Man kann über dieses 1:1 gegen Arsenal vieles sagen, aber sicher nicht, dass Bayer 04 bloß tapfer mitgespielt hat. Dafür war das zu erwachsen, zu giftig, zu sehr nach jener Werkself, die wir in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst haben. Nach dem wilden 3:3 in Freiburg und mancher berechtigten Nervosität wirkte dieser Abend wie eine kleine Wiederbelebung auf europäischem Parkett: weniger Schönspielerei, mehr Schmutz unter den Fingernägeln, mehr Andrich im Kopf als TikTok im Fuß.
Genau das war ja der spannende Hintergrund dieses Hinspiels. Nicht die Frage, ob Arsenal mehr Ballbesitz haben würde – geschenkt. Sondern ob Bayer 04 nach einer Phase zwischen Wackeln, Wegwerfen und Wundern überhaupt noch die Stabilität für solche Nächte besitzt. Die Antwort war ein überraschend klares Ja. Diese Mannschaft hat gezeigt, dass sie international nicht nur dekorativ am Wettbewerb teilnimmt, sondern Gegnern wie Arsenal ernsthaft auf die Nerven gehen kann. Und zwar nicht mit romantischem Hurra-Fußball, sondern mit Disziplin, Kompaktheit und der angenehmen Bereitschaft, auch mal eklig zu sein.
Dass ausgerechnet Robert Andrich das Tor macht, passt natürlich perfekt. Wenn es einen Spieler gibt, der ein Champions-League-K.o.-Spiel eher wie einen Häuserkampf interpretiert, dann er. Überhaupt war das der Abend der Typen, die nicht geschniegelt wirken, sondern nach Widerstand aussehen. Palacios zurück in der Startelf, Kofane frech und furchtlos, hinten konzentriert, insgesamt mit einer Körpersprache, die man zuletzt zu oft vermisst hat. So darf Bayer 04 gern aussehen: nicht geschniegelt, sondern geladen.
Und dann wäre da noch die alte Leverkusener Spezialität, sich einen fast perfekten Abend auf den letzten Metern selbst oder vom Umfeld zerschrammen zu lassen. Der späte Elfmeter für Arsenal fühlte sich an wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht – besonders weil die Gunners vorher offensiv eher nach Verwaltungsmodus als nach Großmacht aussahen. Dass Kai Havertz ausgerechnet in der BayArena den Ausgleich macht, ist natürlich der Kitsch, den nur der Fußball schreibt, wenn er gerade schlechte Laune hat.
Trotzdem bleibt unterm Strich mehr Hoffnung als Frust. Dieses 1:1 ist kein Trostpreis, sondern ein Zeichen. Bayer 04 lebt noch, in Europa sowieso. Und wer in London so auftritt wie gegen Arsenal über weite Strecken, fährt nicht als Tourist hin. Erst kommt Bayern. Auch nett.
Donnerstag, 12. März 2026
Elfmeter, Ärger, Europa – und plötzlich lebt diese Werkself wieder
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