Man muss es auch erstmal schaffen: 30.210 Menschen in eine ausverkaufte BayArena locken – und ihnen dann einen Abend servieren, der sich phasenweise anfühlt wie „Verwaltungsrecht für Fortgeschrittene“. Und trotzdem: Ich grinse. Denn dieses 0:0 gegen Olympiakos Piräus ist genau die Sorte Ergebnis, die man sich früher in Leverkusen mit drei Kreuzen im Kalender, vier Holzklopf-Orgien und einem „Bitte nicht wieder“-Stoßgebet erkauft hätte. Jetzt? Weiße Weste, Achtelfinale, Top 16 in Europa. Willkommen im neuen Normal, das sich immer noch ein bisschen illegal anfühlt.
Der eigentliche Star des Abends trug keine Glanzmomente im Abschluss, sondern Schweiß in den Zweikämpfen: unsere Defensive. Das war nicht sexy, aber sehr erwachsen. Olympiakos hat gedrückt, gepresst, geschoben – und fand meistens nur einen rot-schwarzen Türsteher vor der Tür. Fünf Heimspiele in Folge ohne Gegentor, dazu schon fünf Clean Sheets in zehn Champions-League-Partien: Das ist keine „gute Phase“, das ist ein Statement. Und ja, Blaswich sammelt inzwischen Weiße Westen wie andere Leute Pfandbons.
Klar, spielerisch war das stellenweise zu wenig. Selbst Andrich und Hofmann haben das ja ziemlich offen angedeutet: vor dem Sechzehner fehlte die Wucht, die Idee, manchmal auch einfach die Galligkeit. Früher hätten wir uns an so einem Abend noch mit „Hauptsache weiter“ selbst belogen. Heute klingt es eher nach: „Weiter – aber da geht mehr.“ Das ist ein Luxusproblem, und ich nehme es dankend.
Nebenbei gab’s noch dieses schöne „Zukunft“-Gefühl: Culbreath mit Heim-Debüt, Hofmann endlich wieder Königsklasse in dieser Saison, und Tapsoba als Sicherheitsgurt in der Innenverteidigung. Unterm Strich bleibt: Nicht gefeiert wird die Kunst – gefeiert wird das Weiterkommen. Und wenn im Achtelfinale niemand nach der Art und Weise fragt, dann antworte ich schon mal vorsorglich: „Genau.“
Mittwoch, 25. Februar 2026
0:0, aber 100% weiter – die BayArena erfindet den Spannungsarmut-Thriller neu
Sonntag, 22. Februar 2026
So fühlt sich ein Nackenschlag an: 0:1 in Berlin und plötzlich schmeckt die Serie bitter
Es gibt Auswärtsspiele, da weißt du nach zwei Minuten: Heute wird’s ein Tag, an dem der Ball die meiste Zeit so tut, als hätte er keine Lust. Alte Försterei, Union, viel Körper, wenig Rhythmus, noch weniger Flow – und wir mittendrin mit der “eigentlich sind wir doch gut drauf”-Serie im Gepäck. Sieben Spiele ungeschlagen, Brust raus, aber bitte nicht zu weit, sonst kommt gleich der nächste lange Ball geflogen.
Was mich an diesem 0:1 am meisten nervt: Es passt so perfekt ins Union-Drehbuch. Ein paar Unterbrechungen, ein paar zweite Bälle, dann einmal zack – langer Pass, Zweikampf, Lupfer, Feierabend. Und ja: Robert Andrich nimmt das Ding auf seine Kappe. Das ist hart, aber immerhin ehrlich. Als Kapitän so offen zu sein, ist wertvoller als jedes “Weiter so”-Poster aus dem Phrasenmuseum. Trotzdem: Dass ein Spiel auf diesem Niveau so sehr an einer einzigen Szene hängt, ist genau das, was wir abstellen müssen, wenn wir in großen Wochen nicht immer den gleichen Krimi schauen wollen.
Denn das eigentliche Thema ist nicht “Union war eklig” – das wissen wir. Das Thema ist: Warum wirken wir in solchen Spielen so ideenarm, bis die Uhr uns anbrüllt? 65 Prozent Ballbesitz, 16:8 Torschüsse – klingt nach Kontrolle, fühlt sich aber nach Watte an. Viel Zirkulation, wenig Schnittstellen, und wenn’s mal gefährlich wird, fehlt diese letzte Qualität: der eine Kontakt zu viel, die Flanke einen Tick zu hoch, der Kopfball von Schick in der Nachspielzeit eben nicht im Netz. Union stellt sich tief, klar – aber wir müssen Lösungen haben, bevor der Gegner den Beton anrührt.
