Es gibt Siege, die fühlen sich größer an als das Ergebnis. Das 2:0 gegen RB Leipzig gehört für mich dazu. Nicht, weil Bayer 04 den Gegner 90 Minuten lang an die Wand gespielt hätte. Im Gegenteil: Gerade in der ersten Halbzeit war das ein ziemlich zähes Stück Arbeit. Aber nach den defensiven Wacklern der vergangenen Wochen war diesmal vor allem eines zu sehen: Ordnung, Disziplin und die Fähigkeit, ein Spiel auch dann zu gewinnen, wenn nicht alles glänzt.
Der Nachmittag stand zudem unter einem traurigen Vorzeichen. Bayer spielte in Erinnerung an Peter Hermann mit Trauerflor, vor dem Anpfiff wurde ihm gedacht. Danach war die Werkself vom Start weg konzentriert, auch wenn Leipzig zunächst gefährlicher wirkte. Mark Flekken musste früh gegen Banzuzi eingreifen, und lange blieb die Partie taktisch geprägt. Bayer hatte zwar mehr Kontrolle, aber im letzten Drittel fehlte häufig die Präzision. Miguel Gutiérrez verpasste eine Hereingabe von Quansah, Aleix Garcia zielte zu hoch, Schick und Diaby ließen eine Doppelchance liegen. Ich hatte mich innerlich schon auf ein 0:0 zur Pause eingestellt.
Dann kam Schick. Natürlich. Gutiérrez brachte den Ball punktgenau in die Mitte, Schick nahm ihn direkt und traf kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:0. Ein richtig starkes Tor – und vor allem eines zum perfekten Zeitpunkt. Wenn du eine erste Hälfte spielst, in der dir nicht alles gelingt, dann ist so ein Treffer Gold wert. Schick hat inzwischen wieder diese Selbstverständlichkeit vor dem Tor, die man bei einem Mittelstürmer sehen will. Kein großes Nachdenken, keine Extrarunde – Ball kommt, Ball rein.
Nach der Pause gefiel mir Bayer deutlich besser. Maza, Diaby und Moreira brachten mehr Tempo ins Spiel, die Aktionen wurden flüssiger und Leipzig verlor zunehmend die Kontrolle. Beim 2:0 halfen die Gäste zwar kräftig mit, aber Gutiérrez musste den Ball trotzdem erst einmal so unter die Latte setzen. Für ihn war es das erste Pflichtspieltor im Bayer-Trikot – und nach seiner Vorlage zum 1:0 war er für mich ganz klar der Mann des Spiels.
Noch wichtiger als die beiden Tore war für mich diesmal aber die Defensive. Genau da hatte ich zuletzt meine größten Bauchschmerzen. Gegen Elversberg war Bayer zeitweise völlig offen, in Augsburg reichten ein paar Minuten Unordnung, um ein kontrolliertes Spiel fast zu verschenken. Gegen Leipzig sah das deutlich erwachsener aus. Tapsoba und Medina gewannen wichtige Zweikämpfe, Quansah arbeitete konzentriert, Gutiérrez war auch gegen den Ball stark. Leipzig kam zwar zu Chancen, aber nicht zu dieser Serie von freien Räumen und schlecht verteidigten Situationen, die mich zuletzt so genervt hatte.
Perfekt war das trotzdem nicht. Vor der Pause lag Bayer in der Zweikampfquote zeitweise deutlich hinten, und Leipzig hatte sogar den Ball im Tor. Wegen einer Abseitsstellung wurde der Treffer zurückgenommen. Man sollte deshalb nicht so tun, als wäre die erste Halbzeit ein Meisterwerk gewesen. War sie nicht. Aber das Entscheidende ist: Bayer hat diese schwierige Phase überstanden, ist nicht auseinandergefallen und hat sich nach der Pause gesteigert. Genau das unterscheidet einen stabilen Auftritt von einem, bei dem am Ende wieder jemand erklären muss, warum plötzlich zehn Minuten lang alles weg war.
Dass Schick später noch zweimal das 3:0 verpasste, war fast schon das einzige kleine Ärgernis. Ansonsten brachte Bayer die Partie erstaunlich souverän nach Hause. Kein hektisches Zurückziehen, kein Zittern, kein Gegentor aus dem Nichts. Nach den vergangenen Wochen kann man gar nicht hoch genug bewerten, wie angenehm langweilig so etwas sein kann.
Zwei Bundesliga-Heimspiele, zwei klare Siege, dazu der Erfolg in der Europa League – langsam beginnt man zu erkennen, wohin die Reise unter Carles Martínez gehen könnte. Noch ist längst nicht alles stabil, und die bisherigen Auswärtsspiele mahnen zur Vorsicht. Aber gegen Leipzig hat Bayer genau das gezeigt, was ich zuletzt eingefordert hatte: weniger defensive Geschenke, mehr Konzentration und die Fähigkeit, auch ohne spielerisches Feuerwerk die Kontrolle zu behalten.
Jetzt geht es erst einmal in die lange Länderspielpause. Danach wartet Mainz.
Wenn wir dort genauso konsequent verteidigen wie gegen Leipzig, hätte ich überhaupt nichts dagegen, wenn ein Bayer-Spiel mal wieder angenehm unspektakulär endet.
Montag, 21. September 2026
2:0 gegen Leipzig – genau diese Stabilität hat zuletzt gefehlt
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