Man kann sich eine 2:4-Heimniederlage natürlich auch schönreden. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Passquote und eine Mannschaft, die bis zum Schluss gekämpft hat. Klingt alles wunderbar. Dummerweise gibt es im Fußball keine Punkte für schöne Statistiken. Und wenn ich nach einem solchen Nachmittag in der BayArena höre, dass Mentalität und Einsatz gestimmt hätten, frage ich mich schon, ob wir langsam unsere Ansprüche nach unten korrigieren. Denn eines ist für mich klar: Wer zu Hause vier Gegentore kassiert, hat nicht einfach nur Pech gehabt.
Dabei will ich gar nicht behaupten, dass Bayer 04 gegen den VfB Stuttgart grundsätzlich schlecht gespielt hätte. Im Gegenteil. Offensiv gab es durchaus ansehnliche Kombinationen, gefährliche Aktionen und genügend Gelegenheiten, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken. Patrik Schick macht weiterhin das, wofür wir ihn brauchen, und Ibrahim Maza entwickelt sich immer mehr zu einem Spieler, dem ich ausgesprochen gerne zuschaue. Aber was nutzt die ganze offensive Herrlichkeit, wenn hinten regelmäßig die Türen offen stehen?
16 Gegentore nach acht Bundesligaspielen sind keine unglückliche Momentaufnahme mehr. Das sind durchschnittlich zwei Treffer pro Partie und damit ein handfestes Problem. Besonders ärgerlich finde ich, wie einfach es unsere Gegner teilweise haben. Stuttgart musste keineswegs ein Offensivfeuerwerk abbrennen, um uns viermal zu überwinden. Oft reichten konsequente Aktionen, während unsere Defensive erstaunlich großzügig Begleitschutz leistete. Gerade gegen einen direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze ist das schlicht zu wenig.
Natürlich stimmt es, dass Stuttgart vor dem Tor deutlich effizienter war. Aber ich finde es gefährlich, die Niederlage hauptsächlich daran festzumachen. Wer ständig seine Chancen nicht nutzt und gleichzeitig hinten derart anfällig ist, verliert eben solche Spiele. Das ist keine Frage fehlenden Glücks, sondern mangelnder Qualität in entscheidenden Situationen. Die 24 Leverkusener Torschüsse sehen in der Statistik beeindruckend aus, ändern aber nichts daran, dass Stuttgart bei den wirklich gefährlichen Aktionen mindestens ebenbürtig war.
Trainer Carles Martínez hebt nach solchen Spielen gerne die positiven Aspekte hervor. Das kann ich verstehen, schließlich muss er seine Mannschaft aufbauen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Probleme etwas deutlicher angesprochen werden. Schon beim Pokalsieg gegen Nürnberg waren zwei frühe Gegentore ein Warnsignal. Gegen Stuttgart folgte die nächste Lektion. Wer glaubt, solche Defensivschwächen dauerhaft mit Offensivpower kompensieren zu können, dürfte irgendwann ziemlich unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen.
Besonders bemerkenswert finde ich den Unterschied zwischen unseren Auftritten in der Bundesliga und der Europa League. International stehen bislang drei Siege ohne Gegentor, während wir national regelmäßig Gegentreffer sammeln. Offenbar kann diese Mannschaft also durchaus diszipliniert verteidigen. Warum das im Bundesliga-Alltag so häufig misslingt, sollte Martínez dringend beantworten. Allein mit taktischen Feinjustierungen wird es jedenfalls nicht getan sein, wenn individuelle Fehler und mangelnde Abstimmung immer wieder dieselben Probleme verursachen.
