Donnerstag, 23. April 2026

Halbfinale, halbe Hoffnung, ganzer Flekken

Es gibt diese Abende, an denen man gegen Bayern spielt und schon nach zehn Minuten das Gefühl hat, dass der eigene Torwart demnächst Schmerzensgeld beantragen sollte. Genau so ein Abend war das. Dass Bayer 04 dieses Pokal-Halbfinale nicht schon zur Pause aus der Hand gegeben hatte, lag vor allem an Mark Flekken, der stellenweise wirkte wie der letzte vernünftige Mensch in einem Haus, das langsam brennt.

Das 0:2 klingt am Ende klarer, als es sich angefühlt hat. Und genau das ist der ärgerliche Teil. Nicht, weil wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft gewesen wären – das wären wir nur mit sehr großer Fanbrille und zwei Kölsch im Blut. Sondern weil nach dieser ersten Halbzeit eigentlich mehr kaputt war, als später auf dem Platz zu sehen war. Bayer hat sich zurück ins Spiel gearbeitet, hat die Bayern nicht einfach durchwinken lassen und gezeigt, dass diese Mannschaft noch Stolz, Struktur und Widerstand in sich hat. Nur leider auch wieder diese merkwürdige Angewohnheit, große Spiele erst dann wirklich anzunehmen, wenn man schon hinten liegt.

Das ist der eigentliche Knackpunkt dieses Abends. Nicht das Ausscheiden gegen Bayern, das kann passieren. Sondern die Art, wie vorsichtig, fast ehrfürchtig man zunächst aufgetreten ist. Als müsse man erst höflich fragen, ob man im eigenen Stadion auch mitspielen darf. In der zweiten Halbzeit war plötzlich Tempo da, Zugriff, Mut, Wucht. Also genau das, was man gegen diese Münchner braucht, wenn man sie ärgern will. Und sofort sah das Spiel anders aus. Da merkte man: Auch diese Bayern sind nicht unantastbar, wenn man sie beschäftigt statt bestaunt.

Trotzdem bleibt neben dem Frust auch etwas, das man in Leverkusen nicht kleinreden sollte: Diese Mannschaft fällt nicht auseinander. Sie hat nach schwierigen Wochen eine Reaktion gezeigt, die mehr über ihren Charakter verrät als das nüchterne Ergebnis. Dass die historische Pokal-Torserie ausgerechnet an so einem Abend endet, passt natürlich ins Drama. Sehr Bayer 04, sehr unerquicklich.

Jetzt hilft kein Pokal-Kater, sondern nur der Blick nach vorn. Köln und Leipzig warten, und in der Liga geht es um alles. Vielleicht nimmt die Werkself aus diesem Abend wenigstens die richtige Lehre mit: Weniger Respekt, mehr Radau. Flekken hätte es verdient.

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