautomaten: Knopf drücken, läuft. Gegen Villarreal war das jedenfalls keine Champions-League-Partie – das war eine Machtdemonstration in Schwarz-Rot. 3:0 stand’s am Ende und man hatte das Gefühl, der Gegner durfte sich für die Teilnahme bedanken. Ballbesitzphasen jenseits der 75 Prozent, Passquoten auf Streber-Niveau und eine Körpersprache, die dem Fan seit Jahren verdächtig fremd vorkam: souverän, gelassen, aber nie überheblich.

Malik Tillman erwischte seinen bisher besten Abend im Bayer-Trikot – und das ausgerechnet in einem Spiel mit echtem Druck. Normalerweise zittern wir uns in solchen Spielen ins Ziel oder stolpern im letzten Moment über unsere eigenen Ambitionen. Diesmal? Zwei Tore von Tillman, das erste davon eine Art Pressing-Poesie: Torwart anrennen, Ball blocken, Ball drin. Das zweite dann so sauber abgeschlossen, als wäre er heimlich als Scharfschütze ausgebildet worden. Ein Spiel wie eine Bewerbung für die Fußball-Fachkraft des Monats.

Und dann war da ja noch Grimaldo. Der Mann trifft in der Champions League mittlerweile regelmäßiger als der ICE Verspätung hat. Sein Volley zum 3:0 war technisch so sauber, dass selbst der Rasen kurz applaudieren wollte. Das restliche Spiel? Ballkontrolle, Passstafetten, Villarreal auf Standbild – aber bitte alles mit Hjulmand'scher Ruhe. Der Däne an der Seitenlinie wirkt sowieso wie ein Chefchirurg: nie hektisch, aber man weiß, dass er gerade etwas Kompliziertes ziemlich gut hinkriegt.

Natürlich bleibt bei aller Euphorie ein kleines „aber“: Es war nur Villarreal. Und der Play-off-Gegner wird vermutlich weniger passiv sein – wobei Dortmund als möglicher Gegner zumindest eines garantiert: viel Gesprächsstoff und noch mehr Nervenstress. Aber hey, dafür sind wir ja Fans geworden. Und zumindest diesmal gehen wir mit etwas Rückenwind in die nächste Runde. Und mit einem Gefühl, das wir fast vergessen hatten: dass man europäisch auch mal mit breiter Brust auftreten darf. Danke für diesen Abend, Bayer. So darf es gern weitergehen.

Sonntag, 25. Januar 2026

Ein Arbeitssieg mit Schönheitsfehlern – aber wir nehmen, was wir kriegen

Endlich! Drei Punkte. Kein Gegentor. Und niemand hat sich verletzt. Das klingt nach einem rundum gelungenen Fußballabend in der BayArena – oder sagen wir: nach einem zumindest versöhnlichen Start in die Pflichtspielsaison 2026. Nach drei Spielen ohne Sieg war das 1:0 gegen Werder Bremen genau das, was die geschundene Fan-Seele gebraucht hat: ein Lebenszeichen. Kein Spektakel, kein Offensiv-Feuerwerk, aber immerhin keine neue Baustelle.

Natürlich kann man jetzt euphorisch werden, immerhin hat Lucas Vázquez seinen ersten Treffer im Bayer-Dress erzielt und das gleich entscheidend. Aber so richtig ins Rollen kommt der Werkself-Motor nach der Winterpause noch nicht. Statt schnurrendem Hybrid-Boliden eher solides Diesel-Geknatter mit ein paar Fehlzündungen. Die Chancenverwertung? Ausbaufähig wie ein 90er-Jahre-Einfamilienhaus in Leverkusen-Wiesdorf. Patrik Schick trifft zwar, aber leider mit der Hand – zum Geburtstag hätte man sich da auch ein bisschen Regelkunde wünschen können.

Trotzdem: Man darf nicht undankbar sein. Bremen war unbequem, wie ein Grünkohl-All-you-can-eat-Buffet – schwer zu verdauen und gefährlich für die letzten zwanzig Minuten. Da wurde es hinten raus noch unnötig spannend. Aber die Abwehr hielt, Palacios gab nach seiner Verletzungspause ein erfreuliches Comeback, und vorne reichte diesmal ein clever ausgespielter Angriff, um den Deckel draufzumachen.

