Samstag, 11. April 2026

Andrich macht den Dortmunder Westfalenzirkus zum Leverkusener Wohnzimmer

Es gibt Siege, die fühlen sich größer an als drei Punkte. Und dann gibt es dieses wunderbar schnörkellose 1:0 in Dortmund, das ungefähr so glamourös war wie eine Werkzeugkiste im Regen – und gerade deshalb so schön. Bayer 04 hat beim Tabellenzweiten kein Feuerwerk abgefackelt, sondern eine sehr erwachsene Partie gespielt. Nicht spektakulär, nicht immer hübsch, aber genau so, wie man in dieser Phase der Saison Auswärtsspiele bei einem Topgegner gewinnen muss: mit Geduld, Nerven und einem Robert Andrich, der den Ball behandelt hat, als wolle er persönlich die Champions League wieder an den Rhein schubsen.

Dabei war der Anfang noch ziemlich unerquicklich. Dortmund hatte den Ball, wir hatten erstmal das mulmige Gefühl, dass das wieder so ein Nachmittag werden könnte, an dem Bayer nur auf Gefahrenverwaltung setzt. Nach den wilden Wochen mit zu viel Chaos, zu vielen Gegentoren und zu viel “offen für alles” war das aber vielleicht genau die notwendige Korrektur. Hjulmand hat seiner Mannschaft erkennbar eingebläut, dass man ein Spitzenspiel nicht immer mit Glanz gewinnt, sondern manchmal einfach damit, dem Gegner den Spaß zu verderben. Willkommen im Fußball der Vernunft – auch wenn das für uns Fans natürlich nur halb so sexy ist wie drei Steckpässe und ein Grimaldo-Strahl in den Winkel.

Dass ausgerechnet Andrich das Spiel entscheidet, passt perfekt. Einer, der zuletzt nicht immer nur Lob geerntet hat, setzt in Dortmund das Zeichen des Tages. Das war nicht nur ein schönes Tor, das war auch eine kleine Erinnerung daran, dass diese Mannschaft noch immer Typen hat. Und Typen braucht es im Rennen um die Königsklasse mehr als schöne Passstafetten für Taktikromantiker.

Natürlich gehört zur Wahrheit auch: Bayer hatte in der zweiten Halbzeit nicht alles im Griff. Guirassys Lattentreffer war kein Betriebsunfall, sondern ein Warnschild. Und offensiv hätte man manche Umschaltsituation sauberer zu Ende spielen können. Ganz abgeklärt ist diese Mannschaft also noch nicht. Aber vielleicht ist genau das der Fortschritt: dass sie selbst dann gewinnt, wenn nicht alles rund läuft.

Am Ende bleibt ein Sieg mit Signalwirkung. In Dortmund, wo sonst gern großspurig vom Anspruch gesprochen wird, hat Bayer 04 still den Laden ausgeräumt. Nicht mit Samba, sondern mit Stahlkappenschuhen. Manchmal ist genau das die schönste Form von Fanromantik.

Sonntag, 5. April 2026

Aus drei Gegentoren sechs Lehren gemacht – Bayer spielt erst Schlafwagen, dann Dampfwalze gegen Wolfsburg

Man muss es dieser Mannschaft lassen: Langweilig kann sie einfach nicht. Gegen Wolfsburg hat Bayer 04 mal wieder gezeigt, warum man als Leverkusen-Fan in Wahrheit kein Herz, sondern ein TÜV-geprüftes Hochleistungsbauteil braucht. Erst verteilen wir in der eigenen Defensive Gastgeschenke wie an einem verkaufsoffenen Sonntag, dann drehen wir ein 1:3 beziehungsweise 2:3 noch in ein 6:3 und verlassen die BayArena am Ende doch mit diesem herrlich irrationalen Gefühl, dass vielleicht wieder alles möglich ist.

Natürlich war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken genau der Stoff, aus dem schlechte Saison-Enden gemacht sind. Viel Ballbesitz, viele Pässe, viel Kontrolle auf dem Papier – und hinten trotzdem offen wie ein Scheunentor. Das ist ja das eigentlich Nervige an dieser Werkself 2026: Sie kann Gegner erdrücken, sie kann Räume bespielen, sie kann Chancen im Dutzend herstellen. Aber sie hat gleichzeitig eine fast rührende Bereitschaft, jeden Gegner durch eigene Fehler wieder ins Spiel einzuladen. Wolfsburg musste dafür nicht einmal ein Offensivfeuerwerk abbrennen. Drei Tore aus vergleichsweise wenig Kontrolle – das darf einer Mannschaft mit unseren Ansprüchen schlicht nicht passieren.

Und trotzdem liegt genau darin gerade die Hoffnung. Diese Mannschaft ist eben nicht auseinandergefallen. Sie hat reagiert. Die Umstellung zur Pause, Schick als zusätzlicher Fixpunkt vorne, mehr Wucht, mehr Tiefe, mehr Konsequenz – plötzlich war wieder dieses Bayer-Gefühl da: Druck, Tempo, Gier. Nathan Tella tat dem Spiel mit seiner Dynamik sichtbar gut, Grimaldo war überall, Schick traf historisch, Maza und Tillman setzten die Nadelstiche, und selbst Tapsoba durfte seinen Ausflug vom Krisenherd zum Torjäger fortsetzen.

Der Sieg ist deshalb wichtiger als das bloße Spektakel. Nicht, weil nun alles glänzt. Tut es nicht. Die defensive Anfälligkeit bleibt das große Warnschild vor Dortmund und dem Saisonfinale. Aber nach den zähen Wochen und dem Gefühl, dass uns die Champions-League-Plätze langsam durch die Finger rutschen, war dieses Spiel ein Lebenszeichen. Eines mit Macken, Übertreibungen und völlig unnötigem Puls. Also im Grunde ein sehr leverkusenerisches Lebenszeichen.

Samstag, 21. März 2026

Dreimal getroffen, zweimal geführt, einmal blamiert – Bayer und die Kunst, sich selbst weh zu tun

Es gibt Unentschieden, die fühlen sich irgendwie ordentlich an. Und es gibt dieses 3:3 in Heidenheim. Das gehört in die zweite Kategorie, irgendwo zwischen Wurzelbehandlung und versehentlich verschüttetem Altbier auf dem Lieblingsschal. Zweimal geführt, drei Tore gemacht, gegen den Tabellenletzten gespielt – und am Ende trotzdem zwei Punkte weggeworfen. Wer das schönreden will, kann auch behaupten, ein brennender Toaster sorge für gemütliche Wärme.

Dabei war die erste Halbzeit noch genau das, was man nach dem Arsenal-K.o. gebraucht hätte: Kontrolle, Ruhe, Qualität. Tillman trifft, Schick trifft, Heidenheim sieht aus wie ein Gegner, den man mit professioneller Nüchternheit abarbeitet. Nicht glanzvoll, nicht spektakulär, aber souverän. Genau diese erwachsene Sorte Auftritt, mit der man signalisiert: Ja, Champions League ist vorbei, aber in der Liga wissen wir immer noch, was zu tun ist.

Und dann passierte wieder das, was in dieser Saison leider viel zu oft passiert, wenn Bayer eigentlich alles im Griff hat: Die Mannschaft verwechselt Spielkontrolle mit Arbeitseinstellung Feierabend. Heidenheim wurde mutiger, aggressiver, unangenehmer – und Bayer reagierte darauf wie jemand, der im Regen stehen bleibt und hofft, dass die Wolke von allein weiterzieht. Tat sie natürlich nicht. Stattdessen kam Heidenheim zurück, dann Schick noch einmal zur Führung, und selbst da hatte man nicht das Gefühl, dass die Sache wirklich entschieden ist. Wenn du auswärts drei Tore schießt und trotzdem nicht gewinnst, liegt das nicht am Pech, sondern an fehlender Konsequenz.