Positiv: Hjulmands Dreifachwechsel brachte endlich Tempo und Wucht rein. Negativ: Dass es erst so spät “klickt”. Und jetzt kommt das Beste: Natürlich gibt’s keine Zeit zum Jammern, weil direkt Olympiakos in der BayArena wartet. Ich sag’s so: Dieses Spiel war ein Warnschild. Wenn wir’s ernst nehmen, war’s vielleicht sogar nützlich. Wenn nicht, wird’s teuer.
Donnerstag, 19. Februar 2026
Schick-Schock in Piräus
Es gibt Abende in Europa, da fühlt sich Bayer 04 an wie dieser eine Kumpel, der erst nach einer Stunde Smalltalk merkt, dass er eigentlich zum Date wollte. 60 Minuten lang klopfen wir in Piräus an die Tür, stehen dann aber gefühlt ohne Schlüssel vorm eigenen Chancenhaus. Und natürlich schwebt sofort dieses unangenehme Déjà-vu aus der Ligaphase über dem griechischen Hexenkessel: „Wenn du sie vorne nicht machst…“ – ja, kennen wir, bitte nächste Folie.
Nur: diesmal sind wir nicht die brave Werkself, die sich von Atmosphäre, Pressing und Stadionakustik einlullen lässt. Diesmal ist da etwas, das man in Leverkusen inzwischen fast schon als Luxusproblem kennt: Geduld. Man kann das langweilig finden, man kann es auch „Erwachsenwerden in der Königsklasse“ nennen. Ich nenne es: endlich mal nicht komplett nervös werden, wenn’s auswärts laut wird.
Und dann kommt Patrik Schick. Erst eiskalt nach dem Konter, dann per Kopf nach Ecke – 144 Sekunden, die sich anfühlen wie „Ach so, Tore schießen ist erlaubt“. Dass er dabei sogar mit Grimaldo heimlich die kurze Ecke verabredet, passt perfekt: Während andere noch diskutieren, ob man Standards trainieren darf, macht Bayer 04 einfach welche rein. Unverschämt.
Was mir trotzdem sauer aufstößt: Wir hätten das Ding früher entscheiden können – und müssen. Maza Latte, Poku daneben, das übliche „Wir sind kreativ im Vergeben“. Olympiakos hatte mit dem aberkannten Treffer schon den Finger am Spielverlauf. Diese K.o.-Spiele bestrafen jeden Moment von Leichtsinn, und manchmal auch jede verpasste Vorentscheidung.
Trotzdem: 2:0 aus Piräus ist ein Statement. Nicht das glamouröseste, aber eins, das nach Achtelfinale riecht. Jetzt bitte in Berlin nicht wieder die Akkus im Hotel lassen – und dann die BayArena als Finish. Erster Step gemacht? Ja. Aber wir wissen doch: Leverkusen kann selbst beim Treppensteigen noch über die letzte Stufe stolpern.
Sonntag, 15. Februar 2026
Kamelle, Kopfball, Klartext
Wenn Karneval ist und Bayer 04 dreimal per Kopf trifft, dann weißt du: In Leverkusen wird nicht nur Kamelle geworfen – da fliegen auch Standards wie Konfetti.
Dieses 4:0 gegen St. Pauli fühlt sich nämlich weniger nach „schöner Heimsieg“ an, sondern nach dem lang ersehnten „Ah, da seid ihr ja wieder!“-Moment. Hjulmand hatte zuletzt genau diese Mischung vermisst: Kontrolle, Spielfreude, Klarheit. Und plötzlich steht da eine Werkself, die den Ball zirkulieren lässt, als hätte sie ihn selbst im Fanshop gekauft – und die gleichzeitig in der Luft so dominant ist, dass man St. Pauli fast einen Sauerstoffzuschlag hätte beantragen müssen. Zwei Kopfballtore in einer Minute, später noch eins hinterher: Das ist nicht einfach Effizienz, das ist eine PowerPoint-Präsentation zum Thema „Standards können Spaß machen“.