Ich möchte die Mannschaft allerdings auch nicht schlechter machen, als sie ist. Die Moral stimmt, niemand hat sich gegen Stuttgart hängen lassen, und spielerisch steckt in dieser Mannschaft weiterhin einiges Potenzial. Gerade deshalb ärgert mich die Niederlage so sehr. Denn dieses Team könnte deutlich weiter oben stehen, wenn es seine vorhandenen Möglichkeiten konsequenter nutzen würde. Nach zwei Bundesliga-Niederlagen hintereinander und dem Abrutschen aus den Champions-League-Plätzen wird es langsam Zeit, aus guten Ansätzen auch wieder Punkte zu machen.
Mit Marseille und anschließend dem Derby in Köln stehen nun zwei Spiele an, bei denen ich weniger über Ballbesitzquoten und schöne Kombinationen sprechen möchte. Mich interessiert vor allem, ob Bayer 04 endlich wieder die richtige Balance zwischen Angriff und Abwehr findet. Denn bei aller Liebe zu offensivem Fußball: Vier Gegentore zu Hause sind kein Betriebsunfall, den man mit ein paar positiven Statistiken wegdiskutieren kann.
Ich bleibe selbstverständlich optimistisch, schließlich bin ich Bayer-Fan und habe schon deutlich schwierigere Zeiten erlebt. Aber meine Fanbrille ist nicht so rot-schwarz, dass ich die defensiven Probleme übersehen könnte. Stuttgart hat uns gezeigt, dass Einsatz und spielerische Überlegenheit allein nicht reichen. Jetzt muss Martínez beweisen, dass er aus solchen Niederlagen die richtigen Schlüsse zieht. Sonst reden wir demnächst wieder über eine ordentliche Leistung – und ärgern uns über die nächsten verschenkten Punkte.
Niemals Meister (tut zwar weh) - ein Blog als Fan von Bayer 04
Sonntag, 1. November 2026
Vier Gegentore, viele Ausreden – Bayer 04 verliert gegen Stuttgart den Anschluss
Donnerstag, 29. Oktober 2026
Von 0:2 auf 5:2 – Bayer 04 zwischen Pokal-Blamage und Fußball-Spektakel
Wer nach einer halben Stunde gegen einen Zweitligisten mit 0:2 zurückliegt, sollte sich nicht unbedingt für höhere Aufgaben empfehlen. Und doch hat Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Nürnberg wieder einmal bewiesen, dass zwischen einer drohenden Blamage und einem begeisternden Fußballabend manchmal nur eine Halbzeitpause liegt. Am Ende stand ein 5:2-Erfolg, der Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals und die Erkenntnis, dass diese Mannschaft offenbar erst dann richtig wach wird, wenn es beinahe zu spät ist. Als Bayer-Fan freue ich mich über fünf Tore und eine beeindruckende Aufholjagd. Aber warum muss es eigentlich immer erst so weit kommen?
Nach der enttäuschenden 0:3-Niederlage in Hoffenheim hatte Trainer Carles Martínez seine Startelf auf sechs Positionen verändert. Eine nachvollziehbare Entscheidung, schließlich sollte gegen Nürnberg nicht nur das Weiterkommen gelingen, sondern auch eine sportliche Reaktion folgen. Davon war zunächst herzlich wenig zu sehen. Zwar hatte Bayer mehr Ballbesitz und durch Nathan Tella und Jonas Hofmann erste Möglichkeiten, doch wirklich überzeugend wirkte das alles nicht. Stattdessen demonstrierte Nürnberg, wie man mit einfachen Mitteln eine technisch überlegene Mannschaft in Schwierigkeiten bringt. Rafael Lubach traf bereits in der 14. Minute zum 0:1, und als Sigurd Haugen nach einem Leverkusener Fehlpass in der 30. Minute auf 0:2 erhöhte, musste ich mich ernsthaft fragen, was diese Mannschaft eigentlich aus ihren jüngsten Fehlern gelernt hatte.
Besonders ärgerlich war die Art und Weise, wie die Gegentore zustande kamen. Wieder fehlten Konzentration, Präzision und defensive Absicherung. Konsequentes Pressing und schnelles Umschalten reichten den Nürnbergern, um Bayer vor erhebliche Probleme zu stellen. Natürlich ist der Club als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga kein Laufkundschaftsgegner. Trotzdem darf eine Mannschaft mit den Ambitionen von Bayer 04 zu Hause nicht derart anfällig auftreten.
Dass der Abend nicht in einer Pokal-Katastrophe endete, verdankte die Werkself zunächst ausgerechnet einem Innenverteidiger. Edmond Tapsoba erzielte in der 41. Minute nach einer Ecke den wichtigen Anschlusstreffer. Ohne dieses 1:2 wäre die Stimmung zur Pause wohl deutlich unangenehmer gewesen.
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich Bayer wie ausgewechselt. Martínez brachte mit Ibrahim Maza, Patrik Schick und Ezequiel Fernández gleich drei neue Spieler und traf damit offenbar die richtigen Entscheidungen. Bereits in der 49. Minute erzielte Tapsoba mit seinem zweiten Treffer den Ausgleich. Jetzt spielte endlich die Mannschaft, die ich von Beginn an erwartet hatte: aggressiv, schnell und mit klarer Zielstrebigkeit. Schick verwandelte in der 70. Minute einen Foulelfmeter zur Führung, Hofmann erhöhte mit einem präzisen Distanzschuss auf 4:2, und Lucas Vázquez setzte kurz vor Schluss mit einem sehenswerten Volley den Schlusspunkt zum 5:2.
Aus einem beinahe peinlichen Pokalabend war ein Fußballfest geworden. Besonders Tapsoba verdiente sich mit seinem ersten Doppelpack im Bayer-Trikot Bestnoten. Auch Hofmann bestätigte nach seinen beiden Treffern auf Kreta seine starke Form, während Aleix Garcia mit zwei Torvorlagen überzeugte. Insgesamt 25 Abschlüsse und 13 Eckbälle unterstrichen die offensive Überlegenheit, die Bayer vor allem nach der Pause endlich auf den Platz brachte.
Trotz aller Freude möchte ich nicht in die allgemeine Euphorie einstimmen, ohne die erste Halbzeit kritisch zu betrachten. Natürlich beweist eine solche Aufholjagd Moral und Charakter. Aber Charakter allein gewinnt auf Dauer keine Titel. Gegen stärkere Gegner dürfte ein 0:2-Rückstand deutlich schwieriger aufzuholen sein. Auch die Leistungssteigerung nach den drei Wechseln wirft Fragen auf: War die ursprüngliche Aufstellung falsch gewählt, oder brauchte die Mannschaft tatsächlich wieder einen Weckruf?
Immerhin hat Bayer mit diesem 5:2 Vereinsgeschichte geschrieben. Noch nie zuvor gelang der Werkself im DFB-Pokal nach einem 0:2-Rückstand ein Sieg mit drei Toren Unterschied. Das zeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt, aber eben auch, wie unnötig sie sich das Leben manchmal selbst schwer macht.
Am Ende überwiegt für mich die Freude über den Einzug ins Achtelfinale. Die zweite Halbzeit hat richtig Spaß gemacht. Trotzdem wünsche ich mir künftig weniger Dramatik und mehr Konstanz. Denn fünf Tore sind wunderbar – zwei vermeidbare Gegentore gegen einen Zweitligisten bleiben es nicht.
Sonntag, 25. Oktober 2026
0:3 in Hoffenheim: Viel Ball, wenig Bayer
Sechs Siege am Stück, eine Offensive mit eingebauter Torgarantie – und dann ein Nachmittag, an dem ich schon einen vernünftigen Angriff als Stimmungsaufheller genommen hätte. Beim 0:3 in Hoffenheim war von der zuletzt so unterhaltsamen Werkself erschreckend wenig zu sehen. Meine Fanbrille hält einiges aus. Aber Ballbesitz als Torchance zu verkaufen, schafft auch sie nicht.
