Es gibt Auswärtsspiele, da weißt du nach zwei Minuten: Heute wird’s ein Tag, an dem der Ball die meiste Zeit so tut, als hätte er keine Lust. Alte Försterei, Union, viel Körper, wenig Rhythmus, noch weniger Flow – und wir mittendrin mit der “eigentlich sind wir doch gut drauf”-Serie im Gepäck. Sieben Spiele ungeschlagen, Brust raus, aber bitte nicht zu weit, sonst kommt gleich der nächste lange Ball geflogen.
Was mich an diesem 0:1 am meisten nervt: Es passt so perfekt ins Union-Drehbuch. Ein paar Unterbrechungen, ein paar zweite Bälle, dann einmal zack – langer Pass, Zweikampf, Lupfer, Feierabend. Und ja: Robert Andrich nimmt das Ding auf seine Kappe. Das ist hart, aber immerhin ehrlich. Als Kapitän so offen zu sein, ist wertvoller als jedes “Weiter so”-Poster aus dem Phrasenmuseum. Trotzdem: Dass ein Spiel auf diesem Niveau so sehr an einer einzigen Szene hängt, ist genau das, was wir abstellen müssen, wenn wir in großen Wochen nicht immer den gleichen Krimi schauen wollen.
Denn das eigentliche Thema ist nicht “Union war eklig” – das wissen wir. Das Thema ist: Warum wirken wir in solchen Spielen so ideenarm, bis die Uhr uns anbrüllt? 65 Prozent Ballbesitz, 16:8 Torschüsse – klingt nach Kontrolle, fühlt sich aber nach Watte an. Viel Zirkulation, wenig Schnittstellen, und wenn’s mal gefährlich wird, fehlt diese letzte Qualität: der eine Kontakt zu viel, die Flanke einen Tick zu hoch, der Kopfball von Schick in der Nachspielzeit eben nicht im Netz. Union stellt sich tief, klar – aber wir müssen Lösungen haben, bevor der Gegner den Beton anrührt.
Positiv: Hjulmands Dreifachwechsel brachte endlich Tempo und Wucht rein. Negativ: Dass es erst so spät “klickt”. Und jetzt kommt das Beste: Natürlich gibt’s keine Zeit zum Jammern, weil direkt Olympiakos in der BayArena wartet. Ich sag’s so: Dieses Spiel war ein Warnschild. Wenn wir’s ernst nehmen, war’s vielleicht sogar nützlich. Wenn nicht, wird’s teuer.
Sonntag, 22. Februar 2026
So fühlt sich ein Nackenschlag an: 0:1 in Berlin und plötzlich schmeckt die Serie bitter
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