Besonders bitter ist das, weil die ganze Großwetterlage schon unerquicklich genug ist. Aus der Königsklasse raus, in der Liga das dritte Remis in Folge, und statt mit Wut und Klarheit in den Endspurt zu gehen, verteilt man Aufbauhilfe an einen Abstiegskandidaten. Natürlich kann man Heidenheim Respekt zollen. Die haben gebissen, gerannt, geglaubt. Aber genau das macht es ja so ärgerlich: Bayer wusste, was kommen würde, und hat es trotzdem zugelassen.

Als Fan bleibt da vor allem Enttäuschung. Nicht wegen eines wilden 3:3 an sich, sondern weil diese Mannschaft mehr können müsste, mehr können will und in solchen Spielen trotzdem immer wieder den Stecker zieht. Drei Tore in Heidenheim müssen reichen. Punkt. Alles andere ist kein Ausrutscher mehr, sondern ein verdammt teures Muster.

Mittwoch, 18. März 2026

London ruft, Leverkusen lernt – und Janis Blaswich verhindert Schlimmeres mit Gartenzaun-Reflexen

Es ist ein bisschen das alte Champions-League-Gefühl für Bayer 04: Man fährt mit Hoffnung los, malt sich den großen Abend aus und kommt mit dieser Mischung aus Stolz, Frust und dem leisen Verdacht zurück, dass Europas Elite zwar nicht auf einem anderen Planeten lebt, aber eben doch in einem hübscheren Viertel. Das 0:2 bei Arsenal war kein ehrenrühriger K.o., aber eben einer, der weh tut, weil mehr drin zu sein schien als nur ein Achtelfinale mit ordentlichem Applaus.

Gerade deshalb sollte man dieses Ausscheiden nicht nur auf 90 Minuten in London reduzieren. Diese Werkself hat in der Königsklasse über Monate gezeigt, dass sie mitmischen kann, auch wenn sie noch nicht zu den Mannschaften gehört, die solche Abende mit kalter Selbstverständlichkeit verwalten. Arsenal wirkte reifer, robuster, klarer in den Abläufen – also genau wie eine Mannschaft, die schon ein Stück weiter ist. Bayer dagegen hatte Phasen, in denen man sah, was wachsen kann, und andere, in denen man sah, was noch fehlt: Ruhe unter Druck, Präzision im Aufbau, Wucht in den entscheidenden Räumen.

Und trotzdem: Wer nur aufs Ergebnis schaut, macht es sich zu einfach. Dass es bis zur Pause nicht schon deutlicher stand, war vor allem Janis Blaswich zu verdanken, der spielte, als hätte er an jedem Arm noch einen zusätzlichen Ellenbogen. Zehn Paraden in so einem Spiel sind nicht bloß ein guter Abend, das ist fast schon ein Nebenjob als Brandlöscher. Wenn der Torwart der beste Mann ist, sagt das allerdings auch einiges über den Rest aus.

Genau da liegt der kritische Punkt: Viel Ballbesitz klingt immer schön für die Statistikfreunde mit Tabellenkalkulation, hilft aber wenig, wenn der Gegner daraus vor allem eines liest – dass er die gefährlichere Mannschaft ist. Bayer hatte zu wenig Durchschlagskraft, zu wenig Frechheit, zu wenig echte Kontrolle. Nicht unterlegen wie ein Außenseiter, aber auch nicht zwingend genug wie ein Team, das wirklich ins Viertelfinale will.

Bleibt also das Fazit mit Fanbrille: nervig ausgeschieden, aber nicht klein. Diese zwölf Champions-League-Spiele waren kein Betriebsunfall mit Flutlicht, sondern ein Schritt. Jetzt wäre es nur ganz schön, wenn aus dem Satz, man sei nicht so weit weg, bald mal der schönere Satz wird: Jetzt sind wir da.

Samstag, 14. März 2026

Dieser Punkt gegen Bayern fühlt sich plötzlich wie ein Gewinn an

Man kann über dieses 1:1 gegen den FC Bayern vieles sagen, aber sicher nicht, dass Bayer 04 gerade langweiligen Fußball spielt. Was die Werkself in diesen Tagen gegen Arsenal und nun gegen München auf den Rasen bringt, ist endlich wieder das, worauf wir in Leverkusen so allergisch reagieren, wenn es fehlt: Intensität, Mut, Struktur, Leben. Diese Mannschaft wirkt wieder wie eine Mannschaft und nicht wie eine lose Sammlung guter Ideen mit müden Beinen.

Gerade gegen Bayern war das über weite Strecken sehr deutlich zu sehen. Früh aggressiv, hellwach in den Zweikämpfen, mit einem starken Plan gegen den Ball und mit dieser schönen Mischung aus Disziplin und Frechheit, die man gegen die Münchner braucht. Dass ausgerechnet der 18-jährige Culbreath dabei so unbekümmert auftritt, ist fast schon die schönste Nachricht des Nachmittags. Während anderswo für teures Geld an Charakterprofilen gebastelt wird, rennt bei uns einer aus der Akademie einfach los und spielt, als hätte er seit fünf Jahren nichts anderes gemacht.

Und trotzdem bleibt nach diesem Spiel ein Gefühl, das man als Bayer-Fan nur zu gut kennt: Stolz mit leichtem Magendrücken. Denn natürlich ist ein Punkt gegen Bayern kein Weltuntergang. Aber wenn der Gegner erst zu zehnt, dann zu neunt spielt und du trotzdem nicht gewinnst, dann darf man sich das Ergebnis nicht mit schönen xGoals einrahmen. Dann fehlen am Ende eben nicht nur zwei Punkte, sondern auch ein Stück Konsequenz.

Genau da liegt der kritische Punkt: Bayer ist wieder spielerisch und mental auf einem Niveau, das Hoffnung macht. Aber diese Hoffnung muss sich auch mal in Ertrag verwandeln. Zu viele gute Auftritte enden derzeit mit einem „eigentlich“. Eigentlich besser. Eigentlich näher dran. Eigentlich verdient. Fußball ist leider ein brutales Gewerbe für Leute, die ihre Überlegenheit auch in Tore umrechnen.

Trotzdem: Die Richtung stimmt. Hjulmands Handschrift wird klarer, die Mannschaft wirkt stabiler, und selbst gegen Europas Schwergewichte sieht Bayer 04 wieder aus wie Bayer 04. Nur den letzten Schritt muss sie endlich machen. Sonst bleibt am Ende wieder nur die Erkenntnis, dass wir fast alles können – außer den Sack zuzumachen. Und das wäre selbst für uns irgendwann zu traditionsbewusst.

Donnerstag, 12. März 2026

Elfmeter, Ärger, Europa – und plötzlich lebt diese Werkself wieder

Man kann über dieses 1:1 gegen Arsenal vieles sagen, aber sicher nicht, dass Bayer 04 bloß tapfer mitgespielt hat. Dafür war das zu erwachsen, zu giftig, zu sehr nach jener Werkself, die wir in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst haben. Nach dem wilden 3:3 in Freiburg und mancher berechtigten Nervosität wirkte dieser Abend wie eine kleine Wiederbelebung auf europäischem Parkett: weniger Schönspielerei, mehr Schmutz unter den Fingernägeln, mehr Andrich im Kopf als TikTok im Fuß.

Genau das war ja der spannende Hintergrund dieses Hinspiels. Nicht die Frage, ob Arsenal mehr Ballbesitz haben würde – geschenkt. Sondern ob Bayer 04 nach einer Phase zwischen Wackeln, Wegwerfen und Wundern überhaupt noch die Stabilität für solche Nächte besitzt. Die Antwort war ein überraschend klares Ja. Diese Mannschaft hat gezeigt, dass sie international nicht nur dekorativ am Wettbewerb teilnimmt, sondern Gegnern wie Arsenal ernsthaft auf die Nerven gehen kann. Und zwar nicht mit romantischem Hurra-Fußball, sondern mit Disziplin, Kompaktheit und der angenehmen Bereitschaft, auch mal eklig zu sein.

Dass ausgerechnet Robert Andrich das Tor macht, passt natürlich perfekt. Wenn es einen Spieler gibt, der ein Champions-League-K.o.-Spiel eher wie einen Häuserkampf interpretiert, dann er. Überhaupt war das der Abend der Typen, die nicht geschniegelt wirken, sondern nach Widerstand aussehen. Palacios zurück in der Startelf, Kofane frech und furchtlos, hinten konzentriert, insgesamt mit einer Körpersprache, die man zuletzt zu oft vermisst hat. So darf Bayer 04 gern aussehen: nicht geschniegelt, sondern geladen.

Und dann wäre da noch die alte Leverkusener Spezialität, sich einen fast perfekten Abend auf den letzten Metern selbst oder vom Umfeld zerschrammen zu lassen. Der späte Elfmeter für Arsenal fühlte sich an wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht – besonders weil die Gunners vorher offensiv eher nach Verwaltungsmodus als nach Großmacht aussahen. Dass Kai Havertz ausgerechnet in der BayArena den Ausgleich macht, ist natürlich der Kitsch, den nur der Fußball schreibt, wenn er gerade schlechte Laune hat.

Trotzdem bleibt unterm Strich mehr Hoffnung als Frust. Dieses 1:1 ist kein Trostpreis, sondern ein Zeichen. Bayer 04 lebt noch, in Europa sowieso. Und wer in London so auftritt wie gegen Arsenal über weite Strecken, fährt nicht als Tourist hin. Erst kommt Bayern. Auch nett.

Sonntag, 8. März 2026

Drei Tore, ein Punkt

Man muss es dieser Werkself lassen: Langweilig kann sie wirklich nur, wenn sie gerade gar nicht spielt. Das 3:3 in Freiburg war wieder so ein Nachmittag, an dem man als Bayer-04-Fan gleichzeitig begeistert aufs Sofa klopft und sich danach fragt, warum man sich diesen Verein emotional eigentlich seit Jahren antut. Spektakel können wir. Abgezocktheit leider nicht immer.

Dabei war das im Breisgau nicht einfach irgendein Remis, sondern eines dieser Spiele, die ziemlich gut zeigen, wo Bayer 04 Anfang März 2026 steht. Offensiv hat diese Mannschaft Wucht, Ideen und inzwischen auch neue Gesichter, die Verantwortung übernehmen. Christian Kofane spielt gerade so frech auf, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als in der Bundesliga Verteidiger schwindelig zu spielen. Acht Scorerpunkte als Teenager, dazu jetzt Tor und Vorlage in Freiburg – das ist nicht nur eine nette Randnotiz, das ist ein echtes Signal. Wenn bei Bayer mal wieder von Zukunft gesprochen wird, dann rennt sie offenbar mit Vollgas durch die gegnerische Hälfte.

Auch sonst gibt es genug Gründe, optimistisch zu sein. Terrier wirkt immer besser eingebunden, Maza bleibt diese herrlich quirlige Mischung aus Spielmacher und Störenfried, und Grimaldo macht selbst dann noch Kunst aus dem Ball, wenn man sich parallel schon über seine fünfte Gelbe Karte ärgert. Dass er nun ausgerechnet gegen Bayern fehlt, passt natürlich ins Bild. Bayer 04 und günstiges Timing – das ist seit Jahren keine besonders innige Beziehung.

Trotzdem bleibt nach diesem 3:3 ein leicht säuerlicher Geschmack. Nicht, weil Freiburg auswärts ein Spaziergang wäre. Im Gegenteil. Dort musst du dir jeden Meter verdienen. Aber wer zweimal zurückkommt, dann selbst in Führung geht und spielerisch phasenweise die bessere Mannschaft ist, sollte so ein Ding auch mal mit der Kälte einer echten Spitzenmannschaft zu Ende bringen. Genau da liegt noch der Unterschied zwischen begeisterndem Offensivfußball und echter Reife.

Die letzten Minuten wirkten eher nach müden Beinen und müden Köpfen als nach Mannschaft auf Mission. Freiburg warf alles rein, Bayer ließ es geschehen. Das kann in einer englischen Woche mal passieren, klar. Aber es ist eben genau diese Art von Punktverlust, bei der man als Fan sofort wieder anfängt zu rechnen, zu grübeln und prophylaktisch die Tabelle anzuschreien.

Und jetzt wartet keine Verschnaufpause, sondern Arsenal und danach Bayern. Also genau die Sorte Woche, in der sich entscheidet, ob diese Werkself nur ein wunderbar verrücktes Spektakel ist oder tatsächlich das Format für mehr hat. Mit Fanbrille glaubt man natürlich an alles. Aber selbst durch schwarz-rote Gläser sieht man: Diese Mannschaft ist aufregend, talentiert und manchmal noch ein bisschen zu verliebt in ihr eigenes Chaos. Genau deshalb lieben wir sie. Genau deshalb macht sie uns wahnsinnig.

Donnerstag, 5. März 2026

Hamburg, VAR und Vitamin-K(ofane): Drei Punkte, ein Puls, fünf graue Haare

Endlich mal wieder ein Abend, an dem man als Bayer-04-Fan nicht nach 70 Minuten anfängt, Ausreden für die Tabelle zu basteln. 1:0 beim HSV im Nachholspiel – klingt erstmal nach zähem Pflichtprogramm, fühlte sich aber erstaunlich nach „Wir sind noch da!“ an. Und ehrlich: Nach den letzten Wochen war genau dieses „andere Gesicht“ überfällig. Nicht schönreden, nicht herumphilosophieren – einfach mal wieder mit Druck, Tempo und diesem leicht nervigen „Wir kommen eh gleich wieder“-Pressing, das Gegner und eigene Nerven gleichermaßen mürbe macht.

Das eigentlich Spannende ist weniger der Spielbericht als die Botschaft dahinter: Bayer 04 kann also doch noch schnell UND geduldig. Diese Kombination war zuletzt ungefähr so selten wie ein ruhiger Leverkusener in der 88. Minute. Man hat gesehen, dass die Mannschaft wieder klarere Abläufe hatte: hoch gewinnen, sofort nach vorne, nicht drei Sicherheits-Pässe zum eigenen Innenverteidiger, damit der Ball auch wirklich niemandem wehtut. 63 Prozent Ballbesitz, 84 Prozent Passquote – ja, Statistiken sind wie Aspirin: helfen kurz, aber lösen nicht jedes Problem. Trotzdem: Dominanz war da.

Und dann diese alte Leverkusen-Krankheit: Chancenverwertung. Wenn wir Tore nach „eigentlich müsste“ zählen würden, wären wir Rekordmeister seit 2002. Querlatte, zurückgenommener Elfer (VAR sagt: draußen), aberkanntes Tor (Hand) – das volle Bingo. Umso wichtiger, dass Christian Kofane die Nummer dann endlich mit Wucht beendet. Kein Kunstwerk, eher ein „So, jetzt reicht’s“-Schuss. Genau mein Humor.

