Samstag, 14. März 2026

Dieser Punkt gegen Bayern fühlt sich plötzlich wie ein Gewinn an

Man kann über dieses 1:1 gegen den FC Bayern vieles sagen, aber sicher nicht, dass Bayer 04 gerade langweiligen Fußball spielt. Was die Werkself in diesen Tagen gegen Arsenal und nun gegen München auf den Rasen bringt, ist endlich wieder das, worauf wir in Leverkusen so allergisch reagieren, wenn es fehlt: Intensität, Mut, Struktur, Leben. Diese Mannschaft wirkt wieder wie eine Mannschaft und nicht wie eine lose Sammlung guter Ideen mit müden Beinen.

Gerade gegen Bayern war das über weite Strecken sehr deutlich zu sehen. Früh aggressiv, hellwach in den Zweikämpfen, mit einem starken Plan gegen den Ball und mit dieser schönen Mischung aus Disziplin und Frechheit, die man gegen die Münchner braucht. Dass ausgerechnet der 18-jährige Culbreath dabei so unbekümmert auftritt, ist fast schon die schönste Nachricht des Nachmittags. Während anderswo für teures Geld an Charakterprofilen gebastelt wird, rennt bei uns einer aus der Akademie einfach los und spielt, als hätte er seit fünf Jahren nichts anderes gemacht.

Und trotzdem bleibt nach diesem Spiel ein Gefühl, das man als Bayer-Fan nur zu gut kennt: Stolz mit leichtem Magendrücken. Denn natürlich ist ein Punkt gegen Bayern kein Weltuntergang. Aber wenn der Gegner erst zu zehnt, dann zu neunt spielt und du trotzdem nicht gewinnst, dann darf man sich das Ergebnis nicht mit schönen xGoals einrahmen. Dann fehlen am Ende eben nicht nur zwei Punkte, sondern auch ein Stück Konsequenz.

Genau da liegt der kritische Punkt: Bayer ist wieder spielerisch und mental auf einem Niveau, das Hoffnung macht. Aber diese Hoffnung muss sich auch mal in Ertrag verwandeln. Zu viele gute Auftritte enden derzeit mit einem „eigentlich“. Eigentlich besser. Eigentlich näher dran. Eigentlich verdient. Fußball ist leider ein brutales Gewerbe für Leute, die ihre Überlegenheit auch in Tore umrechnen.

Trotzdem: Die Richtung stimmt. Hjulmands Handschrift wird klarer, die Mannschaft wirkt stabiler, und selbst gegen Europas Schwergewichte sieht Bayer 04 wieder aus wie Bayer 04. Nur den letzten Schritt muss sie endlich machen. Sonst bleibt am Ende wieder nur die Erkenntnis, dass wir fast alles können – außer den Sack zuzumachen. Und das wäre selbst für uns irgendwann zu traditionsbewusst.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen