Ein 1:1 gegen Mainz kann man sich schönreden: Heimserie hält, spät Moral gezeigt, Stadion voll, Punkt gesichert. Kann man. Aber wenn wir ehrlich sind (und als Bayer-Fan tut’s manchmal weh): Das war über weite Strecken ein Auftritt, bei dem man sich gefragt hat, ob die Mannschaft vor dem Anpfiff aus Versehen erst mal eine PowerPoint über Geduld statt ein Warm-up gemacht hat.
Ja, wir hatten Kontrolle, ja, wir hatten Ballbesitz, ja, die Zahlen sehen wieder nach „eigentlich überlegen“ aus. Nur: Fußball ist kein Besitzstandswahrungs-Contest. Wenn du 60, 65, 66 Prozent den Ball hast und daraus gefühlt eine Handvoll halbgare Abschlüsse machst, dann ist das nicht Dominanz – das ist Beschäftigungstherapie. Mainz hat uns nicht mit Zauberfußball entnervt, sondern mit etwas, das wir eigentlich selbst beherrschen sollten: kompakt stehen, Räume schließen, auf Fehler warten. Und wir haben brav geliefert.
Am unerquicklichsten: Dieser fehlende Rhythmus mit dem Ball war nicht nur ein Satz fürs Mikrofon, man hat ihn gesehen. Viele sichere Pässe, wenig Mut in die Tiefe, kaum Tempo im letzten Drittel. Die erste Halbzeit war so ereignisarm, dass die verletzungsbedingte Auswechslung von Arthur leider zu den „Highlights“ zählen musste – und das sagt alles. Und wenn wir dann erst nach der Pause, und eigentlich erst nach dem Rückstand, anfangen, Intensität zu entwickeln, ist das kein Reifezeichen, sondern ein Warnsignal.
Der Gegentreffer? Lehrbuch „so bitte nicht“: Ecke vorne, Absicherung wacklig, Mainz schaltet um, Becker vollendet – und plötzlich rennen wir einem Spiel hinterher, das wir vorher schon eingeschläfert hatten. Klar kann man über den nicht gegebenen Elfmeter diskutieren. Aber ganz ehrlich: Wenn unser Plan A darin besteht, auf Plan B namens Schiedsrichter zu hoffen, dann läuft grundsätzlich etwas schief.
Und dann kommt die Pointe dieses Samstagnachmittags: Wieder muss ein Innenverteidiger den Stürmer geben. Quansah rückt auf und trifft zum Ausgleich – großartig, eiskalt, rettet uns den Punkt. Gleichzeitig ist es aber auch ein ziemlich bitteres Symbol: Wenn der verlässlichste Abschluss ausgerechnet vom Abwehrmann kommt, dann stimmt in der Offensive etwas nicht.
Unterm Strich: Punkt gerettet, ja. Aber das war zu wenig für eine Mannschaft, die Champions-League-Ambitionen vor sich herträgt. In Hamburg und Freiburg brauchen wir keine „letzten 15 Minuten Bayer 04“, sondern 90.
Sonntag, 1. März 2026
Samstagnachmittag in der BayArena: Viel Ball, wenig Bayer – und Quansah muss’s wieder richten
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