Nebenbei: Montrell Culbreath Startelf-Debüt – und nicht wie ein Jugendspieler, der aus Versehen auf den falschen Trainingsplatz gelaufen ist. Frisch, mutig, will Fußball spielen. Das ist die Art Energie, die man braucht, wenn Verletzungen das Personalpult leerfegen.

Kritisch bleibt: Wenn du so überlegen bist, musst du früher den Deckel draufmachen. Freiburg kommt, danach Arsenal und Bayern – das sind keine Gegner, die dir 70 Minuten Geduld schenken, bis du dich bequem „belohnst“. Aber für heute gilt: drei Punkte, sauberes Auswärtsspiel, Blaswich mit der späten Lebensversicherung – und ich gehe mal schlafen, ohne die Tabelle wegzudrücken.

Sonntag, 1. März 2026

Samstagnachmittag in der BayArena: Viel Ball, wenig Bayer – und Quansah muss’s wieder richten

Ein 1:1 gegen Mainz kann man sich schönreden: Heimserie hält, spät Moral gezeigt, Stadion voll, Punkt gesichert. Kann man. Aber wenn wir ehrlich sind (und als Bayer-Fan tut’s manchmal weh): Das war über weite Strecken ein Auftritt, bei dem man sich gefragt hat, ob die Mannschaft vor dem Anpfiff aus Versehen erst mal eine PowerPoint über Geduld statt ein Warm-up gemacht hat.

Ja, wir hatten Kontrolle, ja, wir hatten Ballbesitz, ja, die Zahlen sehen wieder nach „eigentlich überlegen“ aus. Nur: Fußball ist kein Besitzstandswahrungs-Contest. Wenn du 60, 65, 66 Prozent den Ball hast und daraus gefühlt eine Handvoll halbgare Abschlüsse machst, dann ist das nicht Dominanz – das ist Beschäftigungstherapie. Mainz hat uns nicht mit Zauberfußball entnervt, sondern mit etwas, das wir eigentlich selbst beherrschen sollten: kompakt stehen, Räume schließen, auf Fehler warten. Und wir haben brav geliefert.

Am unerquicklichsten: Dieser fehlende Rhythmus mit dem Ball war nicht nur ein Satz fürs Mikrofon, man hat ihn gesehen. Viele sichere Pässe, wenig Mut in die Tiefe, kaum Tempo im letzten Drittel. Die erste Halbzeit war so ereignisarm, dass die verletzungsbedingte Auswechslung von Arthur leider zu den „Highlights“ zählen musste – und das sagt alles. Und wenn wir dann erst nach der Pause, und eigentlich erst nach dem Rückstand, anfangen, Intensität zu entwickeln, ist das kein Reifezeichen, sondern ein Warnsignal.

Der Gegentreffer? Lehrbuch „so bitte nicht“: Ecke vorne, Absicherung wacklig, Mainz schaltet um, Becker vollendet – und plötzlich rennen wir einem Spiel hinterher, das wir vorher schon eingeschläfert hatten. Klar kann man über den nicht gegebenen Elfmeter diskutieren. Aber ganz ehrlich: Wenn unser Plan A darin besteht, auf Plan B namens Schiedsrichter zu hoffen, dann läuft grundsätzlich etwas schief.

Und dann kommt die Pointe dieses Samstagnachmittags: Wieder muss ein Innenverteidiger den Stürmer geben. Quansah rückt auf und trifft zum Ausgleich – großartig, eiskalt, rettet uns den Punkt. Gleichzeitig ist es aber auch ein ziemlich bitteres Symbol: Wenn der verlässlichste Abschluss ausgerechnet vom Abwehrmann kommt, dann stimmt in der Offensive etwas nicht.

Unterm Strich: Punkt gerettet, ja. Aber das war zu wenig für eine Mannschaft, die Champions-League-Ambitionen vor sich herträgt. In Hamburg und Freiburg brauchen wir keine „letzten 15 Minuten Bayer 04“, sondern 90.

Mittwoch, 25. Februar 2026

0:0, aber 100% weiter – die BayArena erfindet den Spannungsarmut-Thriller neu

Man muss es auch erstmal schaffen: 30.210 Menschen in eine ausverkaufte BayArena locken – und ihnen dann einen Abend servieren, der sich phasenweise anfühlt wie „Verwaltungsrecht für Fortgeschrittene“. Und trotzdem: Ich grinse. Denn dieses 0:0 gegen Olympiakos Piräus ist genau die Sorte Ergebnis, die man sich früher in Leverkusen mit drei Kreuzen im Kalender, vier Holzklopf-Orgien und einem „Bitte nicht wieder“-Stoßgebet erkauft hätte. Jetzt? Weiße Weste, Achtelfinale, Top 16 in Europa. Willkommen im neuen Normal, das sich immer noch ein bisschen illegal anfühlt.

Der eigentliche Star des Abends trug keine Glanzmomente im Abschluss, sondern Schweiß in den Zweikämpfen: unsere Defensive. Das war nicht sexy, aber sehr erwachsen. Olympiakos hat gedrückt, gepresst, geschoben – und fand meistens nur einen rot-schwarzen Türsteher vor der Tür. Fünf Heimspiele in Folge ohne Gegentor, dazu schon fünf Clean Sheets in zehn Champions-League-Partien: Das ist keine „gute Phase“, das ist ein Statement. Und ja, Blaswich sammelt inzwischen Weiße Westen wie andere Leute Pfandbons.

Klar, spielerisch war das stellenweise zu wenig. Selbst Andrich und Hofmann haben das ja ziemlich offen angedeutet: vor dem Sechzehner fehlte die Wucht, die Idee, manchmal auch einfach die Galligkeit. Früher hätten wir uns an so einem Abend noch mit „Hauptsache weiter“ selbst belogen. Heute klingt es eher nach: „Weiter – aber da geht mehr.“ Das ist ein Luxusproblem, und ich nehme es dankend.

Nebenbei gab’s noch dieses schöne „Zukunft“-Gefühl: Culbreath mit Heim-Debüt, Hofmann endlich wieder Königsklasse in dieser Saison, und Tapsoba als Sicherheitsgurt in der Innenverteidigung. Unterm Strich bleibt: Nicht gefeiert wird die Kunst – gefeiert wird das Weiterkommen. Und wenn im Achtelfinale niemand nach der Art und Weise fragt, dann antworte ich schon mal vorsorglich: „Genau.“

Sonntag, 22. Februar 2026

So fühlt sich ein Nackenschlag an: 0:1 in Berlin und plötzlich schmeckt die Serie bitter

Es gibt Auswärtsspiele, da weißt du nach zwei Minuten: Heute wird’s ein Tag, an dem der Ball die meiste Zeit so tut, als hätte er keine Lust. Alte Försterei, Union, viel Körper, wenig Rhythmus, noch weniger Flow – und wir mittendrin mit der “eigentlich sind wir doch gut drauf”-Serie im Gepäck. Sieben Spiele ungeschlagen, Brust raus, aber bitte nicht zu weit, sonst kommt gleich der nächste lange Ball geflogen.

Was mich an diesem 0:1 am meisten nervt: Es passt so perfekt ins Union-Drehbuch. Ein paar Unterbrechungen, ein paar zweite Bälle, dann einmal zack – langer Pass, Zweikampf, Lupfer, Feierabend. Und ja: Robert Andrich nimmt das Ding auf seine Kappe. Das ist hart, aber immerhin ehrlich. Als Kapitän so offen zu sein, ist wertvoller als jedes “Weiter so”-Poster aus dem Phrasenmuseum. Trotzdem: Dass ein Spiel auf diesem Niveau so sehr an einer einzigen Szene hängt, ist genau das, was wir abstellen müssen, wenn wir in großen Wochen nicht immer den gleichen Krimi schauen wollen.

