So langsam wird’s unheimlich. Während anderswo Pokalabende für Herzrasen, Elfmeterschießen und spontane Weißbierduschen sorgen, spielt unsere Werkself diesen Wettbewerb mittlerweile mit der Kaltschnäuzigkeit eines Spitzenkochs, der weiß: Die Gäste kommen eh, also lieber rechtzeitig den Hauptgang servieren. Und das Menü gegen den FC St. Pauli? Drei Gänge, kein Schnickschnack, aber satt und mit Nachgeschmack: 3:0, Halbfinale, weiter geht’s.
Dabei waren die Kiezkicker kein Fallobst. Mutig, frech und mit dem Willen, dem Favoriten ein paar Kratzer zu verpassen. Nur dumm, dass unsere Defensive mittlerweile wirkt wie ein Türsteher auf Red Bull: freundlich, aber unnachgiebig. Tapsoba räumt hinten so ab, als hätte er noch eine Rechnung mit der Reeperbahn offen, während Andrich neben ihm die innere Ruhe eines Zen-Mönchs mit dem Grätsch-Timing eines Chirurgen vereint. Und wenn dann vorne ein Terrier volley die Kugel versenkt, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht, weißt du: Der Pokal riecht schon wieder nach Werkself.
Natürlich gab’s auch Phasen, in denen St. Pauli am Ausgleich schnupperte – doch dann kamen unsere alten Bekannten ins Spiel: Effizienz, Ballkontrolle und der gute, alte Joker. Hofmanns Treffer in der Nachspielzeit? Symbolisch für diese Mannschaft: Du kannst sie vielleicht mal ärgern, aber wenn’s drauf ankommt, macht sie die Tür zu und das Licht aus. Dass Hofmann schon das fünfte Joker-Tor dieser Pokalsaison erzielt hat, spricht übrigens weniger gegen die Startelf als vielmehr für eine Bank, von der andere träumen.
Kasper Hjulmand, unser dänischer Fußball-Philosoph, bleibt dabei betont sachlich – Berlin ist noch nicht erreicht, aber die Tickets liegen fast griffbereit. Und wir Fans? Wir dürfen leise hoffen, ohne gleich wieder an Bayer-typische Halbfinal-Phobien erinnert zu werden. Denn diesmal wirkt das alles… reif. Ernsthaft. Eine Mannschaft mit Ziel, Teamgeist und einer Art von Selbstverständnis, die nicht in Arroganz umschlägt, sondern in Spielfreude und Klarheit.
Also, liebe Werkself: Ruhen wir uns nicht aus. Geben wir weiter alles. Und am besten bald auch den Termin fürs Pokalfinale in den Kalender eintragen. Wer weiß – vielleicht steht da ja am Ende nicht nur das Ziel, sondern endlich auch der verdiente Titel.