Und dann diese Innenverteidiger! Quansah trifft schon früh, Tapsoba köpft nach der Pause – und ganz ehrlich: Wenn dein Abwehrchef inzwischen Tore und Assists sammelt wie andere Leute Payback-Punkte, dann läuft was richtig. Dass Tapsoba offenbar gerade nebenbei das Elite-Ranking „torbeteiligungsstärkster Innenverteidiger der Top-5-Ligen“ anführt, klingt wie ein Fußballmanager-Bug – ist aber für uns schlicht wunderbar. Nur typisch Bayer 04, dass wir selbst bei Bestwerten reflexartig denken: „Bitte bleib gesund, bitte bleib gesund…“
Trotzdem: Ein 4:0 kaschiert auch, was die Wochen davor nervte. Die Leistungsschwankungen waren real, die Selbstverständlichkeit nicht immer da. Genau deshalb ist dieses Spiel so wichtig – nicht wegen St. Pauli, sondern wegen uns. Weil es zeigt, dass die Idee unter Hjulmand greifen kann, auch mit ständig wechselnden Startelf-Puzzleteilen. Jetzt kommen diese englischen Wochen, Olympiakos wartet, Union auch – und wir wissen alle: Leverkusen kann im Februar beides sein, Genie und Wackelkandidat.
Aber heute? Heute war’s mal wieder ganz klar: Fanbrille auf, Brust raus, und bitte genauso weitermachen – nur ohne den Teil, wo wir nächste Woche wieder rätseln, welche Werkself eigentlich auftaucht.
Sonntag, 8. Februar 2026
Ein Punkt ist auch ein Punkt – fühlt sich aber trotzdem an wie halbes Kölsch
Es gibt diese Spiele, da sagt die Tabelle hinterher „alles gut“, während das Fanherz leise seufzt. Mönchengladbach auswärts, Derby, Flutlicht, Top-fünf-Ambitionen – und am Ende steht ein 1:1, das nüchtern betrachtet okay ist, sich aber emotional eher wie lauwarme Brause anfühlt. Ungeschlagen-Serie verlängert, ja. Aber Euphorie? Eher so Mittelrhein-Pegel im Hochsommer.
Was dieses Spiel vor allem gezeigt hat: Bayer 04 ist gerade in einer spannenden Übergangsphase. Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, viel Idee – aber eben auch diese seltsame erste Halbzeit, in der wir aussahen, als hätten wir den Stecker für Intensität erst nach der Pause gefunden. Das ist kein individuelles Problem, das ist ein strukturelles Thema. Man sieht, dass die Mannschaft noch lernt, was sie sein will unter Kasper Hjulmand. Mehr Spielkontrolle, mehr Geduld, mehr System – alles gut. Nur darf Geduld nicht mit Schläfrigkeit verwechselt werden.
Gladbach hat genau das gemacht, was man gegen uns machen muss: giftig sein, Räume zustellen, auf Fehler lauern. Und wir? Lieferten den Fehler frei Haus. Dass Aleix Garcia später mit gefühlt 300 Ballkontakten den Ausgleich einleitete, passt irgendwie zur Geschichte dieses Abends: viel Verantwortung, viel Qualität, aber auch ein paar unnötige Risiken. Typisch Bayer 04 2026 – Talent mit Lernkurve inklusive.
Die zweite Halbzeit machte dann Hoffnung. Mehr Tempo, mehr Zugriff, mehr von dem, was wir uns eigentlich von Anfang an wünschen. Aber auch da fehlte dieses letzte bisschen Konsequenz im letzten Drittel. Der Punch, der Unterschied zwischen „ganz nett“ und „Topteam“. Genau daran wird sich diese Mannschaft messen lassen müssen, wenn sie dauerhaft oben mitspielen will.
Unterm Strich bleibt ein Punkt, der nicht weh tut, aber auch nicht glücklich macht. Vielleicht ist genau das der Preis für Entwicklung. Als Fan mit schwarz-roter Brille sage ich: Lieber jetzt solche Spiele, als im April. Aber ein bisschen mehr Gier von Beginn an – das wäre schon schön. Und zwar sehr.
Mittwoch, 4. Februar 2026
Berlin, wir könnten dann mal losfahren
So langsam wird’s unheimlich. Während anderswo Pokalabende für Herzrasen, Elfmeterschießen und spontane Weißbierduschen sorgen, spielt unsere Werkself diesen Wettbewerb mittlerweile mit der Kaltschnäuzigkeit eines Spitzenkochs, der weiß: Die Gäste kommen eh, also lieber rechtzeitig den Hauptgang servieren. Und das Menü gegen den FC St. Pauli? Drei Gänge, kein Schnickschnack, aber satt und mit Nachgeschmack: 3:0, Halbfinale, weiter geht’s.