Denn das eigentliche Thema ist nicht “Union war eklig” – das wissen wir. Das Thema ist: Warum wirken wir in solchen Spielen so ideenarm, bis die Uhr uns anbrüllt? 65 Prozent Ballbesitz, 16:8 Torschüsse – klingt nach Kontrolle, fühlt sich aber nach Watte an. Viel Zirkulation, wenig Schnittstellen, und wenn’s mal gefährlich wird, fehlt diese letzte Qualität: der eine Kontakt zu viel, die Flanke einen Tick zu hoch, der Kopfball von Schick in der Nachspielzeit eben nicht im Netz. Union stellt sich tief, klar – aber wir müssen Lösungen haben, bevor der Gegner den Beton anrührt.

Positiv: Hjulmands Dreifachwechsel brachte endlich Tempo und Wucht rein. Negativ: Dass es erst so spät “klickt”. Und jetzt kommt das Beste: Natürlich gibt’s keine Zeit zum Jammern, weil direkt Olympiakos in der BayArena wartet. Ich sag’s so: Dieses Spiel war ein Warnschild. Wenn wir’s ernst nehmen, war’s vielleicht sogar nützlich. Wenn nicht, wird’s teuer.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Schick-Schock in Piräus

Es gibt Abende in Europa, da fühlt sich Bayer 04 an wie dieser eine Kumpel, der erst nach einer Stunde Smalltalk merkt, dass er eigentlich zum Date wollte. 60 Minuten lang klopfen wir in Piräus an die Tür, stehen dann aber gefühlt ohne Schlüssel vorm eigenen Chancenhaus. Und natürlich schwebt sofort dieses unangenehme Déjà-vu aus der Ligaphase über dem griechischen Hexenkessel: „Wenn du sie vorne nicht machst…“ – ja, kennen wir, bitte nächste Folie.

Nur: diesmal sind wir nicht die brave Werkself, die sich von Atmosphäre, Pressing und Stadionakustik einlullen lässt. Diesmal ist da etwas, das man in Leverkusen inzwischen fast schon als Luxusproblem kennt: Geduld. Man kann das langweilig finden, man kann es auch „Erwachsenwerden in der Königsklasse“ nennen. Ich nenne es: endlich mal nicht komplett nervös werden, wenn’s auswärts laut wird.

Und dann kommt Patrik Schick. Erst eiskalt nach dem Konter, dann per Kopf nach Ecke – 144 Sekunden, die sich anfühlen wie „Ach so, Tore schießen ist erlaubt“. Dass er dabei sogar mit Grimaldo heimlich die kurze Ecke verabredet, passt perfekt: Während andere noch diskutieren, ob man Standards trainieren darf, macht Bayer 04 einfach welche rein. Unverschämt.

Was mir trotzdem sauer aufstößt: Wir hätten das Ding früher entscheiden können – und müssen. Maza Latte, Poku daneben, das übliche „Wir sind kreativ im Vergeben“. Olympiakos hatte mit dem aberkannten Treffer schon den Finger am Spielverlauf. Diese K.o.-Spiele bestrafen jeden Moment von Leichtsinn, und manchmal auch jede verpasste Vorentscheidung.

Trotzdem: 2:0 aus Piräus ist ein Statement. Nicht das glamouröseste, aber eins, das nach Achtelfinale riecht. Jetzt bitte in Berlin nicht wieder die Akkus im Hotel lassen – und dann die BayArena als Finish. Erster Step gemacht? Ja. Aber wir wissen doch: Leverkusen kann selbst beim Treppensteigen noch über die letzte Stufe stolpern.

Sonntag, 15. Februar 2026

Kamelle, Kopfball, Klartext

Wenn Karneval ist und Bayer 04 dreimal per Kopf trifft, dann weißt du: In Leverkusen wird nicht nur Kamelle geworfen – da fliegen auch Standards wie Konfetti.

Dieses 4:0 gegen St. Pauli fühlt sich nämlich weniger nach „schöner Heimsieg“ an, sondern nach dem lang ersehnten „Ah, da seid ihr ja wieder!“-Moment. Hjulmand hatte zuletzt genau diese Mischung vermisst: Kontrolle, Spielfreude, Klarheit. Und plötzlich steht da eine Werkself, die den Ball zirkulieren lässt, als hätte sie ihn selbst im Fanshop gekauft – und die gleichzeitig in der Luft so dominant ist, dass man St. Pauli fast einen Sauerstoffzuschlag hätte beantragen müssen. Zwei Kopfballtore in einer Minute, später noch eins hinterher: Das ist nicht einfach Effizienz, das ist eine PowerPoint-Präsentation zum Thema „Standards können Spaß machen“.

Und dann diese Innenverteidiger! Quansah trifft schon früh, Tapsoba köpft nach der Pause – und ganz ehrlich: Wenn dein Abwehrchef inzwischen Tore und Assists sammelt wie andere Leute Payback-Punkte, dann läuft was richtig. Dass Tapsoba offenbar gerade nebenbei das Elite-Ranking „torbeteiligungsstärkster Innenverteidiger der Top-5-Ligen“ anführt, klingt wie ein Fußballmanager-Bug – ist aber für uns schlicht wunderbar. Nur typisch Bayer 04, dass wir selbst bei Bestwerten reflexartig denken: „Bitte bleib gesund, bitte bleib gesund…“

Trotzdem: Ein 4:0 kaschiert auch, was die Wochen davor nervte. Die Leistungsschwankungen waren real, die Selbstverständlichkeit nicht immer da. Genau deshalb ist dieses Spiel so wichtig – nicht wegen St. Pauli, sondern wegen uns. Weil es zeigt, dass die Idee unter Hjulmand greifen kann, auch mit ständig wechselnden Startelf-Puzzleteilen. Jetzt kommen diese englischen Wochen, Olympiakos wartet, Union auch – und wir wissen alle: Leverkusen kann im Februar beides sein, Genie und Wackelkandidat.

Aber heute? Heute war’s mal wieder ganz klar: Fanbrille auf, Brust raus, und bitte genauso weitermachen – nur ohne den Teil, wo wir nächste Woche wieder rätseln, welche Werkself eigentlich auftaucht.

Sonntag, 8. Februar 2026

Ein Punkt ist auch ein Punkt – fühlt sich aber trotzdem an wie halbes Kölsch

Es gibt diese Spiele, da sagt die Tabelle hinterher „alles gut“, während das Fanherz leise seufzt. Mönchengladbach auswärts, Derby, Flutlicht, Top-fünf-Ambitionen – und am Ende steht ein 1:1, das nüchtern betrachtet okay ist, sich aber emotional eher wie lauwarme Brause anfühlt. Ungeschlagen-Serie verlängert, ja. Aber Euphorie? Eher so Mittelrhein-Pegel im Hochsommer.

Was dieses Spiel vor allem gezeigt hat: Bayer 04 ist gerade in einer spannenden Übergangsphase. Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, viel Idee – aber eben auch diese seltsame erste Halbzeit, in der wir aussahen, als hätten wir den Stecker für Intensität erst nach der Pause gefunden. Das ist kein individuelles Problem, das ist ein strukturelles Thema. Man sieht, dass die Mannschaft noch lernt, was sie sein will unter Kasper Hjulmand. Mehr Spielkontrolle, mehr Geduld, mehr System – alles gut. Nur darf Geduld nicht mit Schläfrigkeit verwechselt werden.

