Mittwoch, 14. Januar 2026

Wegen Dachschaden: Leverkusens Ausflug ins Schietwetter fällt ins Wasser

Na super, da freut man sich auf ein Dienstagabendspiel unter Flutlicht gegen den HSV – immerhin mal wieder ein Traditionsduell mit ordentlich Pokal-Würze – und dann fällt das Ganze buchstäblich ins Wasser. Oder besser gesagt: ins Tauwasser. Denn statt Fußball gab’s für uns Bayer-Fans nur eine wetterbedingte Lektion in norddeutscher Statik.

Das Volksparkstadion, das sich in Sachen Atmosphäre ohnehin eher zwischen 90er-Jahre-Charme und Baustellenromantik bewegt, wurde kurzerhand gesperrt, weil das Dach offenbar bei plötzlichem Tauwetter die Grätsche gemacht hat. Schnee plus Wasser gleich Punktlasten – hätte man auch früher drauf kommen können. Aber gut, im Norden rechnet man Mitte Januar halt nicht mit Wetter.

Natürlich ist Sicherheit wichtig, keine Frage. Niemand will, dass Robert Andrich beim Einlaufen von einer Dachlawine getroffen wird oder Kasper Hjulmand später in der PK erklären muss, dass die Taktik am schmelzenden Membrandach gescheitert ist. Aber irgendwie riecht das Ganze schon ein bisschen nach Hamburger Slapstick. Wir reisen also bei Eiseskälte gen Norden, Fans nehmen sich Urlaub, buchen Hotels, füllen die Auswärtsblöcke – und dann sagt der Stadionstatiker „nö“. Ohne Alternative, ohne Vorwarnung, aber mit ganz viel „Hanseatischer Gelassenheit“.

Während in der BayArena notfalls auch bei Saharastaub und Plattenspielerregen gespielt würde, zeigt sich der HSV wieder mal als Spitzenreiter der kuriosen Absagen. Irgendwie passt das zum Verein, der sich zwischen Bundesliga-Rückkehr und Zweitliga-Endlosschleife eingerichtet hat wie in einem gemütlichen Windjammer auf der Elbe.

Die DFL muss nun einen neuen Termin finden, am besten irgendwo zwischen eng getaktetem Rückrundenplan, Pokal-Halbfinale und Champions-League-Viertelfinale. Wir freuen uns jetzt schon auf den Nachholtermin – wahrscheinlich an einem Mittwochvormittag um 11:30 Uhr bei 27 Grad und strahlendem Sonnenschein. Vielleicht mit offenem Dach. Oder ganz ohne. Sicher ist sicher.

Sonntag, 11. Januar 2026

Neues Jahr, alter Frust: Frohes 2026 aus der Horrorzone

Na dann, Prosit Neujahr. Wer dachte, dass das neue Fußballjahr für Bayer 04 mit einem Knall beginnt, hatte leider recht – nur kam der Knall von der falschen Seite. 1:4 gegen den VfB Stuttgart. Zu Hause. In der BayArena. Und das schon nach 45 Minuten im Prinzip durch. Stuttgart? Das war mal unser Lieblingsgegner. Inzwischen haben wir selbst dafür gesorgt, dass sie ihre Komplexe über Bord werfen konnten. Quasi psychologische Aufbauarbeit vom Feinsten.

Die Werkself wirkte, als hätte sie in der Winterpause statt Trainingslager eher an einem Yoga-Retreat teilgenommen. Ballbesitz ja, Ideen nein. Leidenschaft? Fehlanzeige. Körperlichkeit? Nur bei den Gästen. Dass sich Grimaldo und Quansah nach dem Spiel fast entschuldigt haben, war zwar ehrlich – aber auch ein Armutszeugnis für die Leistung. Wenn der Gegner dich wie ein Drittliga-Team auseinandernimmt, hilft keine Analyse mehr. Dann hilft nur: Besser machen. Sofort.

Klar, man kann jetzt auf die vielen Ausfälle zeigen – Afrika-Cup, Verletzungen, muskuläre Problemchen hier, Reha-Phase dort. Aber das erklärt nicht, warum die Mannschaft kollektiv wie auf Valium wirkte. Stuttgart war einfach galliger, schneller, schärfer – und so schmerzhaft es ist: auch klüger.

Immerhin: Fernández ist zurück, Grimaldo trifft immerhin per Elfmeter, und die zweite Halbzeit war wenigstens kein Totalausfall mehr. Kleine Fortschritte für den Optimismus, den wir uns als Fans ja trotz allem irgendwie bewahren. Nur: Wenn man mit zwölf Punkten Rückstand auf Bayern ins neue Jahr geht und dann so eine Bauchlandung hinlegt, kann man schon mal unruhig werden. Nicht wegen einer Niederlage – sondern wegen der Art, wie sie zustande kam.

Am Dienstag geht’s zum HSV. Aufsteiger, Flutlicht, kalter Januarabend – der perfekte Ort, um zu zeigen, dass man noch weiß, wie man Fußball spielt. Und nicht nur wie man Spiele herschenkt. Wir wollen keine Ausreden mehr hören. Wir wollen wieder eine Werkself sehen, die das ist, was sie im Namen trägt: eine Mannschaft, die ackert, rackert, fightet. Und nicht eine, die sich vom Gegner nach 45 Minuten kollektiv die Hosen runterziehen lässt.

Sonst wird aus dem Vizemeistertraum schneller ein Europa-League-Krampf, als uns lieb ist.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Frohe Weihnachten & ein (fast) sorgenfreier Rutsch ins neue Jahr

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Ich sitze als Bayer-04-Fan zwischen Plätzchen und Tabellenrechner, hoffe auf ruhige Feiertage und weiß doch: Ganz ohne Drama wäre es ja nicht Leverkusen. Danke, dass ihr niemalsmeister.de lest, teilt und mit mir jubelt, flucht und glaubt. Für 2026 wünsche ich euch vor allem Gesundheit, Glück und viele Spiele, bei denen mein Puls ausnahmsweise unter 180 bleibt. Feiert schön, kommt gut rein – wir sehen uns im neuen Jahr wieder.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Bayer bringt Leipzigs Festtagsstimmung ins Wanken

Was braucht man für ein gelungenes Jahresende? Ein bisschen Drama, ein paar Rückkehrer, ein Teenie-Wunderkind – und natürlich drei Punkte aus Leipzig. Das hat Bayer 04 am Samstagabend mustergültig geliefert, und dabei RB Leipzig die erste Heimniederlage der Saison serviert – in Geschenkpapier gewickelt, aber mit schwarz-roter Schleife. Wer dachte, man würde sich nach dem Derbysieg gegen den 1. FC Köln mit Glühwein und Plätzchen zurücklehnen, hat dieses Team falsch eingeschätzt. Denn was da auf dem Rasen der Red Bull Arena abging, war mehr Festtagsbraten als Fußball-Diät.

Und ja, der Start war – wie so oft – erstmal ein kleiner Stimmungskiller. Xaver Schlager traf, und man sah kurz die Geister der Hinrunde aufblitzen. Doch dann wurde es festlich: Terrier mit einem Kopfball wie aus dem Lehrbuch, Schick mit einem Rechtsschuss, bei dem selbst Berbatov respektvoll nicken würde – und plötzlich stand’s zur Pause 2:1 für unsere Jungs. Man hätte meinen können, es sei schon Silvester, so sehr knallte es innerhalb weniger Minuten. Leipzig schien irritiert, wie Kinder, die feststellen müssen, dass sie dieses Jahr doch keine Playstation unter dem Baum finden.

Doch der eigentliche Gänsehaut-Moment kam spät, aber gewaltig: Montrell Culbreath, 18 Jahre jung und ausgestattet mit der Abgeklärtheit eines 30-Jährigen, tanzt in der Nachspielzeit durch die Leipziger Hintermannschaft, als wäre er auf dem Bolzplatz in Wiesdorf – und macht eiskalt den Deckel drauf. Schlusspunkt? Nein. Sahnehäubchen. Bessere Weihnachtsgeschichte wird nicht mehr geschrieben.

Dass wir jetzt mit 29 Punkten auf Platz drei überwintern, hätte man im September wohl für eine optimistische Glühwein-Laune gehalten. Aber dieses Team hat sich etwas erarbeitet: nicht nur Siege, sondern auch Glaubwürdigkeit. Hjulmands Handschrift ist klar lesbar, selbst wenn die Startelf so oft wechselt wie das Fernsehprogramm an den Feiertagen. Dazu das Comeback-Dreierpack mit Fernández, Tape und Vázquez – fast so schön wie der erste Schnee.