Dabei waren die Kiezkicker kein Fallobst. Mutig, frech und mit dem Willen, dem Favoriten ein paar Kratzer zu verpassen. Nur dumm, dass unsere Defensive mittlerweile wirkt wie ein Türsteher auf Red Bull: freundlich, aber unnachgiebig. Tapsoba räumt hinten so ab, als hätte er noch eine Rechnung mit der Reeperbahn offen, während Andrich neben ihm die innere Ruhe eines Zen-Mönchs mit dem Grätsch-Timing eines Chirurgen vereint. Und wenn dann vorne ein Terrier volley die Kugel versenkt, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht, weißt du: Der Pokal riecht schon wieder nach Werkself.
Natürlich gab’s auch Phasen, in denen St. Pauli am Ausgleich schnupperte – doch dann kamen unsere alten Bekannten ins Spiel: Effizienz, Ballkontrolle und der gute, alte Joker. Hofmanns Treffer in der Nachspielzeit? Symbolisch für diese Mannschaft: Du kannst sie vielleicht mal ärgern, aber wenn’s drauf ankommt, macht sie die Tür zu und das Licht aus. Dass Hofmann schon das fünfte Joker-Tor dieser Pokalsaison erzielt hat, spricht übrigens weniger gegen die Startelf als vielmehr für eine Bank, von der andere träumen.
Kasper Hjulmand, unser dänischer Fußball-Philosoph, bleibt dabei betont sachlich – Berlin ist noch nicht erreicht, aber die Tickets liegen fast griffbereit. Und wir Fans? Wir dürfen leise hoffen, ohne gleich wieder an Bayer-typische Halbfinal-Phobien erinnert zu werden. Denn diesmal wirkt das alles… reif. Ernsthaft. Eine Mannschaft mit Ziel, Teamgeist und einer Art von Selbstverständnis, die nicht in Arroganz umschlägt, sondern in Spielfreude und Klarheit.
Also, liebe Werkself: Ruhen wir uns nicht aus. Geben wir weiter alles. Und am besten bald auch den Termin fürs Pokalfinale in den Kalender eintragen. Wer weiß – vielleicht steht da ja am Ende nicht nur das Ziel, sondern endlich auch der verdiente Titel.
Sonntag, 1. Februar 2026
Kalt wie die Stadionwurst – Bayer 04 gewinnt mit halber Kraft
Na, wer hätte das gedacht? Drei Pflichtspielsiege in Folge, Auswärtssieg in Frankfurt, und das mit einem Auftritt, der in der zweiten Halbzeit eher nach Energiesparmodus aussah als nach Titelkampf. Aber gut, wenn man schon nach 45 Minuten fast alles erledigt hat, darf man sich ja auch mal zurücklehnen – zumindest ein bisschen. Denn was die Werkself in der ersten Hälfte zeigte, war genau das, was man sich als Fan so oft wünscht: kontrolliert, abgeklärt, effektiv. Zwei Chancen, zwei Tore. Effizienz wie beim Pfandautomat am Rewe.
Arthur, sonst eher als taktisch wertvoller Dauerläufer bekannt, durfte sich endlich auch mal in die Torschützenliste eintragen. Nach über einem Jahr Bundesliga-Pendelverkehr – von rechts nach links und zurück – hat er sich den Moment mehr als verdient. Und wie immer, wenn jemand bei uns das erste Tor macht, denkt man sich: Hoffentlich platzt da jetzt ein Knoten und nicht nur eine Seifenblase.
Malik Tillman legte schnell nach – drittes Tor im zweiten Spiel, man fragt sich langsam, was der eigentlich gegessen hat in der Winterpause. Was auch immer es war: bitte mehr davon in der Kabine verteilen. Die Eintracht? In Hälfte eins überfordert, in Hälfte zwei dann so, wie man sie erwartet hatte: bissig, laut, mit Stadion im Rücken. Und Bayer? Tja, mit der alten Leverkusener Krankheit: statt den Sack zuzumachen, erst mal den Reißverschluss suchen.
