Sonntag, 3. Mai 2026

Patrik Schick!!!

Manchmal gibt es Fußballabende, da verlässt man die BayArena und fragt sich, ob man gerade wirklich Bayer 04 gesehen hat oder ob jemand heimlich den Champions-League-Modus im Menü aktiviert hat. Dieses 4:1 gegen Leipzig war so ein Abend. Nicht, weil alles plötzlich wieder perfekt wäre – wir sind schließlich Leverkusener, wir misstrauen selbst einer 3:0-Führung noch mit fachkundiger Panik –, sondern weil diese Mannschaft rechtzeitig begriffen hat, worum es geht.

Rang vier. Champions League in Reichweite. Zwei Spiele vor Schluss. Das ist keine Wohlfühloase, das ist ein Hochseilakt mit Werkself-Logo. Und genau deshalb war dieser Sieg so wichtig: nicht nur wegen der drei Punkte, sondern wegen der Art. Bayer spielte nicht wie ein Team, das hofft, irgendwie durchzurutschen, sondern wie eines, das die Tür zur Königsklasse mit Anlauf eintreten will. Leipzig kam mit fünf Siegen in Serie, ging aber phasenweise spazieren wie ein Gast, der sich in der BayArena verlaufen hat und höflich nach dem Ausgang sucht.

Patrik Schick war dabei natürlich der Mann des Abends. Drei Tore, 103 Pflichtspieltreffer für Bayer, aktuell heißer als die Bratwurstplatte am Bierstand. Wenn Schick so spielt, wirkt Strafraumfußball plötzlich wieder wie eine seriöse Kunstform und nicht wie ein kompliziertes Forschungsprojekt. Besonders schön: Er ist nicht nur Vollstrecker, sondern wieder Führungsspieler. Genau das braucht Bayer jetzt. Keine Schönspielerei mit Wattebäuschchen, sondern klare Ansagen, kalte Abschlüsse und ein bisschen tschechische Abrissbirne.

Auch Tella, Garcia, Maza und Palacios zeigten, dass diese Mannschaft mehr kann als gelegentlich hübsch kombinieren und anschließend rätselhaft den Stecker ziehen. Das Gegenpressing hatte Biss, die Pässe hatten Tempo, die BayArena hatte Puls. Und ja, die Fans waren ein Faktor. Dieses Stadion kann, wenn es will, mehr sein als ein akustisch gepflegter Familienausflug mit Sitzschalenkomfort.

Trotzdem: Bitte jetzt nicht wieder in die Leverkusener Spezialdisziplin verfallen, nämlich nach einem großen Schritt direkt über die eigenen Schnürsenkel stolpern. Stuttgart wird kein Betriebsausflug, sondern das nächste Endspiel. Wer Champions League will, muss dort genauso auftreten: wach, mutig, gierig. Gegen Leipzig war das ein Statement. Jetzt muss daraus eine Bewerbung werden.

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