Sonntag, 19. April 2026

35 Schüsse, 1 Tor, 0 Punkte – willkommen im Lehrgang für fortgeschrittene Fußballgrausamkeit

Es gibt Spiele, nach denen man aus der BayArena geht und sich fragt, ob man gerade ein Bundesligaspiel gesehen hat oder eine besonders sadistische Kunstinstallation zum Thema Effizienz. Bayer 04 macht über 70 Prozent Ballbesitz, feuert 35-mal aufs Tor, schnürt Augsburg phasenweise so tief ein, dass man Mitleid bekommen könnte – und verliert am Ende 1:2. Natürlich spät. Natürlich maximal unerquicklich. Natürlich genau so, dass es besonders wehtut.

Das Ärgerliche daran ist ja nicht einmal nur das Ergebnis, sondern die alte, vertraute Leverkusener Mischung aus Überlegenheit und Selbstbestrafung. Diese Mannschaft kann Gegner minutenlang an die Wand spielen, sie kann Räume finden, Druck erzeugen, das Spiel komplett kontrollieren – und dann wirkt der Strafraum plötzlich wie eine Mischung aus Flipperautomat und Hochsicherheitstrakt. Viel Aktion, wenig Ertrag. Dass ausgerechnet Augsburg mit überschaubarem Aufwand zwei Tore macht, passt dann ins Bild eines Nachmittags, an dem Fußball wieder seine zynische Seite gezeigt hat.

Dabei gab es durchaus Dinge, die Hoffnung machen. Tapsoba spielt weiterhin in einer Form, bei der man sich fragt, ob er heimlich zwei zusätzliche Lungen und ein Mittelfeld-Gehirn implantiert bekommen hat. Quansah und Vázquez sind nach ihren Pausen zurück, die Mannschaft wirkt grundsätzlich stabil, dominant und spielerisch reif. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Dominanz allein bringt dir gegen clevere, unangenehme Gegner exakt gar nichts, wenn du vorne aus einer Belagerung keinen Nutzen ziehst.

Und genau da beginnt die Kritik. So sehr wir diese Mannschaft lieben, so sehr muss man sagen: Wer in dieser Saison etwas Großes holen will, darf sich solche Tage nicht als Betriebsunfall schönreden. 35 Torschüsse sind kein Beweis für gnadenlose Offensivkraft, wenn am Ende nur ein Kopfball von Schick im Netz liegt. Dann sind 35 Torschüsse vor allem ein Beweis dafür, dass man zu oft die falsche Entscheidung trifft, zu hektisch abschließt oder einen Torhüter warm schießt, bis er sich wie Neuer 2014 fühlt.

Immerhin: Die Fans waren da, laut, treu, stabil. So wie immer, wenn Bayer 04 einen emotionalen Schleudergang veranstaltet. Und vielleicht ist genau das der Punkt vor Pokal gegen Bayern und Derby in Köln: nicht jammern, sondern Wut konservieren. Aber bitte mit besserem Zielwasser.

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