Und jetzt? Pause. Durchatmen. Plätzchen. Und dann: Stuttgart. Wieder ein Topspiel. Wieder eine Bühne. Aber bis dahin darf man als Bayer-Fan ruhig mal das Gefühl genießen, dass sich die Dinge gerade sehr richtig anfühlen – und dass Weihnachten auch rot-schwarz glänzen kann.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Kein Zweifel, kein Lärm, kein Problem – Bayer siegt verdient im leisen Rheinderby

Ach, Derbys. Die Spiele, bei denen der Puls schneller geht, die Bierpreise schneller steigen und die Emotionen am schnellsten überkochen. Nur diesmal war es… still. Zumindest ungewohnt still. Das Rheinderby gegen den FC war weniger Feuerwerk und mehr Kaminabend – mit einem sehr kunstvollen Kaminanzünder namens Martin Terrier. Wer einen Skorpionkick zum 1:0 auspackt, hat offenbar keine Lust mehr auf Standardtore – und wir sagen: Völlig zurecht!

Aber von vorne – auch wenn es da gar nicht so viel zu berichten gibt. Bayer drückte, Köln taumelte, aber irgendwie stand es zur Pause trotzdem 0:0. Kofane verpasste, Andrich köpfte vorbei, Tillman dachte sich kurzzeitig, dass Fußballtore über dem Fangnetz hängen. All das sah solide aus, aber noch nicht nach Derby-Wucht. Und auf den Rängen? Ebbe. Die aktive Kölner Fanszene verweigerte den Stadionbesuch wegen angeblicher polizeilicher Maßnahmen – Leverkusens Ultras zogen solidarisch mit.

Was auf dem Rasen passierte, war allerdings schon ziemlich viel Fußball. Terrier kam rein, schoss ein Tor, das selbst Zlatan sich im Traum nicht schöner ausgemalt hätte, und Andrich – der neue Libero der Herzen – nickte wie ein Chef das 2:0 nach. Danach war der Deckel drauf, das Kölsch warm und Köln endgültig bedient.

Ein Sonderlob verdient unser Trainer Hjulmand, der mittlerweile auch in der Lotterie vermutlich die richtigen Zahlen einwechseln würde. Terrier als Joker? Ein Geniestreich mit französischem Flair. Und dass Robert Andrich hinten wie vorne den Takt vorgibt, ist vielleicht das schönste Weihnachtsgeschenk seit dem Dosenbier in der Auswärtsfahrt.

Unterm Strich: Drei Punkte, zwei Traumtore.

Aber gut, wir bleiben Tabellenregion-Wolke7, Terrier will offenbar öfter rein, Andrich bleibt Kapitän auf dem Platz und in unseren Herzen – und in Leipzig wartet der Jahresabschluss. Vielleicht ja mit Grimaldo und Schick.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Kleines Weihnachtswunder oder Grimaldo Claus rettet Punkt

Manchmal fühlt sich Fußball an wie ein Adventskalender, bei dem man hofft, hinter Türchen Nummer 10 nicht wieder eine bittere Enttäuschung in Form von englischer Abgezocktheit zu finden. Und siehe da: Es war kein teures Parfümpröbchen aus Newcastle, sondern ein duftender Last-Minute-Treffer von Alejandro Grimaldo. Das 2:2 gegen die Magpies war keine perfekte Vorstellung, aber eine, die Charakter zeigte. Und irgendwie fühlt es sich besser an, sich einen Punkt zu erkämpfen, als ihn geschenkt zu bekommen. Vor allem in der Champions League, wo man sonst oft selbst als Geschenkpapier endet.

Die Werkself begann das Spiel, als hätte man das Hinspiel-Debakel gegen Augsburg direkt aus dem Gedächtnis gelöscht. Pressing, Umschaltspiel, ein Eigentor mit Stil – das sah nach Plan aus. Und tatsächlich: Für eine Halbzeit dachte man, Newcastle sei nicht viel mehr als eine überteuerte Premier-League-Version von Union Berlin. Doch dann kam der Champions-League-Plot-Twist, wie er im UEFA-Drehbuch steht: dubioser Elfmeter, Gegentor, kollektives Wanken. Dass ausgerechnet ein gewisser Woltemade diesen Strafstoß herausholt, klingt noch immer wie eine besonders zynische Pointe des Fußballgottes.