Gladbach hat genau das gemacht, was man gegen uns machen muss: giftig sein, Räume zustellen, auf Fehler lauern. Und wir? Lieferten den Fehler frei Haus. Dass Aleix Garcia später mit gefühlt 300 Ballkontakten den Ausgleich einleitete, passt irgendwie zur Geschichte dieses Abends: viel Verantwortung, viel Qualität, aber auch ein paar unnötige Risiken. Typisch Bayer 04 2026 – Talent mit Lernkurve inklusive.

Die zweite Halbzeit machte dann Hoffnung. Mehr Tempo, mehr Zugriff, mehr von dem, was wir uns eigentlich von Anfang an wünschen. Aber auch da fehlte dieses letzte bisschen Konsequenz im letzten Drittel. Der Punch, der Unterschied zwischen „ganz nett“ und „Topteam“. Genau daran wird sich diese Mannschaft messen lassen müssen, wenn sie dauerhaft oben mitspielen will.

Unterm Strich bleibt ein Punkt, der nicht weh tut, aber auch nicht glücklich macht. Vielleicht ist genau das der Preis für Entwicklung. Als Fan mit schwarz-roter Brille sage ich: Lieber jetzt solche Spiele, als im April. Aber ein bisschen mehr Gier von Beginn an – das wäre schon schön. Und zwar sehr.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Berlin, wir könnten dann mal losfahren

So langsam wird’s unheimlich. Während anderswo Pokalabende für Herzrasen, Elfmeterschießen und spontane Weißbierduschen sorgen, spielt unsere Werkself diesen Wettbewerb mittlerweile mit der Kaltschnäuzigkeit eines Spitzenkochs, der weiß: Die Gäste kommen eh, also lieber rechtzeitig den Hauptgang servieren. Und das Menü gegen den FC St. Pauli? Drei Gänge, kein Schnickschnack, aber satt und mit Nachgeschmack: 3:0, Halbfinale, weiter geht’s.

Dabei waren die Kiezkicker kein Fallobst. Mutig, frech und mit dem Willen, dem Favoriten ein paar Kratzer zu verpassen. Nur dumm, dass unsere Defensive mittlerweile wirkt wie ein Türsteher auf Red Bull: freundlich, aber unnachgiebig. Tapsoba räumt hinten so ab, als hätte er noch eine Rechnung mit der Reeperbahn offen, während Andrich neben ihm die innere Ruhe eines Zen-Mönchs mit dem Grätsch-Timing eines Chirurgen vereint. Und wenn dann vorne ein Terrier volley die Kugel versenkt, als hätte er jahrelang nichts anderes gemacht, weißt du: Der Pokal riecht schon wieder nach Werkself.

Natürlich gab’s auch Phasen, in denen St. Pauli am Ausgleich schnupperte – doch dann kamen unsere alten Bekannten ins Spiel: Effizienz, Ballkontrolle und der gute, alte Joker. Hofmanns Treffer in der Nachspielzeit? Symbolisch für diese Mannschaft: Du kannst sie vielleicht mal ärgern, aber wenn’s drauf ankommt, macht sie die Tür zu und das Licht aus. Dass Hofmann schon das fünfte Joker-Tor dieser Pokalsaison erzielt hat, spricht übrigens weniger gegen die Startelf als vielmehr für eine Bank, von der andere träumen.

Kasper Hjulmand, unser dänischer Fußball-Philosoph, bleibt dabei betont sachlich – Berlin ist noch nicht erreicht, aber die Tickets liegen fast griffbereit. Und wir Fans? Wir dürfen leise hoffen, ohne gleich wieder an Bayer-typische Halbfinal-Phobien erinnert zu werden. Denn diesmal wirkt das alles… reif. Ernsthaft. Eine Mannschaft mit Ziel, Teamgeist und einer Art von Selbstverständnis, die nicht in Arroganz umschlägt, sondern in Spielfreude und Klarheit.

Also, liebe Werkself: Ruhen wir uns nicht aus. Geben wir weiter alles. Und am besten bald auch den Termin fürs Pokalfinale in den Kalender eintragen. Wer weiß – vielleicht steht da ja am Ende nicht nur das Ziel, sondern endlich auch der verdiente Titel.

Sonntag, 1. Februar 2026

Kalt wie die Stadionwurst – Bayer 04 gewinnt mit halber Kraft

Na, wer hätte das gedacht? Drei Pflichtspielsiege in Folge, Auswärtssieg in Frankfurt, und das mit einem Auftritt, der in der zweiten Halbzeit eher nach Energiesparmodus aussah als nach Titelkampf. Aber gut, wenn man schon nach 45 Minuten fast alles erledigt hat, darf man sich ja auch mal zurücklehnen – zumindest ein bisschen. Denn was die Werkself in der ersten Hälfte zeigte, war genau das, was man sich als Fan so oft wünscht: kontrolliert, abgeklärt, effektiv. Zwei Chancen, zwei Tore. Effizienz wie beim Pfandautomat am Rewe.

Arthur, sonst eher als taktisch wertvoller Dauerläufer bekannt, durfte sich endlich auch mal in die Torschützenliste eintragen. Nach über einem Jahr Bundesliga-Pendelverkehr – von rechts nach links und zurück – hat er sich den Moment mehr als verdient. Und wie immer, wenn jemand bei uns das erste Tor macht, denkt man sich: Hoffentlich platzt da jetzt ein Knoten und nicht nur eine Seifenblase.

Malik Tillman legte schnell nach – drittes Tor im zweiten Spiel, man fragt sich langsam, was der eigentlich gegessen hat in der Winterpause. Was auch immer es war: bitte mehr davon in der Kabine verteilen. Die Eintracht? In Hälfte eins überfordert, in Hälfte zwei dann so, wie man sie erwartet hatte: bissig, laut, mit Stadion im Rücken. Und Bayer? Tja, mit der alten Leverkusener Krankheit: statt den Sack zuzumachen, erst mal den Reißverschluss suchen.

Zum Glück spielte die Eintracht nicht lange mit elf Mann. Die Gelb-Rote für Skhiri half, keine Frage. Aber dass es trotzdem bis zur 93. Minute dauerte, bis Garcia den Deckel draufmachte, lässt einen nicht ganz beruhigt auf den Pokal gegen St. Pauli blicken. Denn eines bleibt: Diese Mannschaft ist auf dem richtigen Weg, aber sie hat immer noch diese kleinen Aussetzer, bei denen man denkt: Muss das jetzt sein?

Kurz gesagt: Das Spiel war ein bisschen wie Stadionwurst im Winter – außen knackig, innen manchmal zu weich, aber am Ende doch genau das Richtige. Und mit drei Punkten schmeckt's eh besser.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Bayer 04 entdeckt die Königsklassen-Kontrolle

Wenn Bayer 04 Leverkusen aktuell Fußball spielt, hat das stellenweise was von einem gut geölten Kaffeevollautomaten: Knopf drücken, läuft. Gegen Villarreal war das jedenfalls keine Champions-League-Partie – das war eine Machtdemonstration in Schwarz-Rot. 3:0 stand’s am Ende und man hatte das Gefühl, der Gegner durfte sich für die Teilnahme bedanken. Ballbesitzphasen jenseits der 75 Prozent, Passquoten auf Streber-Niveau und eine Körpersprache, die dem Fan seit Jahren verdächtig fremd vorkam: souverän, gelassen, aber nie überheblich.

Malik Tillman erwischte seinen bisher besten Abend im Bayer-Trikot – und das ausgerechnet in einem Spiel mit echtem Druck. Normalerweise zittern wir uns in solchen Spielen ins Ziel oder stolpern im letzten Moment über unsere eigenen Ambitionen. Diesmal? Zwei Tore von Tillman, das erste davon eine Art Pressing-Poesie: Torwart anrennen, Ball blocken, Ball drin. Das zweite dann so sauber abgeschlossen, als wäre er heimlich als Scharfschütze ausgebildet worden. Ein Spiel wie eine Bewerbung für die Fußball-Fachkraft des Monats.

