Sonntag, 1. November 2026

Vier Gegentore, viele Ausreden – Bayer 04 verliert gegen Stuttgart den Anschluss

Man kann sich eine 2:4-Heimniederlage natürlich auch schönreden. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Passquote und eine Mannschaft, die bis zum Schluss gekämpft hat. Klingt alles wunderbar. Dummerweise gibt es im Fußball keine Punkte für schöne Statistiken. Und wenn ich nach einem solchen Nachmittag in der BayArena höre, dass Mentalität und Einsatz gestimmt hätten, frage ich mich schon, ob wir langsam unsere Ansprüche nach unten korrigieren. Denn eines ist für mich klar: Wer zu Hause vier Gegentore kassiert, hat nicht einfach nur Pech gehabt.

Dabei will ich gar nicht behaupten, dass Bayer 04 gegen den VfB Stuttgart grundsätzlich schlecht gespielt hätte. Im Gegenteil. Offensiv gab es durchaus ansehnliche Kombinationen, gefährliche Aktionen und genügend Gelegenheiten, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken. Patrik Schick macht weiterhin das, wofür wir ihn brauchen, und Ibrahim Maza entwickelt sich immer mehr zu einem Spieler, dem ich ausgesprochen gerne zuschaue. Aber was nutzt die ganze offensive Herrlichkeit, wenn hinten regelmäßig die Türen offen stehen?

16 Gegentore nach acht Bundesligaspielen sind keine unglückliche Momentaufnahme mehr. Das sind durchschnittlich zwei Treffer pro Partie und damit ein handfestes Problem. Besonders ärgerlich finde ich, wie einfach es unsere Gegner teilweise haben. Stuttgart musste keineswegs ein Offensivfeuerwerk abbrennen, um uns viermal zu überwinden. Oft reichten konsequente Aktionen, während unsere Defensive erstaunlich großzügig Begleitschutz leistete. Gerade gegen einen direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze ist das schlicht zu wenig.

Natürlich stimmt es, dass Stuttgart vor dem Tor deutlich effizienter war. Aber ich finde es gefährlich, die Niederlage hauptsächlich daran festzumachen. Wer ständig seine Chancen nicht nutzt und gleichzeitig hinten derart anfällig ist, verliert eben solche Spiele. Das ist keine Frage fehlenden Glücks, sondern mangelnder Qualität in entscheidenden Situationen. Die 24 Leverkusener Torschüsse sehen in der Statistik beeindruckend aus, ändern aber nichts daran, dass Stuttgart bei den wirklich gefährlichen Aktionen mindestens ebenbürtig war.

Trainer Carles Martínez hebt nach solchen Spielen gerne die positiven Aspekte hervor. Das kann ich verstehen, schließlich muss er seine Mannschaft aufbauen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Probleme etwas deutlicher angesprochen werden. Schon beim Pokalsieg gegen Nürnberg waren zwei frühe Gegentore ein Warnsignal. Gegen Stuttgart folgte die nächste Lektion. Wer glaubt, solche Defensivschwächen dauerhaft mit Offensivpower kompensieren zu können, dürfte irgendwann ziemlich unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen.

Besonders bemerkenswert finde ich den Unterschied zwischen unseren Auftritten in der Bundesliga und der Europa League. International stehen bislang drei Siege ohne Gegentor, während wir national regelmäßig Gegentreffer sammeln. Offenbar kann diese Mannschaft also durchaus diszipliniert verteidigen. Warum das im Bundesliga-Alltag so häufig misslingt, sollte Martínez dringend beantworten. Allein mit taktischen Feinjustierungen wird es jedenfalls nicht getan sein, wenn individuelle Fehler und mangelnde Abstimmung immer wieder dieselben Probleme verursachen.

Ich möchte die Mannschaft allerdings auch nicht schlechter machen, als sie ist. Die Moral stimmt, niemand hat sich gegen Stuttgart hängen lassen, und spielerisch steckt in dieser Mannschaft weiterhin einiges Potenzial. Gerade deshalb ärgert mich die Niederlage so sehr. Denn dieses Team könnte deutlich weiter oben stehen, wenn es seine vorhandenen Möglichkeiten konsequenter nutzen würde. Nach zwei Bundesliga-Niederlagen hintereinander und dem Abrutschen aus den Champions-League-Plätzen wird es langsam Zeit, aus guten Ansätzen auch wieder Punkte zu machen.

Mit Marseille und anschließend dem Derby in Köln stehen nun zwei Spiele an, bei denen ich weniger über Ballbesitzquoten und schöne Kombinationen sprechen möchte. Mich interessiert vor allem, ob Bayer 04 endlich wieder die richtige Balance zwischen Angriff und Abwehr findet. Denn bei aller Liebe zu offensivem Fußball: Vier Gegentore zu Hause sind kein Betriebsunfall, den man mit ein paar positiven Statistiken wegdiskutieren kann.

Ich bleibe selbstverständlich optimistisch, schließlich bin ich Bayer-Fan und habe schon deutlich schwierigere Zeiten erlebt. Aber meine Fanbrille ist nicht so rot-schwarz, dass ich die defensiven Probleme übersehen könnte. Stuttgart hat uns gezeigt, dass Einsatz und spielerische Überlegenheit allein nicht reichen. Jetzt muss Martínez beweisen, dass er aus solchen Niederlagen die richtigen Schlüsse zieht. Sonst reden wir demnächst wieder über eine ordentliche Leistung – und ärgern uns über die nächsten verschenkten Punkte.