Dienstag, 19. Mai 2026

Der niemalsmeister-Saisonrückblick 2025/26: Platz sechs, Puls 180 und die Kunst, sich selbst im Weg zu stehen

Diese Saison von Bayer 04 war wie ein viel zu langer VAR-Check: Man wusste zwischendurch nie genau, ob man jubeln, fluchen oder vorsorglich den Fernseher aus dem Fenster werfen soll. Platz sechs, Europa League, 59 Punkte – das ist auf dem Papier ordentlich. Für Bayer 04 im Jahr 2026 fühlt es sich aber zu wenig an. Nicht nach Absturz, eher nach verschenktem Upgrade. Wie Business-Class gebucht und dann freiwillig im Gepäckfach Platz genommen.

Der rote Faden dieser Spielzeit war leider nicht nur schwarz-rot, sondern auch ziemlich nervig: Dominanz ohne Ertrag. Immer wieder hatte Bayer den Ball, die Kontrolle, die besseren Phasen, die Statistiken auf seiner Seite – und am Ende trotzdem zu wenig Punkte. Gegen Mainz spät gerettet, in Freiburg ein 3:3 verschenkt, in Heidenheim gegen den Tabellenletzten trotz drei eigener Tore nicht gewonnen, gegen Augsburg 35 Schüsse und null Punkte, zum Abschluss gegen den HSV 26 Torschüsse, Elfmeter, Heimspiel, alles angerichtet – und wieder nur 1:1. Irgendwann ist das kein Pech mehr, sondern ein Muster mit Dauerkarte.

Natürlich gab es auch starke Momente. Das 1:0 in Dortmund war erwachsen, hart, wichtig. Das 4:1 gegen Leipzig zeigte, was diese Mannschaft eigentlich kann, wenn sie ihre PS nicht nur im Standgas bewundert. Patrik Schick trug die Offensive phasenweise auf seinen Schultern, Garcia wurde immer wichtiger, Quansah und Tapsoba lieferten nicht nur defensiv, sondern mussten vorne teilweise gleich mit die Feuerwehr spielen. Dazu kamen junge Lichtblicke wie Culbreath oder Kofane, die gezeigt haben, dass in Leverkusen nicht nur über Zukunft geredet wird, sondern manchmal auch eine über den Platz rennt.

Aber genau deshalb ärgert Platz sechs so sehr. Diese Mannschaft hatte Qualität. Sie hatte genug gute Spiele, genug individuelle Klasse, genug Chancen auf mehr. Was fehlte, war Reife. Zu oft wurde nach Führungen abgeschaltet, zu oft kam die Reaktion erst nach dem Rückstand, zu oft wirkte Bayer wie ein Team, das den Gegner beherrscht, aber das Spiel nicht tötet. Und wer Champions League will, darf nicht regelmäßig Punkte liegen lassen wie Pfandbons in der Jackentasche.

Auch im Pokal und in der Champions League blieb dieses Gefühl: ordentlich, manchmal stolz, aber nicht final zwingend. Gegen Arsenal nicht blamiert, gegen Bayern im Pokal nicht chancenlos – aber eben raus. Am Ende bleibt eine Saison mit guten Ansätzen, starken Einzelgeschichten und viel zu vielen „eigentlich“-Momenten.

Europa League nehmen wir mit. Natürlich. Mit Fanbrille gewinnen wir das Ding, wahrscheinlich nach Verlängerung, drei Herzstillständen und einem Andrich-Zweikampf, der später als Baumaßnahme angemeldet werden muss. Aber kritisch bleibt: Bayer 04 hat 2025/26 nicht zu wenig Talent gehabt, sondern zu wenig Konsequenz. Und wenn aus Dominanz nicht endlich Tore, Siege und Stabilität werden, bleibt Platz sechs kein Ausrutscher – sondern eine Warnung. 

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