Und dann war da ja noch Grimaldo. Der Mann trifft in der Champions League mittlerweile regelmäßiger als der ICE Verspätung hat. Sein Volley zum 3:0 war technisch so sauber, dass selbst der Rasen kurz applaudieren wollte. Das restliche Spiel? Ballkontrolle, Passstafetten, Villarreal auf Standbild – aber bitte alles mit Hjulmand'scher Ruhe. Der Däne an der Seitenlinie wirkt sowieso wie ein Chefchirurg: nie hektisch, aber man weiß, dass er gerade etwas Kompliziertes ziemlich gut hinkriegt.

Natürlich bleibt bei aller Euphorie ein kleines „aber“: Es war nur Villarreal. Und der Play-off-Gegner wird vermutlich weniger passiv sein – wobei Dortmund als möglicher Gegner zumindest eines garantiert: viel Gesprächsstoff und noch mehr Nervenstress. Aber hey, dafür sind wir ja Fans geworden. Und zumindest diesmal gehen wir mit etwas Rückenwind in die nächste Runde. Und mit einem Gefühl, das wir fast vergessen hatten: dass man europäisch auch mal mit breiter Brust auftreten darf. Danke für diesen Abend, Bayer. So darf es gern weitergehen.

Sonntag, 25. Januar 2026

Ein Arbeitssieg mit Schönheitsfehlern – aber wir nehmen, was wir kriegen

Endlich! Drei Punkte. Kein Gegentor. Und niemand hat sich verletzt. Das klingt nach einem rundum gelungenen Fußballabend in der BayArena – oder sagen wir: nach einem zumindest versöhnlichen Start in die Pflichtspielsaison 2026. Nach drei Spielen ohne Sieg war das 1:0 gegen Werder Bremen genau das, was die geschundene Fan-Seele gebraucht hat: ein Lebenszeichen. Kein Spektakel, kein Offensiv-Feuerwerk, aber immerhin keine neue Baustelle.

Natürlich kann man jetzt euphorisch werden, immerhin hat Lucas Vázquez seinen ersten Treffer im Bayer-Dress erzielt und das gleich entscheidend. Aber so richtig ins Rollen kommt der Werkself-Motor nach der Winterpause noch nicht. Statt schnurrendem Hybrid-Boliden eher solides Diesel-Geknatter mit ein paar Fehlzündungen. Die Chancenverwertung? Ausbaufähig wie ein 90er-Jahre-Einfamilienhaus in Leverkusen-Wiesdorf. Patrik Schick trifft zwar, aber leider mit der Hand – zum Geburtstag hätte man sich da auch ein bisschen Regelkunde wünschen können.

Trotzdem: Man darf nicht undankbar sein. Bremen war unbequem, wie ein Grünkohl-All-you-can-eat-Buffet – schwer zu verdauen und gefährlich für die letzten zwanzig Minuten. Da wurde es hinten raus noch unnötig spannend. Aber die Abwehr hielt, Palacios gab nach seiner Verletzungspause ein erfreuliches Comeback, und vorne reichte diesmal ein clever ausgespielter Angriff, um den Deckel draufzumachen.

Dass die Bayern parallel gegen Augsburg verlieren und damit unseren historischen Ungeschlagen-Rekord aus der Saison 2023/24 nicht ankratzen können, ist die Kirsche auf dem Werkself-Kuchen. Meister werden sie vermutlich trotzdem, aber wenigstens bleibt uns das in Stein gemeißelte "niemals verloren" noch ein Weilchen erhalten.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass dieser Sieg wichtig war – fürs Selbstvertrauen, für die Tabelle, für den Puls der Fans. Spielerisch ist da noch Luft nach oben, aber zumindest hat man das Gefühl, dass die Richtung wieder stimmt. Und mit Villarreal wartet schon das nächste Spiel, das man nicht verlieren darf, wenn man international mitmischen will. Also: kein Grund zur Ekstase, aber auch keiner zur Panik – ein typischer Bayer-Start eben. Hauptsache, der nächste Schritt folgt bald.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Fragezeichen – Piräus für Fortgeschrittene

Wer sich jemals gefragt hat, ob 738 Pässe reichen, um ein Champions-League-Spiel zu gewinnen, hat jetzt die Antwort: nein. Willkommen beim Fußball-Phänomen Bayer 04 Leverkusen – dem einzigen Klub Europas, der einen Ballbesitz-Weltrekord aufstellen kann, ohne das Tor zu treffen. In Athen durften wir erleben, wie man ein Spiel dominieren kann, ohne es auch nur ansatzweise zu gewinnen. Die Werkself stolperte mit wehenden Statistiken und leerem Tor-Konto aus dem Hexenkessel von Piräus.

0:2 stand’s am Ende. Gegen eine Mannschaft, die offenbar unter dem Motto „Zwei Schüsse – zwei Treffer – Feierabend“ angetreten war. Bayer hingegen? Hochglanzfußball, kluge Laufwege, feiner Spielaufbau – und vor dem Tor so zahnlos wie ein griechischer Straßenhund nach drei Ouzos.

Es ist diese paradoxe Kombination aus Kontrolle und Chaos, die uns Fans gleichzeitig begeistert und in den Wahnsinn treibt. Klar, es war das siebte Gruppenspiel – die UEFA hat bekanntlich ein Faible für völlig übersichtliche Turnierformate – aber gefühlt war’s das erste Mal, dass Bayer 04 sich wie ein Achtelfinal-Kandidat benommen hat, bloß ohne das nötige Ergebnis.

Dabei war gar nicht alles schlecht. Debüt für Blaswich, Vázquez mit Comeback und Aleix Garcia, der Pässe verteilt hat wie Kölle Kamelle. Aber was nützen uns 120 gespielte Bälle, wenn am Ende keiner davon im Netz zappelt? Olympiakos hat's vorgemacht: Effektivität schlägt Ästhetik.

Hjulmands Truppe zeigt Willen, Moral und Spielwitz – aber was fehlt, ist diese eiskalte Entschlossenheit im Strafraum. Immer wieder Chancen, immer wieder Tzolakis, der mittlerweile vermutlich als UNESCO-Weltkulturerbe für griechische Torhüterleistungen vorgeschlagen wird.

Und so stehen wir Fans mal wieder da, klatschnass vom Hoffnungsschweiß und mit dieser typischen Leverkusen-Melange aus Stolz, Frust und latentem Selbstbetrug. „Wir müssen zusammenhalten“, sagt der Trainer. Klar, machen wir. Aber bitte mit Toren – und Punkten. Sonst bleibt uns am Ende nur das gute Gefühl, „eigentlich besser gewesen zu sein“. Und davon kann man sich im Achtelfinale bekanntlich nichts kaufen.

Am Samstag kommt Werder. Gute Gelegenheit, aus Chancen auch mal Tore zu machen. Und wenn nicht? Dann eben wieder 700 Pässe. Irgendwann muss der Ball ja rein.

Sonntag, 18. Januar 2026

Sinsheim? Mehr so Sinnkrise

Es gibt Spiele, die will man am liebsten vergessen – und dann gibt’s das 0:1 in Hoffenheim. Ein Spiel, das so unspektakulär war, dass selbst das Stadionbier wahrscheinlich beim Einschank eingedöst ist. Natürlich könnte man sagen: "Knapp verloren, kann passieren." Aber wenn man zwei Wochen nach der Winterpause schon das zweite Spiel in Folge in den Sand setzt, dann darf man ruhig mal die Alarmglocke suchen – oder wenigstens den Wecker.