Dabei hätte die Partie früh in unsere Richtung kippen können. Schick legt ab, Tella zieht direkt ab, knapp vorbei. Ein guter Angriff, der leider lange eher Erinnerung als Versprechen blieb. Danach fehlten Präzision, Tempo und die Idee, wie man diesen aggressiven Hoffenheimern beikommen könnte. Die Gastgeber störten konsequent, gewannen wichtige Zweikämpfe und ließen uns kaum Raum. Dass ausgerechnet Hlozek nach einem Ballverlust im Aufbau den Pfosten traf, passte zu diesem Nachmittag. Zur Pause war ich mit dem 0:0 jedenfalls zufriedener, als mir lieb war.
Die sechs Wechsel gegenüber Kreta taugen dabei nur bedingt als Erklärung. Im Vergleich zur letzten Bundesligaelf war lediglich Tella für Moreira hineingerückt. Da stand also keine bunt zusammengewürfelte Versuchsmannschaft auf dem Rasen. Ich erwarte auch nach einer Europapokalreise keine spielerische Offenbarung, aber etwas mehr als ungenaue Pässe und einen weitgehend abgemeldeten Schick darf es schon sein. Diabys verletzungsbedingtes Aus kurz vor der Pause machte die Sache zusätzlich bitter.
Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, vor allem durch Maza. Er wollte etwas bewegen, suchte Lösungen und brachte wenigstens gelegentlich Unruhe in die Hoffenheimer Defensive. Nur entstand aus längeren Ballbesitzphasen weiterhin viel zu wenig Gefahr. Genau da liegt für mich der Kern dieser Niederlage: Wir bekamen mehr Kontrolle über den Ball, ohne dem Gegner wirklich die Kontrolle über das Spiel zu nehmen.
Dann kamen der Zweikampf zwischen Tapsoba und Asllani, der VAR und Kramarics Elfmeter zum 0:1. Natürlich ärgere ich mich über so eine Szene. Aber ich werde daraus keine bequeme Ausrede für diesen Auftritt basteln. Zumal die Antwort sofort möglich gewesen wäre: Maza bekommt nach Tapsobas Kopfballablage die große Ausgleichschance und schießt drüber. Wer in einem engen Spiel so wenig herausarbeitet, muss eine solche Gelegenheit nutzen.
Am Ende wurde aus einem schwachen Nachmittag ein richtig hässliches Ergebnis. Prass traf zum 0:2, Badé musste nach dem Zusammenprall mit Moerstedt auf der Trage vom Platz, und in der Nachspielzeit fiel auch noch das dritte Tor. Da rückte bei mir die Sorge um Badé längst neben den Frust über das Spiel. Hoffentlich gibt es bei ihm und Diaby bald Entwarnung.
Ein 0:3 wischt die guten vergangenen Wochen nicht weg. Es zeigt aber deutlich, dass diese Mannschaft eine Antwort braucht, wenn der Gegner ihr Zeit und Räume nimmt. Gegen Nürnberg will ich deshalb vor allem wieder Entschlossenheit sehen. Schöne Serien sind nett. Eine Reaktion nach so einem Auftritt ist mir wichtiger.
Freitag, 23. Oktober 2026
Bayer siegt 2:0 auf Kreta – aber 33 Torschüsse sollten mehr bringen
33 Torschüsse, zwei Tore. Offenbar ist Bayer 04 eigens nach Kreta gereist, um herauszufinden, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen dem Beherrschen eines Fußballspiels und dem Treffen des gegnerischen Tores gibt. Gegen eine Mannschaft von OFI Kreta, die über weite Strecken des Abends hauptsächlich mit dem eigenen Überleben beschäftigt war, produzierte unsere Werkself Chancen für mindestens drei Spiele und machte daraus einen vergleichsweise bescheidenen 2:0-Erfolg. Zum Glück hatte Jonas Hofmann verstanden, worum es beim Fußball letztlich geht. Zwei Tore innerhalb von drei Minuten, der dritte Europa-League-Sieg ohne Gegentor und mittlerweile sechs Pflichtspielerfolge hintereinander. Nicht schlecht für eine Mannschaft, die konsequente Chancenverwertung offenbar noch immer für eine freiwillige Zusatzleistung hält.
