Sonntag, 8. März 2026

Drei Tore, ein Punkt

Man muss es dieser Werkself lassen: Langweilig kann sie wirklich nur, wenn sie gerade gar nicht spielt. Das 3:3 in Freiburg war wieder so ein Nachmittag, an dem man als Bayer-04-Fan gleichzeitig begeistert aufs Sofa klopft und sich danach fragt, warum man sich diesen Verein emotional eigentlich seit Jahren antut. Spektakel können wir. Abgezocktheit leider nicht immer.

Dabei war das im Breisgau nicht einfach irgendein Remis, sondern eines dieser Spiele, die ziemlich gut zeigen, wo Bayer 04 Anfang März 2026 steht. Offensiv hat diese Mannschaft Wucht, Ideen und inzwischen auch neue Gesichter, die Verantwortung übernehmen. Christian Kofane spielt gerade so frech auf, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als in der Bundesliga Verteidiger schwindelig zu spielen. Acht Scorerpunkte als Teenager, dazu jetzt Tor und Vorlage in Freiburg – das ist nicht nur eine nette Randnotiz, das ist ein echtes Signal. Wenn bei Bayer mal wieder von Zukunft gesprochen wird, dann rennt sie offenbar mit Vollgas durch die gegnerische Hälfte.

Auch sonst gibt es genug Gründe, optimistisch zu sein. Terrier wirkt immer besser eingebunden, Maza bleibt diese herrlich quirlige Mischung aus Spielmacher und Störenfried, und Grimaldo macht selbst dann noch Kunst aus dem Ball, wenn man sich parallel schon über seine fünfte Gelbe Karte ärgert. Dass er nun ausgerechnet gegen Bayern fehlt, passt natürlich ins Bild. Bayer 04 und günstiges Timing – das ist seit Jahren keine besonders innige Beziehung.

Trotzdem bleibt nach diesem 3:3 ein leicht säuerlicher Geschmack. Nicht, weil Freiburg auswärts ein Spaziergang wäre. Im Gegenteil. Dort musst du dir jeden Meter verdienen. Aber wer zweimal zurückkommt, dann selbst in Führung geht und spielerisch phasenweise die bessere Mannschaft ist, sollte so ein Ding auch mal mit der Kälte einer echten Spitzenmannschaft zu Ende bringen. Genau da liegt noch der Unterschied zwischen begeisterndem Offensivfußball und echter Reife.

Die letzten Minuten wirkten eher nach müden Beinen und müden Köpfen als nach Mannschaft auf Mission. Freiburg warf alles rein, Bayer ließ es geschehen. Das kann in einer englischen Woche mal passieren, klar. Aber es ist eben genau diese Art von Punktverlust, bei der man als Fan sofort wieder anfängt zu rechnen, zu grübeln und prophylaktisch die Tabelle anzuschreien.

Und jetzt wartet keine Verschnaufpause, sondern Arsenal und danach Bayern. Also genau die Sorte Woche, in der sich entscheidet, ob diese Werkself nur ein wunderbar verrücktes Spektakel ist oder tatsächlich das Format für mehr hat. Mit Fanbrille glaubt man natürlich an alles. Aber selbst durch schwarz-rote Gläser sieht man: Diese Mannschaft ist aufregend, talentiert und manchmal noch ein bisschen zu verliebt in ihr eigenes Chaos. Genau deshalb lieben wir sie. Genau deshalb macht sie uns wahnsinnig.

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