Sonntag, 25. Januar 2026

Ein Arbeitssieg mit Schönheitsfehlern – aber wir nehmen, was wir kriegen

Endlich! Drei Punkte. Kein Gegentor. Und niemand hat sich verletzt. Das klingt nach einem rundum gelungenen Fußballabend in der BayArena – oder sagen wir: nach einem zumindest versöhnlichen Start in die Pflichtspielsaison 2026. Nach drei Spielen ohne Sieg war das 1:0 gegen Werder Bremen genau das, was die geschundene Fan-Seele gebraucht hat: ein Lebenszeichen. Kein Spektakel, kein Offensiv-Feuerwerk, aber immerhin keine neue Baustelle.

Natürlich kann man jetzt euphorisch werden, immerhin hat Lucas Vázquez seinen ersten Treffer im Bayer-Dress erzielt und das gleich entscheidend. Aber so richtig ins Rollen kommt der Werkself-Motor nach der Winterpause noch nicht. Statt schnurrendem Hybrid-Boliden eher solides Diesel-Geknatter mit ein paar Fehlzündungen. Die Chancenverwertung? Ausbaufähig wie ein 90er-Jahre-Einfamilienhaus in Leverkusen-Wiesdorf. Patrik Schick trifft zwar, aber leider mit der Hand – zum Geburtstag hätte man sich da auch ein bisschen Regelkunde wünschen können.

Trotzdem: Man darf nicht undankbar sein. Bremen war unbequem, wie ein Grünkohl-All-you-can-eat-Buffet – schwer zu verdauen und gefährlich für die letzten zwanzig Minuten. Da wurde es hinten raus noch unnötig spannend. Aber die Abwehr hielt, Palacios gab nach seiner Verletzungspause ein erfreuliches Comeback, und vorne reichte diesmal ein clever ausgespielter Angriff, um den Deckel draufzumachen.

Dass die Bayern parallel gegen Augsburg verlieren und damit unseren historischen Ungeschlagen-Rekord aus der Saison 2023/24 nicht ankratzen können, ist die Kirsche auf dem Werkself-Kuchen. Meister werden sie vermutlich trotzdem, aber wenigstens bleibt uns das in Stein gemeißelte "niemals verloren" noch ein Weilchen erhalten.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass dieser Sieg wichtig war – fürs Selbstvertrauen, für die Tabelle, für den Puls der Fans. Spielerisch ist da noch Luft nach oben, aber zumindest hat man das Gefühl, dass die Richtung wieder stimmt. Und mit Villarreal wartet schon das nächste Spiel, das man nicht verlieren darf, wenn man international mitmischen will. Also: kein Grund zur Ekstase, aber auch keiner zur Panik – ein typischer Bayer-Start eben. Hauptsache, der nächste Schritt folgt bald.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Fragezeichen – Piräus für Fortgeschrittene

Wer sich jemals gefragt hat, ob 738 Pässe reichen, um ein Champions-League-Spiel zu gewinnen, hat jetzt die Antwort: nein. Willkommen beim Fußball-Phänomen Bayer 04 Leverkusen – dem einzigen Klub Europas, der einen Ballbesitz-Weltrekord aufstellen kann, ohne das Tor zu treffen. In Athen durften wir erleben, wie man ein Spiel dominieren kann, ohne es auch nur ansatzweise zu gewinnen. Die Werkself stolperte mit wehenden Statistiken und leerem Tor-Konto aus dem Hexenkessel von Piräus.

0:2 stand’s am Ende. Gegen eine Mannschaft, die offenbar unter dem Motto „Zwei Schüsse – zwei Treffer – Feierabend“ angetreten war. Bayer hingegen? Hochglanzfußball, kluge Laufwege, feiner Spielaufbau – und vor dem Tor so zahnlos wie ein griechischer Straßenhund nach drei Ouzos.

Es ist diese paradoxe Kombination aus Kontrolle und Chaos, die uns Fans gleichzeitig begeistert und in den Wahnsinn treibt. Klar, es war das siebte Gruppenspiel – die UEFA hat bekanntlich ein Faible für völlig übersichtliche Turnierformate – aber gefühlt war’s das erste Mal, dass Bayer 04 sich wie ein Achtelfinal-Kandidat benommen hat, bloß ohne das nötige Ergebnis.

Dabei war gar nicht alles schlecht. Debüt für Blaswich, Vázquez mit Comeback und Aleix Garcia, der Pässe verteilt hat wie Kölle Kamelle. Aber was nützen uns 120 gespielte Bälle, wenn am Ende keiner davon im Netz zappelt? Olympiakos hat's vorgemacht: Effektivität schlägt Ästhetik.

Hjulmands Truppe zeigt Willen, Moral und Spielwitz – aber was fehlt, ist diese eiskalte Entschlossenheit im Strafraum. Immer wieder Chancen, immer wieder Tzolakis, der mittlerweile vermutlich als UNESCO-Weltkulturerbe für griechische Torhüterleistungen vorgeschlagen wird.

Und so stehen wir Fans mal wieder da, klatschnass vom Hoffnungsschweiß und mit dieser typischen Leverkusen-Melange aus Stolz, Frust und latentem Selbstbetrug. „Wir müssen zusammenhalten“, sagt der Trainer. Klar, machen wir. Aber bitte mit Toren – und Punkten. Sonst bleibt uns am Ende nur das gute Gefühl, „eigentlich besser gewesen zu sein“. Und davon kann man sich im Achtelfinale bekanntlich nichts kaufen.

Am Samstag kommt Werder. Gute Gelegenheit, aus Chancen auch mal Tore zu machen. Und wenn nicht? Dann eben wieder 700 Pässe. Irgendwann muss der Ball ja rein.

Sonntag, 18. Januar 2026

Sinsheim? Mehr so Sinnkrise

Es gibt Spiele, die will man am liebsten vergessen – und dann gibt’s das 0:1 in Hoffenheim. Ein Spiel, das so unspektakulär war, dass selbst das Stadionbier wahrscheinlich beim Einschank eingedöst ist. Natürlich könnte man sagen: "Knapp verloren, kann passieren." Aber wenn man zwei Wochen nach der Winterpause schon das zweite Spiel in Folge in den Sand setzt, dann darf man ruhig mal die Alarmglocke suchen – oder wenigstens den Wecker.

Dabei war die Idee ja gar nicht schlecht: Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, wenig Chaos – also all das, was man sich wünscht, wenn man gegen einen Gegner spielt, der eher auf Konter und Standards setzt. Dumm nur, dass man dann nach neun Minuten direkt einen Freistoß reingewürgt bekommt, bei dem Flekken aussah, als hätte er kurz an den nächsten Brunch gedacht. Der Ball flog jedenfalls vorbei – und mit ihm unsere gute Laune.

Danach? Viel Bemühen, wenig Biss. Es ist fast schon tragikomisch, wie planlos unsere Jungs wirkten, wenn sie dann doch mal bis zur Strafraumgrenze vorgedrungen sind. Vielleicht hätte jemand vorher erwähnen sollen, dass man auch *abschließen* darf. Schick hatte noch die beste Gelegenheit, aber wer so schießt, als wäre der Ball aus Seife, der bringt auch keine TSG-Defensive ins Wanken.

Dass Tella und Flekken dann auch noch verletzt runter mussten, passte zur Stimmung wie ein Regenschauer zum Straßenkarneval. Immerhin: Janis Blaswich feierte ein ordentliches Debüt. Keine Glanzparaden, aber auch keine Querschläger – aktuell reicht das schon für einen kleinen Lichtblick.

Natürlich sagen alle Beteiligten nun pflichtbewusst, dass man „alle Möglichkeiten hat, stabiler zu werden“. Klingt gut. Hat nur bisher wenig mit dem zu tun, was man auf dem Platz sieht. Denn gegen Stuttgart vier Dinger kassieren und dann in Hoffenheim nach vorne wie ein Klappstuhl agieren – das ist vor allem eins: instabil.

Aber hey, wir Fans sind ja leidensfähig. Und Optimismus gehört zum Paket – wie die Dauerkarte zum Schmerz. Jetzt also Piräus unter der Woche und dann Bremen zu Hause. Vielleicht gibt’s ja dort endlich wieder Grund zum Jubeln. Falls nicht, bleibt uns immerhin der Trost, dass auch schlechte Phasen dazugehören. Nur bitte nicht zu lange.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Wegen Dachschaden: Leverkusens Ausflug ins Schietwetter fällt ins Wasser

Na super, da freut man sich auf ein Dienstagabendspiel unter Flutlicht gegen den HSV – immerhin mal wieder ein Traditionsduell mit ordentlich Pokal-Würze – und dann fällt das Ganze buchstäblich ins Wasser. Oder besser gesagt: ins Tauwasser. Denn statt Fußball gab’s für uns Bayer-Fans nur eine wetterbedingte Lektion in norddeutscher Statik.

Das Volksparkstadion, das sich in Sachen Atmosphäre ohnehin eher zwischen 90er-Jahre-Charme und Baustellenromantik bewegt, wurde kurzerhand gesperrt, weil das Dach offenbar bei plötzlichem Tauwetter die Grätsche gemacht hat. Schnee plus Wasser gleich Punktlasten – hätte man auch früher drauf kommen können. Aber gut, im Norden rechnet man Mitte Januar halt nicht mit Wetter.

Natürlich ist Sicherheit wichtig, keine Frage. Niemand will, dass Robert Andrich beim Einlaufen von einer Dachlawine getroffen wird oder Kasper Hjulmand später in der PK erklären muss, dass die Taktik am schmelzenden Membrandach gescheitert ist. Aber irgendwie riecht das Ganze schon ein bisschen nach Hamburger Slapstick. Wir reisen also bei Eiseskälte gen Norden, Fans nehmen sich Urlaub, buchen Hotels, füllen die Auswärtsblöcke – und dann sagt der Stadionstatiker „nö“. Ohne Alternative, ohne Vorwarnung, aber mit ganz viel „Hanseatischer Gelassenheit“.

Während in der BayArena notfalls auch bei Saharastaub und Plattenspielerregen gespielt würde, zeigt sich der HSV wieder mal als Spitzenreiter der kuriosen Absagen. Irgendwie passt das zum Verein, der sich zwischen Bundesliga-Rückkehr und Zweitliga-Endlosschleife eingerichtet hat wie in einem gemütlichen Windjammer auf der Elbe.

Die DFL muss nun einen neuen Termin finden, am besten irgendwo zwischen eng getaktetem Rückrundenplan, Pokal-Halbfinale und Champions-League-Viertelfinale. Wir freuen uns jetzt schon auf den Nachholtermin – wahrscheinlich an einem Mittwochvormittag um 11:30 Uhr bei 27 Grad und strahlendem Sonnenschein. Vielleicht mit offenem Dach. Oder ganz ohne. Sicher ist sicher.

Sonntag, 11. Januar 2026

Neues Jahr, alter Frust: Frohes 2026 aus der Horrorzone

Na dann, Prosit Neujahr. Wer dachte, dass das neue Fußballjahr für Bayer 04 mit einem Knall beginnt, hatte leider recht – nur kam der Knall von der falschen Seite. 1:4 gegen den VfB Stuttgart. Zu Hause. In der BayArena. Und das schon nach 45 Minuten im Prinzip durch. Stuttgart? Das war mal unser Lieblingsgegner. Inzwischen haben wir selbst dafür gesorgt, dass sie ihre Komplexe über Bord werfen konnten. Quasi psychologische Aufbauarbeit vom Feinsten.

Die Werkself wirkte, als hätte sie in der Winterpause statt Trainingslager eher an einem Yoga-Retreat teilgenommen. Ballbesitz ja, Ideen nein. Leidenschaft? Fehlanzeige. Körperlichkeit? Nur bei den Gästen. Dass sich Grimaldo und Quansah nach dem Spiel fast entschuldigt haben, war zwar ehrlich – aber auch ein Armutszeugnis für die Leistung. Wenn der Gegner dich wie ein Drittliga-Team auseinandernimmt, hilft keine Analyse mehr. Dann hilft nur: Besser machen. Sofort.

Klar, man kann jetzt auf die vielen Ausfälle zeigen – Afrika-Cup, Verletzungen, muskuläre Problemchen hier, Reha-Phase dort. Aber das erklärt nicht, warum die Mannschaft kollektiv wie auf Valium wirkte. Stuttgart war einfach galliger, schneller, schärfer – und so schmerzhaft es ist: auch klüger.

Immerhin: Fernández ist zurück, Grimaldo trifft immerhin per Elfmeter, und die zweite Halbzeit war wenigstens kein Totalausfall mehr. Kleine Fortschritte für den Optimismus, den wir uns als Fans ja trotz allem irgendwie bewahren. Nur: Wenn man mit zwölf Punkten Rückstand auf Bayern ins neue Jahr geht und dann so eine Bauchlandung hinlegt, kann man schon mal unruhig werden. Nicht wegen einer Niederlage – sondern wegen der Art, wie sie zustande kam.