Dass die Bayern parallel gegen Augsburg verlieren und damit unseren historischen Ungeschlagen-Rekord aus der Saison 2023/24 nicht ankratzen können, ist die Kirsche auf dem Werkself-Kuchen. Meister werden sie vermutlich trotzdem, aber wenigstens bleibt uns das in Stein gemeißelte "niemals verloren" noch ein Weilchen erhalten.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass dieser Sieg wichtig war – fürs Selbstvertrauen, für die Tabelle, für den Puls der Fans. Spielerisch ist da noch Luft nach oben, aber zumindest hat man das Gefühl, dass die Richtung wieder stimmt. Und mit Villarreal wartet schon das nächste Spiel, das man nicht verlieren darf, wenn man international mitmischen will. Also: kein Grund zur Ekstase, aber auch keiner zur Panik – ein typischer Bayer-Start eben. Hauptsache, der nächste Schritt folgt bald.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Fragezeichen – Piräus für Fortgeschrittene

Wer sich jemals gefragt hat, ob 738 Pässe reichen, um ein Champions-League-Spiel zu gewinnen, hat jetzt die Antwort: nein. Willkommen beim Fußball-Phänomen Bayer 04 Leverkusen – dem einzigen Klub Europas, der einen Ballbesitz-Weltrekord aufstellen kann, ohne das Tor zu treffen. In Athen durften wir erleben, wie man ein Spiel dominieren kann, ohne es auch nur ansatzweise zu gewinnen. Die Werkself stolperte mit wehenden Statistiken und leerem Tor-Konto aus dem Hexenkessel von Piräus.

0:2 stand’s am Ende. Gegen eine Mannschaft, die offenbar unter dem Motto „Zwei Schüsse – zwei Treffer – Feierabend“ angetreten war. Bayer hingegen? Hochglanzfußball, kluge Laufwege, feiner Spielaufbau – und vor dem Tor so zahnlos wie ein griechischer Straßenhund nach drei Ouzos.

Es ist diese paradoxe Kombination aus Kontrolle und Chaos, die uns Fans gleichzeitig begeistert und in den Wahnsinn treibt. Klar, es war das siebte Gruppenspiel – die UEFA hat bekanntlich ein Faible für völlig übersichtliche Turnierformate – aber gefühlt war’s das erste Mal, dass Bayer 04 sich wie ein Achtelfinal-Kandidat benommen hat, bloß ohne das nötige Ergebnis.

Dabei war gar nicht alles schlecht. Debüt für Blaswich, Vázquez mit Comeback und Aleix Garcia, der Pässe verteilt hat wie Kölle Kamelle. Aber was nützen uns 120 gespielte Bälle, wenn am Ende keiner davon im Netz zappelt? Olympiakos hat's vorgemacht: Effektivität schlägt Ästhetik.

Hjulmands Truppe zeigt Willen, Moral und Spielwitz – aber was fehlt, ist diese eiskalte Entschlossenheit im Strafraum. Immer wieder Chancen, immer wieder Tzolakis, der mittlerweile vermutlich als UNESCO-Weltkulturerbe für griechische Torhüterleistungen vorgeschlagen wird.

Und so stehen wir Fans mal wieder da, klatschnass vom Hoffnungsschweiß und mit dieser typischen Leverkusen-Melange aus Stolz, Frust und latentem Selbstbetrug. „Wir müssen zusammenhalten“, sagt der Trainer. Klar, machen wir. Aber bitte mit Toren – und Punkten. Sonst bleibt uns am Ende nur das gute Gefühl, „eigentlich besser gewesen zu sein“. Und davon kann man sich im Achtelfinale bekanntlich nichts kaufen.

Am Samstag kommt Werder. Gute Gelegenheit, aus Chancen auch mal Tore zu machen. Und wenn nicht? Dann eben wieder 700 Pässe. Irgendwann muss der Ball ja rein.