Samstag, 12. September 2026

2:2 in Augsburg – 80 gute Minuten, zehn Minuten Tiefschlaf

Es gibt Spiele, nach denen man nicht weiß, ob man einen Punkt gewonnen oder zwei verloren hat. Das 2:2 beim FC Augsburg ist genau so eines. Bayer 04 war lange die bessere Mannschaft, führte verdient, kam auf 30 Torschüsse und 63 Prozent Ballbesitz – und brauchte trotzdem Patrik Schick in der 89. Minute, um wenigstens noch etwas mitzunehmen. Ganz normaler Bayer-Wahnsinn also: viel richtig gemacht und mit zehn Minuten Tiefschlaf beinahe alles wieder eingerissen.

Carles Martínez änderte gegenüber dem 4:0 gegen Union zweimal. Moussa Diaby begann erstmals seit seiner Rückkehr, vorne bekam Christian Kofane den Vorzug vor Schick. Das zahlte sich aus. Nach einem langen Ball von Edmond Tapsoba nahm Kofane stark an, ließ seinen Gegenspieler stehen und traf zum 1:0. Ein Tor, das nicht nur schön war, sondern auch zeigte: Bayer hat im Sturm mehr als eine verlässliche Option.

Die erste Halbzeit gefiel mir. Tapsoba und Facundo Medina hielten Augsburg weitgehend vom eigenen Tor fern, Ibrahim Maza sorgte für Gefahr, Diaby brachte Tempo. Das 1:0 war verdient und eher zu knapp. Genau deshalb war das, was nach der Pause passierte, so schwer zu akzeptieren. Plötzlich war von der zuvor gezeigten Ordnung kaum noch etwas übrig. Beim 1:1 kommt Augsburg viel zu einfach durch, Gregoritsch trifft durch die Beine von Flekken. Fünf Minuten später steht derselbe Spieler nach einer Ecke am zweiten Pfosten völlig frei und köpft zum 2:1 ein. Das ist für mich nicht einfach nur ein kurzer Konzentrationsfehler. Das ist in dieser Häufung schlechtes Abwehrverhalten.

Vor allem das zweite Gegentor darf so niemals fallen. Bei einer Ecke weiß jeder, wo die gefährlichen Räume sind und welche Spieler übernommen werden müssen. Trotzdem steht Gregoritsch dort praktisch unbehelligt. Kein ausreichender Druck, keine saubere Zuordnung, offenbar auch keine funktionierende Abstimmung. Der Mann hätte vermutlich noch Zeit gehabt, seine Postleitzahl aufzusagen, bevor jemand bei Bayer merkt, dass er gerade völlig frei im Strafraum steht. Wer ernsthaft um die vorderen Plätze mitspielen will, kann sich solche Szenen nicht leisten. Das hat nichts mit Pech zu tun. Das ist schlicht zu schlecht verteidigt.

Und genau da liegt für mich derzeit der wunde Punkt dieser Mannschaft. Wir reden viel über die offensiven Möglichkeiten, über Schick, Kofane, Diaby, Maza und all die Qualität nach vorne. Aber was bringt mir die schönste Offensive, wenn hinten innerhalb weniger Minuten die Ordnung zusammenbricht? In Elversberg haben wir schon gesehen, wie schnell Bayer defensiv den Zugriff verlieren kann. Gegen Union war die Reaktion stark. In Augsburg kommt das gleiche Problem zumindest für eine kurze Phase wieder zurück. Das darf nicht zu einem Muster werden.

Immerhin fiel Bayer diesmal nicht auseinander. Maza traf vermeintlich zum 2:2, doch der VAR kassierte das Tor wegen eines Fouls von Quansah. Martínez brachte Schick und Guéla Doué, danach spielte fast nur noch die Werkself. Augsburg verteidigte tief, Bayer flankte, schoss, drückte – und scheiterte immer wieder an irgendeinem Bein oder an der eigenen Ungenauigkeit. 30 Abschlüsse klingen nach Dominanz. Sie können aber auch ziemlich viel Frust bedeuten.

Dann kam Schick. Natürlich. In der 89. Minute verlängerte er einen nicht voll getroffenen Schuss von Malik Tillman mit der Hacke ins lange Eck. 2:2. Technisch stark, instinktiv und genau deshalb so typisch für ihn. Schick braucht nicht immer den perfekten Angriff. Manchmal reicht ihm ein halber Moment im Strafraum.

Unterm Strich hat Bayer beim Tabellenführer ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht und sich den Punkt verdient. Kofane trifft, Schick trifft, Diaby bringt Tempo zurück, Doué sammelt erste Minuten. Aber ich möchte mich davon nicht zu sehr beruhigen lassen. Die Offensive kann derzeit vieles reparieren, was hinten schiefgeht. Auf Dauer ist das kein Konzept.

Vier Punkte aus drei Spielen sind kein Drama. Aber sie zeigen, dass diese Werkself defensiv noch weit davon entfernt ist, wirklich stabil zu sein. Wer oben mitreden will, muss nicht nur schöne Tore schießen. Er muss auch verhindern, dass ein eigentlich kontrolliertes Spiel durch zwei schlecht verteidigte Situationen kippt.

Vielleicht ist die Erkenntnis aus Augsburg deshalb noch einfacher: Vorne haben wir genug Qualität, um fast jedes Spiel zu retten. Hinten sollten wir endlich aufhören, sie ständig dazu zu zwingen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen