Samstag, 9. Mai 2026

Vom Blitzstart zur Blackout-Show – wie wir in Stuttgart wieder alles vergaßen, außer wie man führt

Es gibt Spiele, die erzählen dir alles über eine Saison. Und dann gibt es dieses 1:3 in Stuttgart, das dir ins Gesicht brüllt: „Champions League? Nur wenn die anderen kollektiv den Stecker ziehen.“ Nach 34 Sekunden dachte man noch, wir hätten das Drehbuch geschrieben. Pressing, Ballgewinn, Garcia – zack, Führung. So spielt ein Team, das nach Europa will. Dachte man.

Was dann folgte, war leider eher ein Best-of unserer bekannten Schwächen. Stuttgart durfte genau das sein, was wir eigentlich sein wollten: gierig, klar, strukturiert. Während wir uns nach dem Traumstart gemütlich in die Rolle des Beobachters verabschiedeten, hat der VfB einfach gemacht. Und wir? Haben zugeschaut, wie Demirovic zur Dauerwerbesendung wird, ohne den Kanal zu wechseln.

Das Problem ist nicht, dass man in Stuttgart verlieren kann. Das Problem ist, *wie*. Kaum Zugriff im Mittelfeld, zu große Abstände, zu wenig Konsequenz in den Zweikämpfen. Und vorne? Nach dem 1:0 praktisch abgemeldet. Sechs Schüsse, ein xG zum Wegschauen – das ist kein Ausrutscher, das ist ein Statement. Leider das falsche.

Der Elfmeter kurz vor der Pause passt dann ins Bild: unnötig, ungeschickt, und natürlich maximal bitter im Timing. Dass Stuttgart danach Blut geleckt hat, war absehbar. Dass wir keine Antwort mehr hatten, leider auch. Diese Mannschaft kann spektakulär – aber sie kann eben auch komplett den Faden verlieren. Beides haben wir diese Saison oft genug gesehen.

Unterm Strich bleibt das Gefühl, dass uns in solchen Spielen genau das fehlt, was Top-Teams auszeichnet: Stabilität, Reife, ein klarer Plan B. Stattdessen sind wir zu oft abhängig von Momenten – und wenn die verpuffen, stehen wir da wie in Stuttgart: ratlos und hinterherlaufend.

Jetzt also HSV und hoffen, dass zwei Konkurrenten patzen. Realistisch? Eher nicht. Aber gut, wir sind Bayer 04 – Hoffnung ist ja irgendwie Teil der DNA. Nur sollte man sich langsam fragen, warum wir sie immer wieder brauchen.

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