Zum Glück spielte die Eintracht nicht lange mit elf Mann. Die Gelb-Rote für Skhiri half, keine Frage. Aber dass es trotzdem bis zur 93. Minute dauerte, bis Garcia den Deckel draufmachte, lässt einen nicht ganz beruhigt auf den Pokal gegen St. Pauli blicken. Denn eines bleibt: Diese Mannschaft ist auf dem richtigen Weg, aber sie hat immer noch diese kleinen Aussetzer, bei denen man denkt: Muss das jetzt sein?
Kurz gesagt: Das Spiel war ein bisschen wie Stadionwurst im Winter – außen knackig, innen manchmal zu weich, aber am Ende doch genau das Richtige. Und mit drei Punkten schmeckt's eh besser.
Donnerstag, 29. Januar 2026
Bayer 04 entdeckt die Königsklassen-Kontrolle
Wenn Bayer 04 Leverkusen aktuell Fußball spielt, hat das stellenweise was von einem gut geölten Kaffeevollautomaten: Knopf drücken, läuft. Gegen Villarreal war das jedenfalls keine Champions-League-Partie – das war eine Machtdemonstration in Schwarz-Rot. 3:0 stand’s am Ende und man hatte das Gefühl, der Gegner durfte sich für die Teilnahme bedanken. Ballbesitzphasen jenseits der 75 Prozent, Passquoten auf Streber-Niveau und eine Körpersprache, die dem Fan seit Jahren verdächtig fremd vorkam: souverän, gelassen, aber nie überheblich.
Malik Tillman erwischte seinen bisher besten Abend im Bayer-Trikot – und das ausgerechnet in einem Spiel mit echtem Druck. Normalerweise zittern wir uns in solchen Spielen ins Ziel oder stolpern im letzten Moment über unsere eigenen Ambitionen. Diesmal? Zwei Tore von Tillman, das erste davon eine Art Pressing-Poesie: Torwart anrennen, Ball blocken, Ball drin. Das zweite dann so sauber abgeschlossen, als wäre er heimlich als Scharfschütze ausgebildet worden. Ein Spiel wie eine Bewerbung für die Fußball-Fachkraft des Monats.
Und dann war da ja noch Grimaldo. Der Mann trifft in der Champions League mittlerweile regelmäßiger als der ICE Verspätung hat. Sein Volley zum 3:0 war technisch so sauber, dass selbst der Rasen kurz applaudieren wollte. Das restliche Spiel? Ballkontrolle, Passstafetten, Villarreal auf Standbild – aber bitte alles mit Hjulmand'scher Ruhe. Der Däne an der Seitenlinie wirkt sowieso wie ein Chefchirurg: nie hektisch, aber man weiß, dass er gerade etwas Kompliziertes ziemlich gut hinkriegt.
Natürlich bleibt bei aller Euphorie ein kleines „aber“: Es war nur Villarreal. Und der Play-off-Gegner wird vermutlich weniger passiv sein – wobei Dortmund als möglicher Gegner zumindest eines garantiert: viel Gesprächsstoff und noch mehr Nervenstress. Aber hey, dafür sind wir ja Fans geworden. Und zumindest diesmal gehen wir mit etwas Rückenwind in die nächste Runde. Und mit einem Gefühl, das wir fast vergessen hatten: dass man europäisch auch mal mit breiter Brust auftreten darf. Danke für diesen Abend, Bayer. So darf es gern weitergehen.
Sonntag, 25. Januar 2026
Ein Arbeitssieg mit Schönheitsfehlern – aber wir nehmen, was wir kriegen
Endlich! Drei Punkte. Kein Gegentor. Und niemand hat sich verletzt. Das klingt nach einem rundum gelungenen Fußballabend in der BayArena – oder sagen wir: nach einem zumindest versöhnlichen Start in die Pflichtspielsaison 2026. Nach drei Spielen ohne Sieg war das 1:0 gegen Werder Bremen genau das, was die geschundene Fan-Seele gebraucht hat: ein Lebenszeichen. Kein Spektakel, kein Offensiv-Feuerwerk, aber immerhin keine neue Baustelle.
