Donnerstag, 17. September 2026

2:0 gegen Celje – drei Punkte, aber noch kein Grund für Europa-Euphorie

Europapokal-Abende in der BayArena dürfen für meinen Geschmack gern zwei Dinge liefern: einen Sieg und möglichst wenig unnötigen Stress. Gegen NK Celje bekam ich beides weitgehend serviert. Bayer 04 startet mit drei Punkten in die Europa League und erledigt damit genau das, was gegen den slowenischen Meister erwartet werden durfte. Spielerisch war allerdings noch Luft nach oben – das sahen auch Carles Martínez und Robert Andrich nach der Partie so.

Martínez rotierte kräftig und veränderte seine Startelf gegenüber Augsburg auf sechs Positionen. Martin Terrier stand erstmals seit März wieder von Beginn an auf dem Platz, Robert Andrich durfte erstmals in dieser Saison starten, dazu kehrten unter anderem Patrik Schick, Malik Tillman und Lucas Vázquez in die Anfangsformation zurück. Bayer brauchte ein paar Minuten, fand dann aber zunehmend Kontrolle. Terrier traf den Pfosten, Edmond Tapsoba zwang Celjes Torwart zu einer Parade und schließlich sorgte eine von Svit Seslar abgefälschte Flanke von Aleix Garcia für die Führung. Nicht unbedingt ein Treffer für den Jahresrückblick, aber im Europapokal frage ich bei Toren grundsätzlich nur selten nach der künstlerischen Qualität.

Der auffälligste Leverkusener war für mich Garcia. Er bestimmte das Spiel, tauchte immer wieder gefährlich auf und war in der ersten Halbzeit an sieben der zwölf Bayer-Abschlüsse direkt beteiligt. Genau diese Präsenz braucht die Mannschaft im Zentrum. Trotzdem hätte Bayer aus seiner Überlegenheit mehr machen müssen. Schick köpfte vorbei, Terrier scheiterte frei vor dem Tor. Solche Chancen sollte man gegen stärkere Gegner besser nutzen, denn die bedanken sich meistens nicht dafür, dass man sie am Leben lässt.

Ganz ohne Warnsignal ging der Abend ohnehin nicht vorbei. Celje bekam trotz der Leverkusener Überlegenheit mehrere gute Gelegenheiten, und Mark Flekken musste in der ersten Hälfte mehrfach stark eingreifen. Dass unser Torwart gegen einen Gegner dieses Kalibers mit zu den auffälligeren Spielern gehört, ist für mich kein besonders beruhigendes Zeichen. Schon in Augsburg war das Defensivverhalten phasenweise mein größter Kritikpunkt. Gegen Celje fiel es weniger ins Gewicht, weil die Slowenen ihre Chancen nicht nutzten. Aber die Räume waren da. Auch Andrich sprach später genau das an. Gegen Leipzig oder bei schwierigeren Europa-League-Aufgaben werden solche Einladungen schneller bestraft.

Nach der Pause wurde das Spiel zunehmend zäher. Bayer blieb bestimmend, entwickelte aber lange zu wenig echte Gefahr. Erst die Einwechslungen von Afonso Moreira und Christian Kofane brachten wieder mehr Bewegung. Moreira traf die Latte, aus der anschließenden Ecke erzielte Facundo Medina den zweiten Treffer. Medina entwickelt sich damit langsam zu einem erstaunlichen BayArena-Torjäger: zweiter Heimauftritt, zweites Tor. Für einen Verteidiger darf das gern so weitergehen.

Positiv bleibt außerdem, dass Terrier wieder in der Startelf stand und Eliesse Ben Seghir nach seiner Verletzungspause sein Comeback feierte. Trotzdem bleibt mein Gesamteindruck ähnlich wie nach den ersten Bundesligaspielen: Diese Werkself besitzt reichlich Qualität, ist aber noch zu wechselhaft. Gute Phasen sind inzwischen regelmäßig zu sehen. Was noch fehlt, ist die Konsequenz über 90 Minuten – vorne beim Verwerten der Chancen und hinten beim Verhindern unnötiger Räume.

Drei Punkte, kein Gegentor, Pflicht erfüllt.

Für Euphorie reicht mir das noch nicht. Für einen gelungenen Europapokal-Abend schon.

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