Die eigentliche Pointe dieses Abends lieferte ausgerechnet ein Spieler, der ursprünglich gar nicht für die Europa League vorgesehen war. Jonas Hofmann, zunächst nicht für den internationalen Wettbewerb gemeldet und erst durch die Verletzung von Martin Terrier nachgerückt, wurde zum entscheidenden Mann. In der 35. Minute stand er genau dort, wo ein erfahrener Offensivspieler stehen muss, als OFI-Torhüter Klidman Lilo einen Schuss von Afonso Moreira abprallen ließ. Drei Minuten später folgte ein sehenswerter Abschluss aus der Distanz zum 2:0. Damit war die Partie praktisch entschieden. Manchmal schreibt der Fußball eben doch die schönsten Geschichten.
Besonders gefreut habe ich mich über Hofmann. Mit seinen 34 Jahren hat er in Leverkusen schon einiges erlebt und weiß, dass Einsatzzeiten keineswegs selbstverständlich sind. In einem immer stärker besetzten Kader hätte er durchaus in der Bedeutungslosigkeit verschwinden können. Stattdessen zeigte er eindrucksvoll, welchen Wert Erfahrung, Spielintelligenz und Abgeklärtheit besitzen. Seine beiden Treffer waren nicht nur spielentscheidend, sondern auch eine deutliche Botschaft an seinen Trainer: Mit mir ist weiterhin zu rechnen.
Bemerkenswert war für mich aber auch, wie selbstverständlich die Mannschaft die personellen Veränderungen verkraftete. Trainer Carles Martínez hatte gegenüber dem Freiburg-Spiel gleich fünf Positionen neu besetzt, unter anderem erhielt Janis Blaswich im Tor den Vorzug vor Mark Flekken. Trotzdem wirkte unser Spiel keineswegs improvisiert. Bayer kontrollierte den Ball, kombinierte sicher und fand immer wieder Lücken in der dicht gestaffelten Defensive der Griechen. 63 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von 92 Prozent und lediglich sechs zugelassene Torschüsse unterstreichen die Überlegenheit. Dass OFI-Torhüter Lilo mehrfach glänzend parierte, gehört zur Wahrheit dieses Abends allerdings ebenfalls dazu. Noch wichtiger als die statistischen Werte fand ich jedoch, dass auch diese veränderte Mannschaft eine klare spielerische Handschrift erkennen ließ.
Nach der Pause wurde die Angelegenheit allerdings zunehmend zu einer etwas langweiligen Verwaltungsveranstaltung. Mit zwei Toren Vorsprung schaltete Bayer mehrere Gänge zurück und beschränkte sich weitgehend darauf, das Ergebnis sicher nach Hause zu bringen. Angesichts des anspruchsvollen Spielplans kann ich das durchaus nachvollziehen. Schon am Sonntag wartet mit Hoffenheim die nächste Aufgabe, und niemand muss bei einem komfortablen Vorsprung unnötig Kräfte verschwenden. Trotzdem bewegte sich unsere Gelassenheit zwischenzeitlich gefährlich nahe an der Grenze zur Nachlässigkeit. OFI kam noch zu einigen Abschlüssen, und ein Anschlusstreffer hätte aus einem vermeintlich erledigten Spiel schnell eine unangenehme Angelegenheit machen können. Gegen stärkere Gegner sollten wir uns derartige Phasen besser nicht erlauben.
Immerhin konnte sich Blaswich bei seinem Europa-League-Debüt mehrfach auszeichnen. Mit 35 Jahren erstmals in diesem Wettbewerb zwischen den Pfosten zu stehen und gleich ohne Gegentor zu bleiben, ist sicherlich eine schöne Geschichte. Drei Spiele, drei Siege und noch kein einziger Gegentreffer: Unsere internationale Bilanz kann sich wirklich sehen lassen. Vor allem zeigt sie, dass Martínez auch auf wichtigen Positionen rotieren kann, ohne dass die defensive Stabilität darunter leidet.
Überhaupt ist die Breite des Kaders für mich eine der erfreulichsten Erkenntnisse der vergangenen Wochen. Diese Mannschaft scheint inzwischen nicht mehr davon abhängig zu sein, dass immer dieselben elf Spieler auf dem Platz stehen. Hofmann kommt hinein und entscheidet das Spiel, Blaswich ersetzt Flekken und hält seinen Kasten sauber, andere erhalten ihre Einsatzzeiten, ohne dass die grundlegenden Abläufe verloren gehen. Nach den zahlreichen Veränderungen und Unsicherheiten der vergangenen Monate ist das keineswegs selbstverständlich. Es spricht vielmehr dafür, dass Martínez inzwischen eine funktionierende Mannschaft geformt hat, in der auch die vermeintlichen Ersatzspieler ihren Beitrag leisten können.
Bei aller Freude sollten wir allerdings die Relationen nicht aus den Augen verlieren. OFI Kreta hatte zwar zum Auftakt überraschend Hoffenheim geschlagen, gehörte an diesem Abend aber sicher nicht zu den Gegnern, an denen wir unsere europäischen Titelambitionen ernsthaft messen sollten. Die wirklich schwierigen Aufgaben kommen noch. Gerade die Europa League hat in der Vergangenheit oft genug gezeigt, wie wenig eine überzeugende Vorrunde wert sein kann, wenn es später darauf ankommt. Neun Punkte aus drei Spielen sind eine hervorragende Ausgangslage, aber Pokale werden bekanntlich nicht im Oktober verteilt.
Jetzt warten Hoffenheim, Nürnberg, Stuttgart und Marseille. Sechs Siege in Serie machen Hoffnung, aber ich kenne meinen Bayer: Euphorie ist erlaubt, Übermut selten eine gute Idee.
Sonntag, 18. Oktober 2026
2:1 gegen Freiburg: Maza zaubert, Schick trifft
Es gibt Sonntage, an denen man sich als Bayer-Fan gemütlich zurücklehnen und entspannt drei Punkte genießen möchte. Und dann gibt es Sonntage, an denen Bayer 04 Leverkusen spielt. Da gehören Schnappatmung, Kopfschütteln und erhöhter Puls offenbar weiterhin zum kostenlosen Rahmenprogramm. Immerhin: Am Ende stand ein verdienter 2:1 gegen den SC Freiburg. Nach dem überzeugenden 4:0 in Posen der nächste wichtige Schritt. Langsam macht mir diese Werkself wieder richtig Spaß!
Bevor überhaupt Fußball gespielt wurde, gab es erst einmal eine Tennisveranstaltung. Freiburger Fans warfen aus Protest gegen Einschränkungen bei Fan-Utensilien Tennisbälle auf den Rasen. Selbst Freiburgs Trainer Julian Schuster war wenig begeistert. Protest schön und gut, aber vielleicht sollte man sich beim nächsten Mal eine Sportart aussuchen, die auch auf dem Spielplan steht.
Als der Ball endlich rollte, zeigte Freiburg, warum die Breisgauer bislang ungeschlagen waren. Unsere Werkself fand zunächst kaum Zugriff, und nach 14 Minuten brachte Derry Scherhant die Gäste in Führung. Natürlich! Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Zum Glück haben wir Ibrahim Maza. Nur sechs Minuten später erzielte er nach Vorarbeit von Patrik Schick den Ausgleich. Dieser Junge begeistert mich zunehmend mit seiner Technik, Unbekümmertheit und Kreativität. Während andere noch überlegen, wohin sie passen sollen, hat Maza längst drei Gegenspieler ausgespielt.
Bis zur Pause blieb es allerdings ein zähes Stück Arbeit. Freiburg verteidigte geschickt, Bayer fehlte die letzte Konsequenz. Immerhin traf Schick den Pfosten. Nach dem Seitenwechsel wurde unsere Werkself stärker, kontrollierte zunehmend das Geschehen, ließ aber zunächst die nötige Durchschlagskraft vermissen.
Dann kam die 76. Minute. Maza ließ gleich drei Freiburger aussehen, als hätten sie ihre Fußballschuhe zum ersten Mal angezogen, und servierte Schick den Ball mustergültig. 2:1! Gleichzeitig ein historischer Treffer: Schick hat an jedem der ersten sechs Bundesligaspieltage getroffen. Vereinsrekord! Vielleicht sollten wir ihm künftig einfach vor Anpfiff ein Tor gutschreiben.
Natürlich hätten Tella und Maza anschließend alles entscheiden können. Aber warum das 3:1 machen, wenn man den eigenen Fans noch einen kleinen Herzinfarkt in der Nachspielzeit anbieten kann? Höler köpfte glücklicherweise knapp vorbei. Solche Nachlässigkeiten müssen wir dringend abstellen. Gegen stärkere Gegner kann das böse enden.
Trotzdem gefällt mir die Entwicklung unter Carles Martínez. Nach dem holprigen Saisonstart hatte ich durchaus Zweifel. Inzwischen greifen die Abläufe besser, das Pressing funktioniert und die Mannschaft zeigt Charakter. Nicht alles ist perfekt, aber die Richtung stimmt.
Jetzt warten Kreta und Hoffenheim. Zwei Auswärtsspiele, bei denen wir nachlegen können. Von Meisterschaftsträumen bin ich noch weit entfernt, aber dieser Werkself traue ich wieder einiges zu.
Drei Punkte, ein Schick-Rekord und ein überragender Maza. Ein gelungener Sonntag! Wenn wir künftig noch ohne Herzinfarkt gewinnen, wäre ich restlos zufrieden.
Freitag, 16. Oktober 2026
Vier Tore, zwei Elfmeter und ein Rasensprenger – Bayer lässt beim 4:0 in Posen nichts anbrennen
Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man als Bayer-Fan einen Europapokalabend erlebt und hinterher nicht erst einmal einen Termin beim Kardiologen vereinbaren muss. Nach dem vogelwilden 4:3 in Mainz hatte ich eigentlich wieder mit einem dieser Spiele gerechnet, bei denen unsere Defensive großzügig Gastgeschenke verteilt und vorne irgendjemand den Laden retten muss. Stattdessen gewinnt Bayer beim polnischen Meister Lech Posen einfach mal mit 4:0. Ohne Drama, ohne kollektiven Nervenzusammenbruch und ohne die übliche Leverkusener Spezialdisziplin, einen eigentlich schon sicheren Sieg noch einmal spannend zu machen. Fast schon unverschämt souverän. Wobei man bei aller Begeisterung auch festhalten muss: Lech Posen war an diesem Abend nicht unbedingt der Gegner, vor dem Europas Fußball-Elite schlaflose Nächte bekommen dürfte. Aber immerhin brauchten die Polen zwischendurch sogar ihre Rasensprenger, um unseren Spielfluss zu unterbrechen. Fußballerisch war ihnen das nämlich nur selten gelungen.
Samstag, 10. Oktober 2026
4:3 in Mainz – drei Punkte, aber warum muss Bayer es immer so spannend machen?
Manchmal fragt man sich als Bayer-Fan wirklich, warum diese Mannschaft einem das Leben unnötig schwer macht. Da führen wir nach gerade einmal neun Minuten in Mainz mit 2:0, haben den Gegner komplett im Griff und alles deutet auf einen entspannten Fußballnachmittag hin. Und was passiert? Zur Halbzeit steht es 2:2. Am Ende gewinnen wir zwar mit 4:3, aber statt eines souveränen Auswärtssiegs gibt es mal wieder reichlich Kopfschütteln.
Dabei fing alles so schön an. Robert Andrich, ausgerechnet bei seinem 200. Bundesliga-Einsatz, hämmert den Ball nach fünf Minuten traumhaft unter die Latte. Kurz darauf legt Patrik Schick nach und trifft damit tatsächlich in jedem der ersten fünf Saisonspiele. Das ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Bayer spielte aggressiv, zielstrebig und ließ Mainz zunächst überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Genau so möchte man diese Mannschaft sehen.
Doch dann kam wieder das, was einen als Fan wahnsinnig macht: Bayer stellte das Fußballspielen zwar nicht komplett ein, nahm aber deutlich Tempo und Intensität heraus. Plötzlich war Mainz wieder im Spiel, bekam Räume und durfte sich Chancen erarbeiten. Dass Anthony Caci innerhalb von neun Minuten zweimal traf, war deshalb auch kein Zufall. Eine 2:0-Führung so leichtfertig aus der Hand zu geben, darf einer Mannschaft mit unseren Ansprüchen einfach nicht passieren.
Immerhin zeigte die Werkself nach der Pause die richtige Reaktion. Jarell Quansah brachte uns erneut in Führung, auch wenn man über das vorausgegangene Handspiel von Schick durchaus diskutieren konnte. Und dann kam Moussa Diaby. Sein Treffer zum 4:2 war nicht nur wunderschön, sondern auch ein schöner Moment nach seiner Rückkehr. Genau solche Aktionen haben wir von ihm vermisst.
Eigentlich hätte das Spiel damit erledigt sein müssen. Eigentlich. Aber Bayer wäre derzeit offenbar nicht Bayer, wenn man nicht auch noch in der Nachspielzeit einen Gegentreffer kassieren würde. Dass Mainz insgesamt 23 Torschüsse verbuchte und bei den erwarteten Toren sogar deutlich vorne lag, sollte Trainer Carles Martínez jedenfalls zu denken geben. Vier eigene Tore sind hervorragend, drei Gegentore aber schlicht zu viel.
Natürlich wollen wir nicht alles schlechtreden. Der erste Auswärtssieg der Saison ist eingefahren, Schick trifft zuverlässig, Diaby kommt wieder in Schwung und offensiv macht diese Mannschaft richtig Spaß. Außerdem steht Bayer nach fünf Spieltagen auf Platz vier. Das ist angesichts des holprigen Saisonstarts durchaus erfreulich.
Aber wir sollten uns vom Ergebnis nicht blenden lassen. Wer in der Bundesliga dauerhaft oben mitspielen will, muss solche Spiele kontrollierter nach Hause bringen. Gegen Mainz hat die individuelle Qualität gereicht, um die eigenen Schwächephasen zu überdecken. Gegen stärkere Gegner wird das nicht immer funktionieren.
Jetzt stehen mit Lech Posen und Freiburg die nächsten Aufgaben an, und die englischen Wochen haben gerade erst begonnen. Da wäre es schön, wenn die Werkself irgendwann auch mal einen Sieg einfährt, bei dem man die letzten Minuten entspannt auf dem Sofa verbringen kann.
Mein Fazit: Vier Tore geschossen, drei Punkte geholt, alles gut? Nicht ganz. Über den Sieg freue ich mich natürlich. Aber diese unnötige Wackelei muss endlich aufhören. Bayer hat genug Qualität, um solche Spiele souveräner zu gewinnen. Man muss sie nur auch über 90 Minuten auf den Platz bringen.