Natürlich kann man jetzt euphorisch werden, immerhin hat Lucas Vázquez seinen ersten Treffer im Bayer-Dress erzielt und das gleich entscheidend. Aber so richtig ins Rollen kommt der Werkself-Motor nach der Winterpause noch nicht. Statt schnurrendem Hybrid-Boliden eher solides Diesel-Geknatter mit ein paar Fehlzündungen. Die Chancenverwertung? Ausbaufähig wie ein 90er-Jahre-Einfamilienhaus in Leverkusen-Wiesdorf. Patrik Schick trifft zwar, aber leider mit der Hand – zum Geburtstag hätte man sich da auch ein bisschen Regelkunde wünschen können.
Trotzdem: Man darf nicht undankbar sein. Bremen war unbequem, wie ein Grünkohl-All-you-can-eat-Buffet – schwer zu verdauen und gefährlich für die letzten zwanzig Minuten. Da wurde es hinten raus noch unnötig spannend. Aber die Abwehr hielt, Palacios gab nach seiner Verletzungspause ein erfreuliches Comeback, und vorne reichte diesmal ein clever ausgespielter Angriff, um den Deckel draufzumachen.
Dass die Bayern parallel gegen Augsburg verlieren und damit unseren historischen Ungeschlagen-Rekord aus der Saison 2023/24 nicht ankratzen können, ist die Kirsche auf dem Werkself-Kuchen. Meister werden sie vermutlich trotzdem, aber wenigstens bleibt uns das in Stein gemeißelte "niemals verloren" noch ein Weilchen erhalten.
Was bleibt? Die Erkenntnis, dass dieser Sieg wichtig war – fürs Selbstvertrauen, für die Tabelle, für den Puls der Fans. Spielerisch ist da noch Luft nach oben, aber zumindest hat man das Gefühl, dass die Richtung wieder stimmt. Und mit Villarreal wartet schon das nächste Spiel, das man nicht verlieren darf, wenn man international mitmischen will. Also: kein Grund zur Ekstase, aber auch keiner zur Panik – ein typischer Bayer-Start eben. Hauptsache, der nächste Schritt folgt bald.
Mittwoch, 21. Januar 2026
Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Fragezeichen – Piräus für Fortgeschrittene
Wer sich jemals gefragt hat, ob 738 Pässe reichen, um ein Champions-League-Spiel zu gewinnen, hat jetzt die Antwort: nein. Willkommen beim Fußball-Phänomen Bayer 04 Leverkusen – dem einzigen Klub Europas, der einen Ballbesitz-Weltrekord aufstellen kann, ohne das Tor zu treffen. In Athen durften wir erleben, wie man ein Spiel dominieren kann, ohne es auch nur ansatzweise zu gewinnen. Die Werkself stolperte mit wehenden Statistiken und leerem Tor-Konto aus dem Hexenkessel von Piräus.
0:2 stand’s am Ende. Gegen eine Mannschaft, die offenbar unter dem Motto „Zwei Schüsse – zwei Treffer – Feierabend“ angetreten war. Bayer hingegen? Hochglanzfußball, kluge Laufwege, feiner Spielaufbau – und vor dem Tor so zahnlos wie ein griechischer Straßenhund nach drei Ouzos.
Es ist diese paradoxe Kombination aus Kontrolle und Chaos, die uns Fans gleichzeitig begeistert und in den Wahnsinn treibt. Klar, es war das siebte Gruppenspiel – die UEFA hat bekanntlich ein Faible für völlig übersichtliche Turnierformate – aber gefühlt war’s das erste Mal, dass Bayer 04 sich wie ein Achtelfinal-Kandidat benommen hat, bloß ohne das nötige Ergebnis.
Dabei war gar nicht alles schlecht. Debüt für Blaswich, Vázquez mit Comeback und Aleix Garcia, der Pässe verteilt hat wie Kölle Kamelle. Aber was nützen uns 120 gespielte Bälle, wenn am Ende keiner davon im Netz zappelt? Olympiakos hat's vorgemacht: Effektivität schlägt Ästhetik.
Hjulmands Truppe zeigt Willen, Moral und Spielwitz – aber was fehlt, ist diese eiskalte Entschlossenheit im Strafraum. Immer wieder Chancen, immer wieder Tzolakis, der mittlerweile vermutlich als UNESCO-Weltkulturerbe für griechische Torhüterleistungen vorgeschlagen wird.