Aber an diesem Abend, an dem Kasper Hjulmand zu Hause blieb und Co-Trainer Rogier Meijer die Seitenlinie übernahm, zeigte Bayer 04 das, was man sich seit Jahren zurückwünscht: Trotz Rückstand nicht den Kopf verlieren, sondern den Gegner hinten hereindrücken, wie man es selbst früher zu oft erleiden musste. Die 88. Minute war dann der Moment, in dem Fußballromantik und taktische Schulung gemeinsam Glühwein trinken gingen: Maza steckt durch, Grimaldo trifft – und plötzlich fühlt sich das 2:2 wie ein kleiner Sieg an.

Natürlich bleibt auch Kritik: Zwei Gegentore in der zweiten Halbzeit, der Einbruch nach der Pause, die mangelnde Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Aber wenn man ehrlich ist, dann darf man nach einer Gruppenphase ohne Niederlage auch mal kurz die Fanbrille polieren und sagen: Diese Mannschaft macht Spaß. Nicht immer schön, aber selten feige. Und das ist, was zählt.

Jetzt kommt Köln. Und wenn man sich gegen die durchsetzt, könnte man fast meinen, in diesem Jahr ist mehr drin als ein schöner Fußballabend. Vielleicht sogar etwas, das man sich unter den Baum legen möchte.

Sonntag, 7. Dezember 2025

Pfosten statt Punkte

Es gibt Spiele, bei denen man nach Abpfiff nur noch in den Nachthimmel starren kann und sich fragt, ob irgendwo da oben jemand mit einem riesigen Magneten auf unsere Torschüsse zielt. 0:2 in Augsburg – und das trotz 70 Prozent Ballbesitz, drei Alu-Treffern und einer Spielkontrolle, die jeder Yoga-Trainer als „zentriert“ bezeichnet hätte. Nur dass Fußball halt keine Körpertherapie ist. Am Ende zählen Tore, nicht Ballumarmungen.

Dass es in Augsburg schwierig werden würde, war klar – die schwäbische Mischung aus Betonmischer und Konterfußball hat schon anderen Favoriten das Wochenende versaut. Aber wenn man so dominant auftritt wie unsere Werkself, dann tut so ein 0:2 einfach weh. Es war ein Spiel, das symptomatisch steht für das, was passieren kann, wenn man in der Bundesliga mit 95 Prozent unterwegs ist. Fünf Minuten Unachtsamkeit reichen, und Augsburg macht aus zwei Vorstößen zwei Tore. Willkommen in der Realität, lieber Hochglanzfußball.

Dabei war das Spiel ja gar nicht schlecht – zumindest wenn man Statistik-Fetischist ist. Pässe wie im Tiki-Taka-Lehrbuch, Zweikampfquote top, Laufleistung auch okay. Aber: Keine Tore. Die Abschlüsse waren da, aber halt nur fast. Schick, Ben Seghir, Tella – alle hatten sie die große Chance. Aber statt ins Netz, klatschte der Ball regelmäßig ans Aluminium. Hätten wir für Pfostentreffer Punkte bekommen, wären wir mit fünf Zählern nach Hause gefahren.

Trainer Hjulmand bleibt immerhin nüchtern: Man müsse „zurück zum Charakter unseres Spiels“ finden. Klingt ein bisschen nach Teamcoaching-Seminar in der Winterpause. Aber vielleicht ist da was dran. Denn wenn man ehrlich ist, war gegen einen BVB im DFB-Pokal reicht, muss gegen gallige Bundesliga-Truppen nicht zwangsläufig funktionieren. Und Augsburg war gallig. Oder wie man im Rheinland sagt: unbequem wie ein Sonntag mit Schwiegermutter.

Jetzt kommen mit Newcastle, Köln und Leipzig drei Spiele, die über den Jahresend-Vibe entscheiden. Wir sollten dringend die Streicheleinheiten vom Alu durch echte Treffer ersetzen. Denn so sehr man das Spiel gegen Augsburg auch drehen und wenden will – es bleibt ein klassischer „gebrauchter Tag“. Und von denen hatten wir in den letzten 18 Monaten zum Glück nicht viele. Lasst uns hoffen, dass das nicht wieder in Mode kommt.