Mittwoch, 18. März 2026

London ruft, Leverkusen lernt – und Janis Blaswich verhindert Schlimmeres mit Gartenzaun-Reflexen

Es ist ein bisschen das alte Champions-League-Gefühl für Bayer 04: Man fährt mit Hoffnung los, malt sich den großen Abend aus und kommt mit dieser Mischung aus Stolz, Frust und dem leisen Verdacht zurück, dass Europas Elite zwar nicht auf einem anderen Planeten lebt, aber eben doch in einem hübscheren Viertel. Das 0:2 bei Arsenal war kein ehrenrühriger K.o., aber eben einer, der weh tut, weil mehr drin zu sein schien als nur ein Achtelfinale mit ordentlichem Applaus.

Gerade deshalb sollte man dieses Ausscheiden nicht nur auf 90 Minuten in London reduzieren. Diese Werkself hat in der Königsklasse über Monate gezeigt, dass sie mitmischen kann, auch wenn sie noch nicht zu den Mannschaften gehört, die solche Abende mit kalter Selbstverständlichkeit verwalten. Arsenal wirkte reifer, robuster, klarer in den Abläufen – also genau wie eine Mannschaft, die schon ein Stück weiter ist. Bayer dagegen hatte Phasen, in denen man sah, was wachsen kann, und andere, in denen man sah, was noch fehlt: Ruhe unter Druck, Präzision im Aufbau, Wucht in den entscheidenden Räumen.

Und trotzdem: Wer nur aufs Ergebnis schaut, macht es sich zu einfach. Dass es bis zur Pause nicht schon deutlicher stand, war vor allem Janis Blaswich zu verdanken, der spielte, als hätte er an jedem Arm noch einen zusätzlichen Ellenbogen. Zehn Paraden in so einem Spiel sind nicht bloß ein guter Abend, das ist fast schon ein Nebenjob als Brandlöscher. Wenn der Torwart der beste Mann ist, sagt das allerdings auch einiges über den Rest aus.

Genau da liegt der kritische Punkt: Viel Ballbesitz klingt immer schön für die Statistikfreunde mit Tabellenkalkulation, hilft aber wenig, wenn der Gegner daraus vor allem eines liest – dass er die gefährlichere Mannschaft ist. Bayer hatte zu wenig Durchschlagskraft, zu wenig Frechheit, zu wenig echte Kontrolle. Nicht unterlegen wie ein Außenseiter, aber auch nicht zwingend genug wie ein Team, das wirklich ins Viertelfinale will.

Bleibt also das Fazit mit Fanbrille: nervig ausgeschieden, aber nicht klein. Diese zwölf Champions-League-Spiele waren kein Betriebsunfall mit Flutlicht, sondern ein Schritt. Jetzt wäre es nur ganz schön, wenn aus dem Satz, man sei nicht so weit weg, bald mal der schönere Satz wird: Jetzt sind wir da.

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