Und so stehen wir Fans mal wieder da, klatschnass vom Hoffnungsschweiß und mit dieser typischen Leverkusen-Melange aus Stolz, Frust und latentem Selbstbetrug. „Wir müssen zusammenhalten“, sagt der Trainer. Klar, machen wir. Aber bitte mit Toren – und Punkten. Sonst bleibt uns am Ende nur das gute Gefühl, „eigentlich besser gewesen zu sein“. Und davon kann man sich im Achtelfinale bekanntlich nichts kaufen.
Am Samstag kommt Werder. Gute Gelegenheit, aus Chancen auch mal Tore zu machen. Und wenn nicht? Dann eben wieder 700 Pässe. Irgendwann muss der Ball ja rein.
Sonntag, 18. Januar 2026
Sinsheim? Mehr so Sinnkrise
Es gibt Spiele, die will man am liebsten vergessen – und dann gibt’s das 0:1 in Hoffenheim. Ein Spiel, das so unspektakulär war, dass selbst das Stadionbier wahrscheinlich beim Einschank eingedöst ist. Natürlich könnte man sagen: "Knapp verloren, kann passieren." Aber wenn man zwei Wochen nach der Winterpause schon das zweite Spiel in Folge in den Sand setzt, dann darf man ruhig mal die Alarmglocke suchen – oder wenigstens den Wecker.
Dabei war die Idee ja gar nicht schlecht: Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, wenig Chaos – also all das, was man sich wünscht, wenn man gegen einen Gegner spielt, der eher auf Konter und Standards setzt. Dumm nur, dass man dann nach neun Minuten direkt einen Freistoß reingewürgt bekommt, bei dem Flekken aussah, als hätte er kurz an den nächsten Brunch gedacht. Der Ball flog jedenfalls vorbei – und mit ihm unsere gute Laune.
Danach? Viel Bemühen, wenig Biss. Es ist fast schon tragikomisch, wie planlos unsere Jungs wirkten, wenn sie dann doch mal bis zur Strafraumgrenze vorgedrungen sind. Vielleicht hätte jemand vorher erwähnen sollen, dass man auch *abschließen* darf. Schick hatte noch die beste Gelegenheit, aber wer so schießt, als wäre der Ball aus Seife, der bringt auch keine TSG-Defensive ins Wanken.
Dass Tella und Flekken dann auch noch verletzt runter mussten, passte zur Stimmung wie ein Regenschauer zum Straßenkarneval. Immerhin: Janis Blaswich feierte ein ordentliches Debüt. Keine Glanzparaden, aber auch keine Querschläger – aktuell reicht das schon für einen kleinen Lichtblick.
Natürlich sagen alle Beteiligten nun pflichtbewusst, dass man „alle Möglichkeiten hat, stabiler zu werden“. Klingt gut. Hat nur bisher wenig mit dem zu tun, was man auf dem Platz sieht. Denn gegen Stuttgart vier Dinger kassieren und dann in Hoffenheim nach vorne wie ein Klappstuhl agieren – das ist vor allem eins: instabil.
Aber hey, wir Fans sind ja leidensfähig. Und Optimismus gehört zum Paket – wie die Dauerkarte zum Schmerz. Jetzt also Piräus unter der Woche und dann Bremen zu Hause. Vielleicht gibt’s ja dort endlich wieder Grund zum Jubeln. Falls nicht, bleibt uns immerhin der Trost, dass auch schlechte Phasen dazugehören. Nur bitte nicht zu lange.
Mittwoch, 14. Januar 2026
Wegen Dachschaden: Leverkusens Ausflug ins Schietwetter fällt ins Wasser
Na super, da freut man sich auf ein Dienstagabendspiel unter Flutlicht gegen den HSV – immerhin mal wieder ein Traditionsduell mit ordentlich Pokal-Würze – und dann fällt das Ganze buchstäblich ins Wasser. Oder besser gesagt: ins Tauwasser. Denn statt Fußball gab’s für uns Bayer-Fans nur eine wetterbedingte Lektion in norddeutscher Statik.
Das Volksparkstadion, das sich in Sachen Atmosphäre ohnehin eher zwischen 90er-Jahre-Charme und Baustellenromantik bewegt, wurde kurzerhand gesperrt, weil das Dach offenbar bei plötzlichem Tauwetter die Grätsche gemacht hat. Schnee plus Wasser gleich Punktlasten – hätte man auch früher drauf kommen können. Aber gut, im Norden rechnet man Mitte Januar halt nicht mit Wetter.