Dabei war die Idee ja gar nicht schlecht: Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, wenig Chaos – also all das, was man sich wünscht, wenn man gegen einen Gegner spielt, der eher auf Konter und Standards setzt. Dumm nur, dass man dann nach neun Minuten direkt einen Freistoß reingewürgt bekommt, bei dem Flekken aussah, als hätte er kurz an den nächsten Brunch gedacht. Der Ball flog jedenfalls vorbei – und mit ihm unsere gute Laune.

Danach? Viel Bemühen, wenig Biss. Es ist fast schon tragikomisch, wie planlos unsere Jungs wirkten, wenn sie dann doch mal bis zur Strafraumgrenze vorgedrungen sind. Vielleicht hätte jemand vorher erwähnen sollen, dass man auch *abschließen* darf. Schick hatte noch die beste Gelegenheit, aber wer so schießt, als wäre der Ball aus Seife, der bringt auch keine TSG-Defensive ins Wanken.

Dass Tella und Flekken dann auch noch verletzt runter mussten, passte zur Stimmung wie ein Regenschauer zum Straßenkarneval. Immerhin: Janis Blaswich feierte ein ordentliches Debüt. Keine Glanzparaden, aber auch keine Querschläger – aktuell reicht das schon für einen kleinen Lichtblick.

Natürlich sagen alle Beteiligten nun pflichtbewusst, dass man „alle Möglichkeiten hat, stabiler zu werden“. Klingt gut. Hat nur bisher wenig mit dem zu tun, was man auf dem Platz sieht. Denn gegen Stuttgart vier Dinger kassieren und dann in Hoffenheim nach vorne wie ein Klappstuhl agieren – das ist vor allem eins: instabil.

Aber hey, wir Fans sind ja leidensfähig. Und Optimismus gehört zum Paket – wie die Dauerkarte zum Schmerz. Jetzt also Piräus unter der Woche und dann Bremen zu Hause. Vielleicht gibt’s ja dort endlich wieder Grund zum Jubeln. Falls nicht, bleibt uns immerhin der Trost, dass auch schlechte Phasen dazugehören. Nur bitte nicht zu lange.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Wegen Dachschaden: Leverkusens Ausflug ins Schietwetter fällt ins Wasser

Na super, da freut man sich auf ein Dienstagabendspiel unter Flutlicht gegen den HSV – immerhin mal wieder ein Traditionsduell mit ordentlich Pokal-Würze – und dann fällt das Ganze buchstäblich ins Wasser. Oder besser gesagt: ins Tauwasser. Denn statt Fußball gab’s für uns Bayer-Fans nur eine wetterbedingte Lektion in norddeutscher Statik.

Das Volksparkstadion, das sich in Sachen Atmosphäre ohnehin eher zwischen 90er-Jahre-Charme und Baustellenromantik bewegt, wurde kurzerhand gesperrt, weil das Dach offenbar bei plötzlichem Tauwetter die Grätsche gemacht hat. Schnee plus Wasser gleich Punktlasten – hätte man auch früher drauf kommen können. Aber gut, im Norden rechnet man Mitte Januar halt nicht mit Wetter.

Natürlich ist Sicherheit wichtig, keine Frage. Niemand will, dass Robert Andrich beim Einlaufen von einer Dachlawine getroffen wird oder Kasper Hjulmand später in der PK erklären muss, dass die Taktik am schmelzenden Membrandach gescheitert ist. Aber irgendwie riecht das Ganze schon ein bisschen nach Hamburger Slapstick. Wir reisen also bei Eiseskälte gen Norden, Fans nehmen sich Urlaub, buchen Hotels, füllen die Auswärtsblöcke – und dann sagt der Stadionstatiker „nö“. Ohne Alternative, ohne Vorwarnung, aber mit ganz viel „Hanseatischer Gelassenheit“.

Während in der BayArena notfalls auch bei Saharastaub und Plattenspielerregen gespielt würde, zeigt sich der HSV wieder mal als Spitzenreiter der kuriosen Absagen. Irgendwie passt das zum Verein, der sich zwischen Bundesliga-Rückkehr und Zweitliga-Endlosschleife eingerichtet hat wie in einem gemütlichen Windjammer auf der Elbe.

Die DFL muss nun einen neuen Termin finden, am besten irgendwo zwischen eng getaktetem Rückrundenplan, Pokal-Halbfinale und Champions-League-Viertelfinale. Wir freuen uns jetzt schon auf den Nachholtermin – wahrscheinlich an einem Mittwochvormittag um 11:30 Uhr bei 27 Grad und strahlendem Sonnenschein. Vielleicht mit offenem Dach. Oder ganz ohne. Sicher ist sicher.

Sonntag, 11. Januar 2026

Neues Jahr, alter Frust: Frohes 2026 aus der Horrorzone

Na dann, Prosit Neujahr. Wer dachte, dass das neue Fußballjahr für Bayer 04 mit einem Knall beginnt, hatte leider recht – nur kam der Knall von der falschen Seite. 1:4 gegen den VfB Stuttgart. Zu Hause. In der BayArena. Und das schon nach 45 Minuten im Prinzip durch. Stuttgart? Das war mal unser Lieblingsgegner. Inzwischen haben wir selbst dafür gesorgt, dass sie ihre Komplexe über Bord werfen konnten. Quasi psychologische Aufbauarbeit vom Feinsten.

Die Werkself wirkte, als hätte sie in der Winterpause statt Trainingslager eher an einem Yoga-Retreat teilgenommen. Ballbesitz ja, Ideen nein. Leidenschaft? Fehlanzeige. Körperlichkeit? Nur bei den Gästen. Dass sich Grimaldo und Quansah nach dem Spiel fast entschuldigt haben, war zwar ehrlich – aber auch ein Armutszeugnis für die Leistung. Wenn der Gegner dich wie ein Drittliga-Team auseinandernimmt, hilft keine Analyse mehr. Dann hilft nur: Besser machen. Sofort.

Klar, man kann jetzt auf die vielen Ausfälle zeigen – Afrika-Cup, Verletzungen, muskuläre Problemchen hier, Reha-Phase dort. Aber das erklärt nicht, warum die Mannschaft kollektiv wie auf Valium wirkte. Stuttgart war einfach galliger, schneller, schärfer – und so schmerzhaft es ist: auch klüger.

Immerhin: Fernández ist zurück, Grimaldo trifft immerhin per Elfmeter, und die zweite Halbzeit war wenigstens kein Totalausfall mehr. Kleine Fortschritte für den Optimismus, den wir uns als Fans ja trotz allem irgendwie bewahren. Nur: Wenn man mit zwölf Punkten Rückstand auf Bayern ins neue Jahr geht und dann so eine Bauchlandung hinlegt, kann man schon mal unruhig werden. Nicht wegen einer Niederlage – sondern wegen der Art, wie sie zustande kam.

Am Dienstag geht’s zum HSV. Aufsteiger, Flutlicht, kalter Januarabend – der perfekte Ort, um zu zeigen, dass man noch weiß, wie man Fußball spielt. Und nicht nur wie man Spiele herschenkt. Wir wollen keine Ausreden mehr hören. Wir wollen wieder eine Werkself sehen, die das ist, was sie im Namen trägt: eine Mannschaft, die ackert, rackert, fightet. Und nicht eine, die sich vom Gegner nach 45 Minuten kollektiv die Hosen runterziehen lässt.

Sonst wird aus dem Vizemeistertraum schneller ein Europa-League-Krampf, als uns lieb ist.