Am Dienstag geht’s zum HSV. Aufsteiger, Flutlicht, kalter Januarabend – der perfekte Ort, um zu zeigen, dass man noch weiß, wie man Fußball spielt. Und nicht nur wie man Spiele herschenkt. Wir wollen keine Ausreden mehr hören. Wir wollen wieder eine Werkself sehen, die das ist, was sie im Namen trägt: eine Mannschaft, die ackert, rackert, fightet. Und nicht eine, die sich vom Gegner nach 45 Minuten kollektiv die Hosen runterziehen lässt.

Sonst wird aus dem Vizemeistertraum schneller ein Europa-League-Krampf, als uns lieb ist.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Frohe Weihnachten & ein (fast) sorgenfreier Rutsch ins neue Jahr

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Ich sitze als Bayer-04-Fan zwischen Plätzchen und Tabellenrechner, hoffe auf ruhige Feiertage und weiß doch: Ganz ohne Drama wäre es ja nicht Leverkusen. Danke, dass ihr niemalsmeister.de lest, teilt und mit mir jubelt, flucht und glaubt. Für 2026 wünsche ich euch vor allem Gesundheit, Glück und viele Spiele, bei denen mein Puls ausnahmsweise unter 180 bleibt. Feiert schön, kommt gut rein – wir sehen uns im neuen Jahr wieder.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Bayer bringt Leipzigs Festtagsstimmung ins Wanken

Was braucht man für ein gelungenes Jahresende? Ein bisschen Drama, ein paar Rückkehrer, ein Teenie-Wunderkind – und natürlich drei Punkte aus Leipzig. Das hat Bayer 04 am Samstagabend mustergültig geliefert, und dabei RB Leipzig die erste Heimniederlage der Saison serviert – in Geschenkpapier gewickelt, aber mit schwarz-roter Schleife. Wer dachte, man würde sich nach dem Derbysieg gegen den 1. FC Köln mit Glühwein und Plätzchen zurücklehnen, hat dieses Team falsch eingeschätzt. Denn was da auf dem Rasen der Red Bull Arena abging, war mehr Festtagsbraten als Fußball-Diät.

Und ja, der Start war – wie so oft – erstmal ein kleiner Stimmungskiller. Xaver Schlager traf, und man sah kurz die Geister der Hinrunde aufblitzen. Doch dann wurde es festlich: Terrier mit einem Kopfball wie aus dem Lehrbuch, Schick mit einem Rechtsschuss, bei dem selbst Berbatov respektvoll nicken würde – und plötzlich stand’s zur Pause 2:1 für unsere Jungs. Man hätte meinen können, es sei schon Silvester, so sehr knallte es innerhalb weniger Minuten. Leipzig schien irritiert, wie Kinder, die feststellen müssen, dass sie dieses Jahr doch keine Playstation unter dem Baum finden.

Doch der eigentliche Gänsehaut-Moment kam spät, aber gewaltig: Montrell Culbreath, 18 Jahre jung und ausgestattet mit der Abgeklärtheit eines 30-Jährigen, tanzt in der Nachspielzeit durch die Leipziger Hintermannschaft, als wäre er auf dem Bolzplatz in Wiesdorf – und macht eiskalt den Deckel drauf. Schlusspunkt? Nein. Sahnehäubchen. Bessere Weihnachtsgeschichte wird nicht mehr geschrieben.

Dass wir jetzt mit 29 Punkten auf Platz drei überwintern, hätte man im September wohl für eine optimistische Glühwein-Laune gehalten. Aber dieses Team hat sich etwas erarbeitet: nicht nur Siege, sondern auch Glaubwürdigkeit. Hjulmands Handschrift ist klar lesbar, selbst wenn die Startelf so oft wechselt wie das Fernsehprogramm an den Feiertagen. Dazu das Comeback-Dreierpack mit Fernández, Tape und Vázquez – fast so schön wie der erste Schnee.

Und jetzt? Pause. Durchatmen. Plätzchen. Und dann: Stuttgart. Wieder ein Topspiel. Wieder eine Bühne. Aber bis dahin darf man als Bayer-Fan ruhig mal das Gefühl genießen, dass sich die Dinge gerade sehr richtig anfühlen – und dass Weihnachten auch rot-schwarz glänzen kann.