Natürlich ist Sicherheit wichtig, keine Frage. Niemand will, dass Robert Andrich beim Einlaufen von einer Dachlawine getroffen wird oder Kasper Hjulmand später in der PK erklären muss, dass die Taktik am schmelzenden Membrandach gescheitert ist. Aber irgendwie riecht das Ganze schon ein bisschen nach Hamburger Slapstick. Wir reisen also bei Eiseskälte gen Norden, Fans nehmen sich Urlaub, buchen Hotels, füllen die Auswärtsblöcke – und dann sagt der Stadionstatiker „nö“. Ohne Alternative, ohne Vorwarnung, aber mit ganz viel „Hanseatischer Gelassenheit“.
Während in der BayArena notfalls auch bei Saharastaub und Plattenspielerregen gespielt würde, zeigt sich der HSV wieder mal als Spitzenreiter der kuriosen Absagen. Irgendwie passt das zum Verein, der sich zwischen Bundesliga-Rückkehr und Zweitliga-Endlosschleife eingerichtet hat wie in einem gemütlichen Windjammer auf der Elbe.
Die DFL muss nun einen neuen Termin finden, am besten irgendwo zwischen eng getaktetem Rückrundenplan, Pokal-Halbfinale und Champions-League-Viertelfinale. Wir freuen uns jetzt schon auf den Nachholtermin – wahrscheinlich an einem Mittwochvormittag um 11:30 Uhr bei 27 Grad und strahlendem Sonnenschein. Vielleicht mit offenem Dach. Oder ganz ohne. Sicher ist sicher.
Sonntag, 11. Januar 2026
Neues Jahr, alter Frust: Frohes 2026 aus der Horrorzone
Na dann, Prosit Neujahr. Wer dachte, dass das neue Fußballjahr für Bayer 04 mit einem Knall beginnt, hatte leider recht – nur kam der Knall von der falschen Seite. 1:4 gegen den VfB Stuttgart. Zu Hause. In der BayArena. Und das schon nach 45 Minuten im Prinzip durch. Stuttgart? Das war mal unser Lieblingsgegner. Inzwischen haben wir selbst dafür gesorgt, dass sie ihre Komplexe über Bord werfen konnten. Quasi psychologische Aufbauarbeit vom Feinsten.
Die Werkself wirkte, als hätte sie in der Winterpause statt Trainingslager eher an einem Yoga-Retreat teilgenommen. Ballbesitz ja, Ideen nein. Leidenschaft? Fehlanzeige. Körperlichkeit? Nur bei den Gästen. Dass sich Grimaldo und Quansah nach dem Spiel fast entschuldigt haben, war zwar ehrlich – aber auch ein Armutszeugnis für die Leistung. Wenn der Gegner dich wie ein Drittliga-Team auseinandernimmt, hilft keine Analyse mehr. Dann hilft nur: Besser machen. Sofort.
Klar, man kann jetzt auf die vielen Ausfälle zeigen – Afrika-Cup, Verletzungen, muskuläre Problemchen hier, Reha-Phase dort. Aber das erklärt nicht, warum die Mannschaft kollektiv wie auf Valium wirkte. Stuttgart war einfach galliger, schneller, schärfer – und so schmerzhaft es ist: auch klüger.
Immerhin: Fernández ist zurück, Grimaldo trifft immerhin per Elfmeter, und die zweite Halbzeit war wenigstens kein Totalausfall mehr. Kleine Fortschritte für den Optimismus, den wir uns als Fans ja trotz allem irgendwie bewahren. Nur: Wenn man mit zwölf Punkten Rückstand auf Bayern ins neue Jahr geht und dann so eine Bauchlandung hinlegt, kann man schon mal unruhig werden. Nicht wegen einer Niederlage – sondern wegen der Art, wie sie zustande kam.
Am Dienstag geht’s zum HSV. Aufsteiger, Flutlicht, kalter Januarabend – der perfekte Ort, um zu zeigen, dass man noch weiß, wie man Fußball spielt. Und nicht nur wie man Spiele herschenkt. Wir wollen keine Ausreden mehr hören. Wir wollen wieder eine Werkself sehen, die das ist, was sie im Namen trägt: eine Mannschaft, die ackert, rackert, fightet. Und nicht eine, die sich vom Gegner nach 45 Minuten kollektiv die Hosen runterziehen lässt.
Sonst wird aus dem Vizemeistertraum schneller ein Europa-League-Krampf, als uns lieb ist.